Forderungsausfälle belasten Handwerk

, 11.07.2012 , Jennifer Brandt Bild zu: Forderungsausfälle belasten Handwerk
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Die Zahlungsmoral ist bei  vielen Auftraggebern leider immer noch nicht wirklich gut. Auch das Handwerk bekommt dies jeden Tag zu spüren und leidet sehr unter Forderungsausfällen seiner Kunden. Dennoch gäbe es viele Mechanismen, die ein Handwerksbetrieb nutzen könnte, um sich im Vorfeld besser vor solchen Ausfällen zu schützen. Jeder sollte sich dabei auch klar machen, dass seine eigene Liquidität durch Forderungsausfälle in Gefahr geraten kann.

Weil die Zahlungswilligkeit deutscher Auftraggeber gegenüber den von ihnen beauftragten Handwerksbetrieben nicht die beste ist, hat sich eine aktuelle Studie mit diesem Thema eingehend beschäftigt. Die Studie wurde vom Volkswirtschaftlichen Institut für Mittelstand und Handwerk an der Universität Göttingen (ifh Göttingen) durchgeführt. Es wurden insgesamt 40 Unternehmen aus der Region Hannover, Braunschweig und Hildesheim-Südniedersachsen befragt. Im Vordergrund der Befragung stand die Überprüfung der betrieblichen Bonitätsprüfung von potenziellen Kunden, der Vertragsgestaltung, der Rechnungserstellung und -überwachung sowie des Mahn- und Inkassowesens. Aus den Ergebnissen lässt sich eindeutig erkennen, dass viele Betriebe zu wenig Aufwand in die Vorab-Prüfung ihrer Kunden und die konsequente Nachverfolgung ihrer Forderung investieren. Das soll zwar nicht bedeuten, die Betriebe seien Schuld an der Situation oder könnten diese gänzlich vermeiden, allerdings wäre ein stärkerer Einfluss auf die Zahlungsmoral des Kunden durchaus möglich.

Obwohl 80 Prozent der befragten Betriebe Forderungsausfälle zu beklagen haben, sehen lediglich 40,6 Prozent von ihnen dabei einen Zusammenhang für eine schlechter werdende Rentabilität. Zwei Hauptgründe für einen solch hohen Anteil an vorhandenen Zahlungsausfällen lassen sich beziffern. 65,6 Prozent  geben die Insolvenz ihre Auftraggeber an, 71,9 Prozent sehen grundsätzliche Zahlungsunwilligkeit des Geschäftspartners als Problem.

Trotz dieser alarmierenden Zahlen, verlassen sich zu viele Betriebe auf ihre Intuition bei der Abwicklung von Geschäftsbeziehungen. So wird bei vielen weder eine Bonitätsprüfung  des Kunden vorgenommen, noch werden vertragliche Absicherungen für mögliche Forderungsausfälle festgehalten. Hat man dann einen Vertragsabschluss bewirkt und die Leistung gegenüber seinem Auftraggeber erfolgreich beendet, entstehen die nächsten Nachlässigkeiten in Betrieben. Zum einen werden Rechnungen viel zu spät erstellt - im Durchschnitt der Umfrage waren es 16 Tage nach erbrachter Leistung. Zum anderen wird das Eintreiben der Schuld nicht oder nicht ausreichend verfolgt. Es kommt immer wieder vor, dass Betriebe auf ein betriebliches Mahn- und Inkassowesen verzichten oder dies nicht kontinuierlich voranbringen. Die Folge ist, dass Mahnungen ausbleiben und damit auch Zahlungen. Anhand von Stichproben ließ sich sogar belegen, dass teilweise kleinere Restbeträge überhaupt nicht verfolgt oder sogar abgeschrieben werden (77,5 Prozent).

Auch wenn die Studie nicht repräsentativ ist, so deckt sie doch klare Defizite auf, die leicht korrigierbar sind. Natürlich kann man an der grundsätzlichen Zahlungsbereitschaft seiner Kunden nichts ändern, trotzdem kann man seinen eigenen Beitrag leisten, um seine Leistung bezahlt zu bekommen. Die Bonitätsprüfung des Auftraggebers sowie eine zeitnahe Rechnungserstellung und Übermittlung an den Auftraggeber bilden neben vertraglichen Absicherungsklauseln die Basis des Geschäftsabschlusses. Bei der Rechnungsstellung sollte man die Gewährung von Skonto in Betracht ziehen, um die Zahlungsbereitschaft zu erhöhen. Durch ein kontinuierliches und nachhaltiges Forderungsmanagement - gleich ob betriebsintern oder ausgelagert an entsprechende Unternehmen - lässt sich dann schlussendlich gut kontrollieren, dass alle Zahlungen pünktlich und in voller Höhe eingehen.