Familiennachfolge als Konflikt

Frank Kessler | 30.05.2012
Foto: KfW

Immer weniger Betriebe werden innerhalb der eigenen Familie weitergeführt, was unterschiedliche Ursachen haben kann. Ein ganz wesentlicher Punkt, warum familiäre Nachfolgerregelungen eines Betriebes mitunter so schlecht funktionieren, sind die emotionalen Faktoren. Es fehlt einfach der nötige Abstand, den neutrale Dritte haben. Um einen reibungslosen Generationenwechsel vollziehen zu können, bedarf es daher verschiedenen Voraussetzungen.

Sobald ein Betrieb sich dafür entscheidet, seinen Betrieb innerhalb der Familie fortzuführen, sollten unterschiedliche Kriterien berücksichtigt werden. Auch wenn man glaubt, dass man im Familienkreis eigentlich leicht eine Nachfolge geregelt bekommt, wird diese Vorstellung doch nur allzu oft in der Realität enttäuscht. Man muss sich bewusst machen, dass bei einer Generationennachfolge stets emotionale Faktoren eine ganz wesentliche Rolle für ein späteres Scheitern spielen. Familienangehörigen fehlt zum einen der nötige, sachliche Abstand und zum anderen gibt es viel zu oft Kommunikationsprobleme.

Nils Koerber, Inhaber der Unternehmensberatung „K.E.R.N – Die Nachfolgespezialisten“ hielt daher bei der Handwerkskammer Ostfriesland ein Seminar zum Thema „Ich habe einen Nachfolger in der Familie“ in der Info-Reihe „Nachfolge regeln – Zukunft sichern“. Er gibt verschiedene Hinweise, was Betroffene in jedem Fall tun sollten, um eine erfolgreiche Familiennachfolge für ihren Betrieb sicherzustellen. Des Weiteren weist Koerber auch darauf hin, dass man sich die nötige Zeit lassen sollte. Eine effektive Nachfolgelösung braucht nämlich durchschnittlich ein bis drei Jahre aktives Handeln, bevor sie die gewünschten Früchte trägt.

Jeder kennt es in seiner eigenen Familie – man hat seine bestimmte Rolle innerhalb der Angehörigen. Genau aus diesen eingefahrenen Rollenverhalten muss man aber im Falle der Betriebsnachfolge ausbrechen können. Nur so kann man für alle Beteiligten gewährleisten, dass man respektvoll miteinander einen Weg finden kann. Das bedeutet aber auch, dass die zur Nachfolge in Betracht kommenden Familienmitglieder, in jedem Fall ihre Entscheidung - für oder gegen den Betrieb - aus eigenem Willen treffen können. Es darf nicht sein, dass der mögliche Nachfolger unter Druck gesetzt wird, nur weil er möglicherweise zu erwarten hat, dass die Familie ihn bei negativer Entscheidung aus dem Familienkreis ausschließt.

Koerber rät, dass man immer unabhängige Dritte einbeziehen sollte, wenn man Regelungen über die familiäre Nachfolge eingehen möchte. Nur so können mögliche Konflikte und Reibungsverluste im Voraus vermieden werden. Des Weiteren sollte stets alle schriftlich festgehalten werden, um eine solide Basis zu schaffen. An das Niedergeschriebene sollte sich dann selbstverständlich auch jeder halten. Das bedeutet insbesondere für die Eltern, den Betriebsablauf auch nach und nach loslassen zu können. Dafür sollte man sich auf einen festen Übergabetermin einigen, zu dem dann jegliche Verantwortung, Rechte und Verpflichtung an den Nachwuchs abgetreten werden.

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