Fachkräftemangel im Handwerk: MINT-Berufe werden immer wichtiger

Foto: www.amh-online.de

Der Fachkräftemangel im Handwerk bremst zunehmend die Digitalisierung am Bau. Mehr als 100.000 offene Stellen in technischen Handwerksberufen gefährden die Energiewende. Gesucht werden vor allem Fachkräfte in technischen MINT-Berufen, die für Wärmepumpen, Photovoltaik und intelligente Gebäudetechnik unverzichtbar sind. Gleichzeitig bleiben viele Ausbildungsplätze unbesetzt, obwohl moderne Handwerksberufe hervorragende Karrierechancen bieten. Eine aktuelle Analyse zeigt die großen Zukunftschancen gerade für SHK- und Elektroberufe. 

Der Fachkräftemangel bleibt eine der größten Herausforderungen für die Bau- und Ausbauwirtschaft. Besonders betroffen sind handwerklich-technische MINT-Berufe, die für die Energiewende, den Gebäudebestand und die Digitalisierung im Bauwesen unverzichtbar sind. Bundesweit sind mehr als 100.000 Stellen in diesem Bereich unbesetzt. Gleichzeitig entscheiden sich viele Schulabgänger weiterhin für ein Studium, obwohl technische Handwerksberufe exzellente Karriere- und Entwicklungsmöglichkeiten bieten. Die Handwerkskammer Region Stuttgart macht deshalb auf die oft unterschätzten Chancen moderner MINT-Berufe aufmerksam. MINT steht für Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft sowie Technik und umfasst dabei weit mehr als akademische Berufe. Gerade auf Baustellen und in Handwerksbetrieben kommen digitale Technologien, intelligente Gebäudetechnik und komplexe technische Systeme täglich zum Einsatz. Für Bauunternehmen und Handwerksbetriebe gewinnt die Nachwuchsgewinnung daher zunehmend an Bedeutung. Ohne qualifizierte Fachkräfte lassen sich weder Klimaziele noch die Digitalisierung des Gebäudesektors erfolgreich umsetzen.

Energiewende trifft auf Mangel an technischen Fachkräften im Handwerk

Vor allem Berufe wie Elektroniker, Anlagenmechaniker für Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnik (SHK) oder Metallbauer übernehmen eine Schlüsselrolle bei der Modernisierung von Gebäuden. Wärmepumpen, Photovoltaikanlagen oder intelligente Gebäudetechnik müssen geplant, installiert und gewartet werden. „Handwerkliche MINT-Berufe sind entscheidend für Zukunftsthemen wie die Energiewende und Digitalisierung – und bieten vielfältige Karrierechancen, vom Meistertitel bis hin zur Selbstständigkeit“, erklärt Katharina Schütz, stellvertretende Geschäftsführerin des Geschäftsbereichs Berufliche Bildung der Handwerkskammer Region Stuttgart.

MINT im Handwerk: SHK-Ausbildung mit Praxis und Technik

Wie anspruchsvoll moderne Handwerksberufe inzwischen geworden sind, zeigt die Ausbildung zur Anlagenmechanikerin SHK. Mathematik und Physik gehören dabei zum Arbeitsalltag. Rohrgefälle müssen berechnet, Heizkörper dimensioniert und Dämmstoffe richtig ausgewählt werden. Hinzu kommen präzises Arbeiten, räumliches Vorstellungsvermögen und der Umgang mit modernen Heiz- und Energietechnologien. „Abwasserrohre brauchen ein gewisses Gefälle in Prozent, das muss man ausrechnen“, beschreibt Auszubildende Madlen Müller den Praxisbezug. Dabei sei die Heizungsplanung eng mit mathematischen Berechnungen verbunden. „Auch bei der Heizkörperauslegung muss man berechnen, wie viel und welche Heizkörper ein Raum benötigt – das ist alles Mathe.“ Nach einem Praktikum entschied sie sich bewusst für diesen Berufsweg. Ausschlaggebend seien die abwechslungsreichen Aufgaben und die vielfältigen Entwicklungsmöglichkeiten gewesen. Mit Blick auf neue Technologien erklärt sie: „Wir sind diejenigen, die die Technik so installieren, dass es für die Menschen nutzbar ist.“ Trotzdem bleibt der Frauenanteil äußerst gering. In der Region Stuttgart wurden im Jahr 2025 lediglich sieben Ausbildungsverträge im SHK-Handwerk mit Frauen abgeschlossen. „Es ist halt doch noch eine Männerdomäne, da werde ich als Mädchen von den anderen Azubis oft ignoriert“, schildert Müller ihre Erfahrungen.

Gebäudesystemintegration verbindet Baustelle und Programmierung

Auch im Elektrohandwerk verändert die Digitalisierung das Berufsbild grundlegend. Die neue Fachrichtung Elektroniker für Gebäudesystemintegration verbindet klassische Elektrotechnik mit IT und Smart-Home-Technologien. Intelligente Gebäude, vernetzte Steuerungen und programmierbare Systeme gewinnen sowohl im Wohnungsbau als auch im Gewerbebau zunehmend an Bedeutung. Der Auszubildende Niklas Becker entschied sich deshalb für diesen noch jungen Ausbildungsberuf. „Ich wollte nie hundert Prozent ins Büro – und die Elektrotechnik hat mich schon im Technikunterricht fasziniert“, erklärt er. Nach einem Wechsel innerhalb seiner Ausbildung beschäftigt er sich heute intensiv mit intelligenter Gebäudetechnik. Auf Anraten seiner Ausbilder ist er zur Gebäudesystemintegration gewechselt, um sich auf die intelligente Vernetzung und Steuerung von Gebäudetechnik zu konzentrieren. Denn der Einsatz von Computern begeistert ihn besonders: „Die Ausbildungsinhalte sind sehr umfangreich – aber am meisten Spaß macht mir das Programmieren.“ Die Arbeit bleibe gleichzeitig vielfältig, da sich jede Baustelle unterscheide und jeder Kunde unterschiedliche Wünsche habe. „Was mich jeden Tag motiviert, ist genau das: dass ich vor neue Herausforderungen gestellt werde“, betont Becker.

Wo liegt der Hauptgrund für den Fachkräftemangel im Handwerk?

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