Fachkräftemangel noch nicht überall

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Foto: Roland Riethmüller

Im Handwerk ist der Fachkräftemangel aktuell noch nicht flächendeckend angekommen. Das stellte der Geschäftsführer der Handwerkskammer Düsseldorf, Dr. Christian Henke klar. Zwar gebe es bereits Engpässe in vielen Stadtregionen, der Fachkräftemangel sei jedoch noch kein generelles Phänomen. Dennoch zeichne sich eine deutliche Tendenz dahin ab, so dass rechtzeitiges Werben bei Schülern, Lehrern und Eltern notwendig ist.

Alle Welt spricht von Fachkräftemangel. Doch ganz so pauschal kann man das wohl nicht sagen, erklärte Dr. Christian Henke und stützt sich dabei auf eine Analyse der HWK Düsseldorf. So kann aktuell noch nicht von einem flächendeckenden Phänomen gesprochen werden, obgleich es enger wird. „Für den beschäftigungsstärksten aller vier Wirtschaftssektoren wird es in Zukunft schwieriger werden, gute Abgänger für eine Ausbildung zu gewinnen. Der oft prognostizierte Fachkräftemangel zeichnet sich am Horizont ab.“

Schon heute tut sich ein höherer Anteil der Betriebe schwer, Schulabgänger als Auszubildende zu gewinnen. Die Lehrstellenbörse der HWK listet aktuell 600 offene Ausbildungsplätze, das ist ein doppelt so hoher Wert wie noch im Vorjahr. Grund dafür ist zum einen der demographische Wandel mit einem dramatischen Rückgang an Schulabgängern. Denn während in NRW bereits drei Prozent Einbußen zu verzeichnen sind, kommt der Kammerbezirk Düsseldorf bereits auf einen Wert von fünf Prozent weniger Bewerber pro Jahr. Im ländlichen Raum ist dagegen die Situation noch recht entspannt und verzeichnet nur geringen Rückgang am handwerklichen Ausbildungsmarkt. Auch der Ausbildungsberuf zum Anlagenmechaniker für Sanitär-, Heizung- und Klimatechnik sticht mit einem Plus von zwei Prozent aus der Masse heraus.

Für den drohenden Fachkräftemangel ist zum anderen das veränderte Schulwahlverhalten der Schüler verantwortlich. So ist immer öfter ein Trend zu längeren Schulbesuchen zu bemerken, vor allem von Berufskollegs im Anschluss an die Real- oder Gesamtschule. Darunter leiden die Anmeldungen zur dualen Ausbildung. Auch überhaupt ist aktuell ein Ansturm auf Gymnasien zu verzeichnen, die insgesamt den weiteren Trend zur Akademisierung der Bildungsabschlüsse bedingt.

Um sich auf die Sicherung des Fachkräftenachwuchses zu konzentrieren, kündigte Henke eine nähere Analyse der Situation an, die aktuell noch in Arbeit ist. „Wir wollen vor allem ausloten, wo und in welchem Umfang der begründete Fachkräftemangel tatsächlich bereits in den Handwerksbetrieben angekommen ist. Darüber hinaus untersucht die Handwerksorganisation derzeit Veränderungen im Angebotsverhalte der Unternehmen mittels einer landesweiten Umfrage“, sagte Henke und kündigt die Ergebnisse zum Jahresende an.

Betroffenen Betrieben rät der HWK-Geschäftsführer, noch stärker als bisher in die Ausbildung der Nachwuchskräfte zu investieren. Dazu sollten die Betriebe aktiv in den Schulen, aber auch auf Ausbildungs- und Fachmessen mit Schülern, Lehrern und Eltern in Kontakt treten und stärker über offene Praktikumsstellen und Ausbildungsmöglichkeiten informieren. Nur über die frühzeitige Berufsorientierung kann man gegen den Fachkräftemangel ankämpfen. Dazu gehört jedoch auch, so Henke, dass Ausbildung und Studium gleichwertig und gleichberechtigt dargestellt werden.

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