Fehlerkosten in Milliardenhöhe und keiner ist Schuld

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Foto: Roland Riethmüller

Deutschland gilt als präzise und sehr akkurat. Nur bei den Fehlerkosten am Bau stimmt dieses Klischee nicht. So sind bei vielen Bauprojekten die Zeit und Kosten teilweise komplett aus dem Ruder gelaufen. Doch wer ist der Verursacher? Im Zweifel sind es immer die anderen, so lautet das Motto der befragten Bauakteure.

Fehlerkosten am Bau sind eigentlich unverzeihlich, aber trotzdem allgegenwärtig. Das beweist auch die kürzliche Fertigstellung der Elbphilharmonie. Denn damit kann sie zwar von der Liste der gescheiterten Großprojekte gestrichen werden, hat die Kosten allerdings am Ende gut verzehnfacht.

Fehlerkosten lagen 2015 bei 14,1 Milliarden Euro

Eine Untersuchung des Marktforschungsinsituts BauInfoConsult unter 540 Architekten und Verarbeiter hat ergeben, dass der Anteil der Fehlerkosten am deutschen Bau bei durchschnittlich 14 Prozent liegt. Das ergibt bei einem baugewerblichen Umsatz von knapp 101 Milliarden Euro in 2015 unglaubliche Fehlerkosten in Höhe von 14,1 Milliarden Euro.

Alle sehen die Schuld bei den anderen

Doch ob fehlerhafte Bauplanung, verzögerte Bewilligung, mangelnde Bauausführung oder katastrophale Kommunikation zwischen den Gewerken – wer ist für die Kosten am Ende verantwortlich? Auch das wollten die Düsseldorfer Marktforscher wissen und erlebten eine regelrechte “Schwarze-Peter-Haltung”. Denn sowohl beim skandalgeplagten Berliner Flughafen BER und Stuttgart 21 als auch beim privaten Hausbau an der Ecke hält sich keiner der Bauakteure für verantwortlich und schiebt die Schuld auf die anderen.

Fachhandwerker am wenigsten für Fehlerkosten verantwortlich

Am schlechtesten kommen dabei die Behörden weg. Rund 40 Prozent der Bauunternehmer halten sie für den eigentlichen Verursacher der Fehlerkosten. Doch auch andere Player am Markt sind ihrer Meinung nach für die höheren Kosten verantwortlich. Dazu zählen vor allem die Architekten mit 28 Prozent und die öffentliche Bauherren mit 17 Prozent, aber auch Fachplaner mit 13 Prozent und private Bauherren mit zehn Prozent. Sich selbst halten die Bauunternehmer nur zu acht Prozent für schuldig. Am wenigsten verantwortlich sind nach Meinung der Bauunternehmer die Fachhandwerker mit fünf Prozent. Das ist bemerkenswert, da es mit dem gängigen Klischee bricht, dass die ausführenden Gewerke am stärksten für Fehlerkosten verantwortlich sind.

“Schwarze-Peter-Haltung” bei allen Beteiligten am Bau

Doch wer am Ende tatsächlich der Verursacher der Fehlerkosten ist, kommt ganz auf den Betrachtungswinkel an. So hält die Mehrheit der Architekten die Bauunternehmer und die SHK-Installateure die Architekten als Hauptverantwortliche der Fehlerkosten. Nur die Behörden und Aufsichtspersonen schneiden bei keinem der befragten Bauakteure positiv ab.

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