Fachkräftemangel begegnen - Attraktivität vom Bau verbessern

News | Frank Kessler | 15.11.2021
Fachkräftemangel begegnen - Attraktivität vom Bau verbessern
Foto: Roland Riethmüller

Noch immer herrscht hoher Fachkräftemangel. Das hat eine aktuelle Studie kürzlich bestätigt. Doch die Studie ergab noch etwas anderes: Über mangelnde Aufträge kann sich das Baugewerbe nicht beschweren. Die Auftragsbücher sind voll und haben eine Reichweite für mehrere Monate. Da kommt Partystimmung auf und das in Zeiten der Pandemie. Doch anstatt über mangelnde Fachkräfte zu jammern, sollten die Arbeitsbedingungen im Baugewerbe verbessert werden.

"Ich kann das ewige Gejammer der Bauunternehmer nicht mehr hören”, erklärt Carsten Burckhardt, im Bundesvorstand der Industriegewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt (IG Bau) für das Bauhauptgewerbe zuständig. “Ja, es gibt Lösungen dazu, und die Unternehmen haben es selbst in der Hand, gut ausgebildete Arbeitskräfte zu halten und sogar zu gewinnen." Die neuste Studie des ifo-Instituts ergab, dass 34,1 Prozent der Unternehmen im Hochbau und 36,8 Prozent der Tiefbauunternehmen über den Mangel an Fachkräften klagen. Burckhardt fordert daher, die Schuld nicht im gesellschaftlichen Ansehen zu suchen und den Menschen nicht vorzuhalten, dass sie sich nicht mehr die Hände schmutzig machen wollen. Stattdessen sollten die Bauunternehmen lieber dafür sorgen, dass die Lohn- und Gehaltstarifverträge auch eingehalten werden. Denn die Unternehmen, die so verfahren, hätten keine nennenswerten Probleme. Ein gelernter Facharbeiter mit einer dreijährigen Ausbildung bekommt laut Tarifvertrag im Westen zwischen 19,66 Euro und 21,48 Euro Tariflohn in der Stunde. Im Osten von Deutschland liegt der Tariflohn zwischen 18,83 Euro und 20,53 Euro. Würden diese Löhne auch gezahlt werden, dann könnte das Baugewerbe an Attraktivität bei den jungen Menschen gewinnen. “Wenn dann noch ordentliche, moderne, familienfreundliche Arbeitsbedingungen geboten werden, dann sei die Branche so richtig sexy und wettbewerbsfähig gegenüber anderen Branchen", so Burckhardt.

Fachkräftemangel trotz voller Auftragsbücher

Die ifo-Studie ergab auch, dass die Auftragsbücher voll sind. Im Tiefbau erreichen die Auftragsbestände eine Zeitspanne von 3,8 Monaten. Im Hochbau liegt die Zahl sogar bei 5,2 Monate. Für Buckhardt ist es daher unverständlich, dass die Unternehmen nicht in der Lage seien, sich darüber zu freuen. Die Löhne und Gehälter müssten steigen und die Arbeitsbedingungen verbessert werden. Würden sich mehr Frauen und Männer für eine Karriere am Bau entscheiden, könnten die vielen Aufträge schnell abgearbeitet werden und so der Fachkräftemangel beseitigt werden.

Aktuelle Kommentare zum Beitrag.
  (Geschrieben von Martin Biermann am 15.11.2021 )

Aber wird bis 2060 jeder ein Zuhause haben? 
Vielen von uns sind sich dessen nicht bewusst, aber da die Weltbevölkerung wächst, müssen 13.000 neue Gebäude pro Tag gebaut werden, um die Nachfrage zu decken = dem  Wachstum gerecht zu werden. Infolgedessen wächst der globale Baumarkt ständig und ist für 10% des weltweiten BIP verantwortlich, in einem 14-T-Dollar-Markt, der weiter wächst. 

Das Hauptproblem der westlichen Welt ist:

25% bis 40% der derzeitigen Bauarbeiter (in der westlichen Welt) werden bis 2030 in den Ruhestand gehen, wobei nur 3% der jungen Erwachsenen (18-25) daran interessiert sind, in der Branche zu arbeiten.

Fazit – "für, wenn sich nichts ändert":
Bauarbeiter müssten mehr verdienen (bzw. werden wichtiger) als Politiker/Beamte/Bänker/Planer/Rechtsanwälte/Richter/Autoindustrie bis BGH-Richter - um das "KLIMA und cop27" zu retten!

  (Geschrieben von Sven Tewes am 16.11.2021 )

Geld ist nicht unser Problem - denn das muss am Ende der Kunde und so auch der Herr Gewerkschafter zahlen! Unser Problem sind verdackelte Menschen die aus der Schule kommen, zum Teil nicht ihren Namen schreiben können, um 8 Uhr aufstehen möchten aber spätestens um 16:30 Uhr bei ihrer Freundin sein müssen. Die nächsten sind dann die, die um 8 Uhr ihre Kinder in die Schule bringen wollen und um 14°° wieder weg müßen. Sorry aber das hat nun nichts mit den AG zu tun , dass ist ein ganzheitliches Problem. Und nein wir jammern nicht, die meisten meiner Kollegen werden ihr Geschäft  schliessen wenn es für sie soweit ist und was dann Herr Gewerkschaftsführer?

Ein anderer Trend ist der Umsatz geht zurück - ok - dann ist das so - aber jammern Sie nicht im Bundestag wenn die Wohnungen nicht kommen!! 

  (Geschrieben von Melanie Binder am 16.11.2021 )

Die Zustände der sanitären Anlagen ist eine einzige Katastrophe, selbst zu Zeiten von Corana müssen die Handwerker sich auf kalte mobile Toiletten setzten teilweise steht eins für 20 Mann zu Verfügung. Hände waschen oder aufwärmen ist auf kleineren Bauvorhaben so gut wie gar nicht möglich und es wird nicht kontrolliert und nicht bestraft. Dies trägt auch dazu bei das die Handwerker öfter krank werden und auch keine Lust mehr haben auf der Baustelle zu arbeiten.

  (Geschrieben von thomas bock am 16.11.2021 )

der fachkräftermangel war seit über 3 jahrzehnten absehbar. ähnlich erschwinglichen wohnraummangel und pfelegekräftemangel. seit 3 jahrzehnten warne ich davor. einzige lösung: bauroboter. mehr dazu siehe: www.br2.ar.tum.de

  (Geschrieben von Fachmann vom Bau am 16.11.2021 )

ich stimme Herrn Tewes voll zu. Geld ist nicht das Problem.

Letzendlich muss es der Kunde bezahlen und wenn er bereit ist dann können wir auch die Mitarbeiter gut bezahlen. Es muss allerdings auch der Wille da sein mit den Händen zu arbeiten. Am Bau gibt es zwar kein warme Büro und Meeting 3x am Tag dafür aber viel

frische Luft, immer neue, wechselnde Kunden sowie eine Menge Erfahrung auch fürs Leben.

Wer einen Handwerksberuf erlernt hat wird in vielen Fällen selbst keinen Handwerker für viele Dinge benötigen und sich selbst helfen können. Die anderen müssen dann halt den Handwerker teuer bezahlen. Es muss endlich verstanden werden das auch im Handwerk es durchaus üblich und normal ist Geld zu verdienen nicht nur mit der Vermittlung von Versicherungen, Handel mit Aktien etc. Das muss dann den jungen Leuten früh erklärt werden. Wie Herr Tewes sagt, wenn das nicht funktionert machen wir halt weniger aber für mehr Geld. Den Angebot und Nachfrage

bestimmen in der Marktwirtschaft den Preis !

 

  (Geschrieben von Martin Biermann am 17.11.2021 )

ist ein/DAS NO GO gem. dem ESG – Nachhaltigkeit... /  Kundenorientierung bis Verpflichtung gegenüber nachfolgenden Genrationen (laut Grundgesetz u. im Kontext des EU-Verursacherprinzips... ).

Außerdem steigt der Umsatz:  Baugewerbe in Bayern: Mehr Firmen und mehr Jobs | Regional | BILD.de (bis z.B. Strabag ;  Bauleistung des größten Öst. heimischen Baukonzerns Strabag soll heuer dank zahlreicher Aufträge weiter wachsen. In den ersten drei Quartalen 2021 erhöhte sie sich gegenüber der Vorjahresperiode um 4 Prozent auf 11,5 Mrd. Euro, ... aber deren Mitarbeiterzahl sank um ca. 1%..).

Allerdings und ALLGEMEN steigt (fast) nicht die Arbeitsproduktivität pro Bauarbeiterstunde.
Mir ist dazu nur eine engl. Firma - mit Veröffentlichen Zahlen (über 70 Pfund pro Stunde vs. Im engl. Mittel 25-35 Pfund/Std) - bekannt: Das Delta/Mehrwert.., wurde/wird aber nur - zwischen dem Bauauftraggeber(niedriges Angebot) und der Firma(höherer Gewinn) aufgeteilt.. Würde man es dritteln (= auch 1/3 an die Bauarbeiter) bekämen die Bauarbeiter „Flügel“ und die Firma bis Kunden den ständig ausbaubaren  Bottom-up -Ansatz. 

  (Geschrieben von Martin Biermann am 17.11.2021 )

zeig mir/.uns - ein Gesamt - Haus-/Wohnungsbau -ROBO bzw.3D-Druck Bausystem – das;  4,6 Std/Wfl.. (in konventioneller Bauweise incl. Baugenehmigung u. einfacher ROI- Skalierbarkeit ) unterbietet? 

"im Kontext - UK Construction 2025* = minus 33% der Errichtungskosten + mehr als 50% schneller + 50% weniger ausländische Importe und doppelte Löhne der Bauarbeiter – gab es in D. schon im Dez.2000 ..“bzw. dem doppelten Arbeits-produktivitäts-Wert pro Stunde vs.. der engl.. Tier1  Baufirma. + Selbst die engl. Modular construction** L&G bringt`s auf - nur 1 aus pro Woche“
*https://www.designingbuildings.co.uk/wiki/Construction_2025

** https://www.mckinsey.com/business-functions/operations/our-insights/modular-construction-from-projects-to-products
PS: Ich bin (nur) ein Praxis-Baukennzahlen.... NERD

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