Im Mai 2025 erreichten die Baugenehmigungen in Deutschland mit nur 16.800 genehmigten Wohnungen ein neues Rekordtief. Besonders der Bau von Mehrfamilienhäusern bleibt hinter den Zielen zurück. Steigende Kosten, Zinsen und komplizierte Förderprogramme bremsen die Bautätigkeit. Die Bauverbände fordern nun den angekündigten „Bau-Turbo“ und gezielte Anreize für private Bauherren, um mit einem aufstrebenden Wohnungsbau die Krise endlich zu überwinden.
Die Zahl der Baugenehmigungen in Deutschland verharrt weiter auf einem historischen Tiefstand. Nach Angaben des Statistischen Bundesamts wurden im Mai 2025 lediglich 16.800 Wohnungen in Wohn- und Nichtwohngebäuden genehmigt. Das entspricht einem Rückgang von 5,3 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat. Damit liegt die Bautätigkeit auf dem niedrigsten Niveau seit mehr als einem Jahrzehnt. Zwar ergibt sich für den Zeitraum Januar bis Mai mit insgesamt 90.700 genehmigten Wohnungen ein leichter Zuwachs von 1,9 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Doch Branchenvertreter sehen darin noch keine Trendwende. „Eine heute genehmigte Wohnung ist noch lange nicht gebaut“, warnt der Hauptgeschäftsführer des Hauptverbands der Deutschen Bauindustrie (HDB), Tim-Oliver Müller.
Mehrfamilienhäuser bleiben mit Baugenehmigungen weiter hinter Erwartungen zurück
Besonders die Baugenehmigungen für Mehrfamilienhäuser, die für die dringend benötigte Schaffung von Wohnraum in Städten entscheidend sind, blieben hinter den Erwartungen zurück. Hier registrierten die Behörden ein weiteres Minus von 1,6 Prozent gegenüber dem ohnehin niedrigen Vorjahresniveau. Lediglich der Einfamilienhausbau konnte mit einem Plus von 14,3 Prozent zulegen, während Zweifamilienhäuser um fast acht Prozent nachgaben. Damit bleibt die Wohnungsbautätigkeit weit hinter dem einstigen, politisch angestrebten Ziel von jährlich 400.000 neuen Wohnungen weit zurück.
Förderwirrwarr und Unsicherheit belasten Bauherren
Die Gründe für die anhaltende Zurückhaltung sind vielschichtig: hohe Baukosten, steigende Zinsen und ein schwer durchschaubares Förderregime. Viele private Bauherren, die für rund 70 Prozent aller Neubauten verantwortlich sind, verschieben ihre Projekte oder geben sie ganz auf. Der Hauptgeschäftsführer des Zentralverbands des Deutschen Baugewerbes (ZDB), Felix Pakleppa, bringt die Lage auf den Punkt: „Die hohe Nachfrage nach Wohnraum, insbesondere in wachsenden Städten und Ballungsräumen, steht weiterhin im krassen Kontrast zur schleppenden Bautätigkeit.“
Verbände fordern „Bau-Turbo“ und neues EH 55-Plus-Programm
Aus Sicht der Bauwirtschaft muss die Politik jetzt handeln. Müller setzt auf den für Herbst geplanten „Bau-Turbo“, der ab dem Jahr 2026 Wirkung zeigen soll. Entscheidend sei jedoch, dass die Kommunen das Instrument auch konsequent einsetzen. Zudem fordert der HDB eine Vereinfachung und Zusammenführung der bisherigen KfW-Förderprogramme zu zwei zentralen Programmen für Neubau und Sanierung. „Hiervon ist im neuen Regierungsentwurf des Bundeshaushalts für 2025 allerdings noch nichts zu sehen“, kritisierte Müller.
Auch das Baugewerbe legt nach und fordert ein gezielt auf private Bauherren zugeschnittenes Neubauprogramm. „Wir plädieren für ein neues EH 55-Plus-Programm“, schlägt Pakleppa vor. „Dieses sollte den Effizienzhausstandard 55 mit einer 100-prozentig regenerativen Heizung kombinieren, etwa über Wärmepumpe, Pelletheizung oder Fernwärmeanschluss.“ Entscheidend sei zudem, dass das Programm nicht nur für bereits genehmigte, sondern auch für neue Projekte offenstehe. Nur so könne man den Menschen wieder den Weg ins Wohneigentum eröffnen und die gefährlich sinkenden Fertigstellungszahlen stoppen. „Es ist höchste Zeit, das Ruder herumzureißen“, so Pakleppa.

















