Fachkräftemangel bremst Wachstum Baugewerbe stärker als Corona

News | Frank Kessler | 17.06.2020
Fachkräftemangel bremst Wachstum Baugewerbe stärker als Corona
Foto: Roland Riethmüller

Die Corona-Pandemie hat den Fachkräftemangel in den letzten Monaten deutlich in den Hintergrund gedrängt. Doch durch das Hochfahren der Wirtschaft macht sich der Mangel an Fachkräften vielerorts wieder erheblich bemerkbar. Eine aktuelle Studie macht deutlich, wo die Fachkräfteengpässe tatsächlich liegen und wie sich das Thema bis zum Jahr 2040 auswirken kann. Es wird aber auch klar, dass die meisten Engpässe vor allem im Baugewerbe bestehen.

Wenn nicht ausreichend gegengesteuert wird, dann endet das Wachstum der deutschen Wirtschaft bis zum Jahr 2040. Das ist das bedrohliche Ergebnis eine aktuelle Studie von KfW Research. Denn in fast allen Berufen wird bis dahin ein immer höherer Mangel an Fachkräften erwartet. Offene Stellen in den betroffenen Branchen sind heute schon  in der Regel länger als 160 Tage vakant. Die Corona-Krise hat das für einige Zeit in Vergessenheit geraten lassen. Mit dem Hochfahren der Wirtschaft werden diese Herausforderungen jedoch wieder verstärkt zu spüren sein.

Mehr Initiative von Wirtschaft und Staat gefordert

"Die deutsche Wirtschaft kann dem Fachkräftemangel und der Produktivitätsschwäche vor allem mit mehr Investitionen, Innovationen und Bildungs- und Qualifizierungsmaßnahmen entgegenwirken”, ist sich KfW-Chefvolkswirtin Dr. Fritzi Köhler-Geib sicher. "Diese Zutaten benötigt unsere Wirtschaft auch, um die Corona-Krise und ihre Folgen möglichst schnell zu überwinden". So wird für die kommenden Jahre mehr Initiative vom Staat und der Wirtschaft gefordert. Das gilt über die Landesgrenzen hinaus und betrifft ganz Europa, erklärt Köhler-Geib weiter. Klimaschutz, Krisenfestigkeit und Produktivitätssteigerungen sind deshalb die ausschlaggebenden Handlungsfelder.

Wodurch Fachkräftemangel entsteht

Die zentralen Ursachen für den Mangel an Fachkräften sind die demografische Entwicklung und die abnehmenden Produktivitätszuwächse. Seit dem Jahr 2004 hat die deutsche Bevölkerung um zwei Millionen Menschen abgenommen. Damit reduziert sich automatisch auch das Fachkräfteangebot. Die Folgen sind Engpässe im Güter- und Dienstleistungsangebot und dass immer weniger Berufstätige immer mehr Rentner versorgen müssen.

Investitionen, Innovationen und Digitalisierung helfen im Kampf gegen Fachkräftemangel

Zurzeit gilt es aber, zunächst die Corona-Krise zu bewältigen. Die Wirtschaft muss jedoch auch einen Teil der Verantwortung übernehmen. Durch eine konzertierte Aktion der Verbände könnte dem entgegen gesteuert werden. Eine Mobilisierung der Mittel für die Schutzausrüstung oder um die Test- und Impfstoffentwicklung voranzutreiben wäre ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung. Nur durch mehr Investitionen, mehr Innovationen und mehr Digitalisierung kann eine höhere Produktivitätssteigerung erreicht werden und der Fachkräftemangel verringert werden.

Aktuelle Kommentare zum Beitrag.
  (Geschrieben von Prior, Ralf; D… am 18.06.2020 )

Fachkräftemangel ist zum Einen Säumnis der Wirtschaft selbst, zum Anderen aber in erster Linie der festzustellende gesellschaftliche Änderungsprozess:

Die Arbeit stellt für junge Menschen heute keinen Wert an sich mehr dar, sondern ist nur noch ein notwendiger Anteil an der ich-bezogenen Work-Life-Balance, mit Schwerpunkt auf "Life". Der junge Mensch von 2020 versucht lieber ein mittelmäßiges Abitur zu erlangen und danach zu studieren, auch weil die Eltern vor den Nachbarn besser aussehen möchten, anstatt mit einem eher guten Realschulabschluss eine Ausbildung z.B. im Handwerk oder z. B. als CAD-Konstrukteur in Planungs- und Ingenieurbüros anzufangen. Obwohl dort auch sehr gute Aufstiegs- und Verdienstchancen warten, z. B. Meisterbrief oder berufsbegleitendes duales Studium für junge Talente. Ferner weisen viele junge Leute mangelnde Sozialkompetenzen (fehlende Höflichkeit, Umgangsformen, Pünktlichkeit, Zuverlässigkeit, Ehrgeiz) und v. a. lückenhaftes schulisches Grundwissen auf (v. a. Rechtschreib-, Sprach- und Mathematikschwächen). Dies führt bereits zu motivations- und erfolgloser Ausbildung, was der Betrieb allein nicht mehr nachholen kann. Da krankt es schon an Elternhaus, Erziehung und Schulbildung. In spätestens 2040 wird Deutschland daher eher auf einen Mittelplatz zurückfallen.

  (Geschrieben von Reto H. Walser am 18.06.2020 )

Guten Tag

Ob wirklich nur die abnehmende Bevölkerungszahl zum Fachkräftemangel führt, wage ich stark anzuzweifeln. Die steigende Tendenz, jeder und jede müsse einen Bachelor- oder Masterabschluss vorweisen können und alle anderen mit - zwar ebenso qualifizierten aber weniger angesehenen - Berufslehren usw. seien als minderwertige Mitglieder unserer Gesellschaft zu werten, wird sich mehr und mehr rächen. 

Ich kann diese Entwicklung aus nächster Nähe beobachten. Das Unverständnis für die Kurzsichtigkeit der Wirtschaftsstrategen wächst bei mir, aber auch bei vielen Berufsleuten aus der Handwerkszunft. 

Na dann, viel Erfolg!

  (Geschrieben von Andreas B am 19.06.2020 )

Ich sehe das Problem in der Gesellschaft selbst. Jede und jeder muss studieren, sonst ist aus Ihr oder Ihm nichts geworden. So ist der Tenor der Gesellschaft.

Zudem sind die Arbeitsbedingungen in vielen Ausbildungsberufen, grade aber im Baugewewrbe äußerst schlecht. Der Verdienst und somit die Stellung in der gesellschaft sind auch nicht besonders gut. Dann müssen die Bauarbeiter bis über 60 arbeiten, was bei den körperlichen Belastungen nur den allerwenigsten gelingt, die meisten fallen jedoch vorher aus und somit zum teil in Armut.

Wie lässt sich das alles nun verbessern? Die Arbeitsbedingungen lassen sich nur sehr bedingt verbessern, jedoch wäre den Arbeitern schon damit geholfen, wenn bestimmte Berufsgruppen nach 35 Arbeitsjahren (ohne Ausbildung) ohne Abzüge in Rente gehen könnten. Zudem müsste der Arbeitslohn deutlich gesteigert werden um junge Menschen für eine solche Ausbildung zu gewinnen.

 

Am Ende wird jedoch nichts passieren, da zum Einen, die Menschen für Arbeitsleistungen nicht gerne bezahlen (Eine Handtasche für 500€ ist gut, eine Hausmeisterstunde für 100€ ist schlecht).

Das Rentensystem in Deutschland beforzugt jeden, der so lange wie möglich studiert hat oder verbeamtet worden ist.

 

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