Finanzkrise belastete Bauzulieferindustrie stärker als Corona

News | Frank Kessler | 07.12.2020

Im Vergleich zur Finanzkrise scheint die Corona-Pandemie für viele Betriebe der Bauzulieferindustrie kaum negative Auswirkungen zu haben. 82 Prozent der international befragten Unternehmen gaben in einer aktuellen Online-Befragung an, die Pandemie habe sie wenig oder gar nicht negativ getroffen. Dieselbe Aussage trafen zur Finanzkrise nur 62 Prozent aller Unternehmen. Veränderungen gab es für die Bauzulieferindustrie durch die Pandemie dennoch: etwa reduzierte Ausgaben und mehr Home-Office.

Der Liquiditätsstatus hat sich für viele der Betriebe der Bauzulieferindustrie in der bisherigen Pandemie-Zeit kaum verschlechtert. Das ist das Ergebnis einer von Dr. Wieselhuber & Partner im Herbst 2020 durchgeführten Umfrage unter 50 Top-Entscheidern aus Unternehmen der Segmente "SHK", "Bauelemente, Holz und Boden", "Elektro und Beleuchtung" sowie "Bauchemie, Farben und Lacke". 94 Prozent der Unternehmen stammten aus der DACH-Region, der Rest aus anderen Ländern Europas. Demnach beurteilten 82 Prozent ihren Liquiditätsstatus vor der Pandemie als "gut", 15 Prozent als mittel und nur drei Prozent als "ausreichend". Die aktuelle Liquiditätssituation bis Ende diesen Jahren halten 76 Prozent für gut und  jeweils zwölf Prozent betrachten sie als "mittel" bzw. "ausreichend". Bei den Erwartungen für das Jahr 2021 prognostizieren immerhin 67 Prozent der Betriebe einen guten und 21 Prozent einen mittleren Liquiditätsstatus. In keinem Fall wurde der Status als schlecht bewertet. Allerdings zeigen sich bei der Prognose der Umsatzentwicklung in den nächsten 12 bis 18 Monaten nationale Unterschiede. In Deutschland prognostizieren 63 Prozent wachsende oder gar stark wachsende Umsätze. In Österreich waren es "nur" 50 und in der Schweiz 41 Prozent.

Die Absage großer Leitmessen schmerzt

Als einen massiven Engpass bezeichnen 59 Prozent der befragten Betriebe aus der Bauzulieferindustrie die Absage großer Leitmessen. Weitere 20 Prozent nannten sie einen mittleren Engpass. Beim Zugang zum Handwerk empfanden elf Prozent einen massiven und 20 Prozent einen mittleren Engpass. Und beim Zugang zur Objektakquisition sahen fünf Prozent massive und weitere 32 Prozent mittlere Beeinträchtigungen.

Bauzulieferindustrie spürt Schub für die Digitalisierung

Als Instrument des Krisenmanagements in der Pandemie nutzen 35 Prozent der befragten Unternehmen Home-Office in einem starken und weitere 32 Prozent in einem mittleren Umfang. Weitere Maßnahmen, die mindestens 60 Prozent der Unternehmen in einem mittleren oder starken Umfang nutzen, sind neben der Reduktion von Ausgaben (29/32 Prozent) die Digitalisierung des Vertriebs (32/35 Prozent) und der Ausbau des E-Commerce (29/40 Prozent).

Das spricht dafür, dass die Pandemie für die Digitalisierung in der Bauzulieferindustrie einen großen Schub bedeutet, der auch nachhaltig wirken könnte. Immerhin bezeichnen viele der befragten Unternehmen digitale und BIM-Kompetenzen neben neuen Produkten und Services sowie dem Markenausbau als wichtige zukünftige Wachstumsquellen. Reduzierte Produktionskapazitäten sind dagegen in der Bauzulieferindustrie eine eher seltene Reaktion auf die Pandemie. 77 Prozent haben die Kapazitäten gehalten oder sogar gesteigert.

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