Das Freiwillige Handwerksjahr entwickelt sich zum Erfolgsmodell gegen den Fachkräftemangel. Nach einem Jahr zieht die Handwerkskammer Lübeck eine starke Bilanz: Über 70 Jugendliche haben vier verschiedene Handwerksberufe ausprobiert, 20 starteten direkt in eine Ausbildung im Handwerk. Insgesamt haben sich mehr als 200 Betriebe beteiligt – Tendenz steigend. Das Pilotprojekt sorgt bundesweit für Aufmerksamkeit und könnte schon bald als Schlüssel zur Nachwuchsgewinnung in Bauwirtschaft und Handwerk Schule machen.
Die Nachwuchsgewinnung im Handwerk bleibt eine der größten Herausforderungen der Branche. Mit dem „Freiwilligen Handwerksjahr“ (FHJ) hat die Handwerkskammer Lübeck ein Modell etabliert, das Jugendlichen eine fundierte Berufsorientierung bietet und gleichzeitig den Fachkräftemangel adressiert. Nach einem Jahr fällt die Bilanz durchaus positiv aus: Mehr als 70 Jugendliche nutzten bisher die Möglichkeit, innerhalb von zwölf Monaten verschiedene Handwerksberufe praktisch zu erproben. Das Projekt gilt bundesweit als Vorreiter und wird inzwischen auch in anderen Regionen als Beispiel diskutiert. Denn das Ergebnis lässt sich durchaus sehen: Von den 74 Teilnehmern entschieden sich bereits 20 für eine Ausbildung im Handwerk. Rund die Hälfte treffe ihre Wahl sogar schon nach den ersten beiden Stationen im Betrieb. Über 200 Unternehmen aus der Region haben sich registriert, um Jugendlichen einen Einblick in die tägliche Arbeit zu geben. Das Interesse der Betriebe zeigt, dass das FHJ nicht nur für Jugendliche, sondern auch für die Wirtschaft von großer Relevanz ist.
Freiwilliges Handwerksjahr: Erfolgreiches Modell aus Lübeck
Eines der beteiligten Unternehmen ist die Bau- und Fliesengesellschaft Herzberg aus Kiel. Dort starten im September 2025 gleich zwei neue Auszubildende, die ihren Betrieb über das Freiwillige Handwerksjahr kennengelernt haben. „Das Freiwillige Handwerksjahr ist genau das, was wir uns seit Jahren gewünscht haben“, zeigt sich Firmenchef Habib Herzberg zeigt sich begeistert. „Wir lernen die Jugendlichen kennen und sie können herausfinden, welcher Beruf zu ihnen passt.“ Entscheidend sei für ihn der freiwillige Charakter. „Dadurch sind sie motiviert, pünktlich und lachen, wenn sie morgens zu uns kommen. Das ist das Wichtigste.“
Jugendliche finden Orientierung für eine Ausbildung im Handwerk
Die 15-jährige Celine Köster hat bei Herzberg ihre Leidenschaft für das Handwerk entdeckt. „Ich durfte direkt mitfliesen, verfugen, verputzen und Silikon erneuern. Ich lerne hier sehr viel“, berichtet die Nachwuchshandwerkerin. Auch auf Baustellen durfte sie früh mitfahren. „Ich finde das Handwerksjahr super zum Ausprobieren, wenn man sich noch nicht ganz sicher ist, welche Ausbildung man machen möchte.“ Damit bestätigt sie den Kern des Projekts: jungen Menschen durch praktische Erfahrung eine fundierte Entscheidung zu ermöglichen.
Breite Unterstützung und Rückenwind gegen Fachkräftemangel
Bei der Handwerkskammer Lübeck zeigt man sich hochzufrieden. „Unsere Erwartungen wurden weit übertroffen und wir sehen, dass unser Konzept aufgegangen ist“, freut sich Nadine Grün, Leiterin der Abteilung Nachwuchsgewinnung. „Denn sobald Jugendliche die Handwerkspraxis in Betrieben hautnah kennen lernen, treffen sie auch eine gezielte Entscheidung für eine Ausbildung.“ Positive Rückmeldungen von Eltern, Schulen und Netzwerkpartnern verstärken die Dynamik. Zusätzlich gibt es auch von offizieller Seite Unterstützung. „Wir unterstützen das Projekt sehr gerne“, betont Jörn Krüger, Direktor des Schleswig-Holsteinischen Instituts für Berufliche Bildung (SHIBB). „Denn das Freiwillige Handwerksjahr ist ein innovativer und erfolgreicher Weg, um mehr Jugendliche zur Aufnahme einer Dualen Berufsausbildung im Handwerk zu bewegen. Damit wird ein Beitrag zur Sicherung des dringend benötigten Fachkräftenachwuchses geleistet.“
FHJ hat Signalwirkung für ganz Deutschland
Das Lübecker Pilotprojekt zeigt, dass das Konzept überregional Potenzial hat. Das FHJ wird bereits in einigen wenigen Bundesländern eingesetzt und in vielen diskutiert. Mittelfristig könnte es sich zu einem bundesweiten Erfolgsmodell entwickeln. Angesichts des steigenden Fachkräftebedarfs in Bauwirtschaft und Handwerk kommt dem Thema hohe Bedeutung zu. Die bisherigen Erfahrungen belegen, dass praxisnahe Orientierung ein wirksamer Schlüssel ist, um Jugendliche dauerhaft für eine Ausbildung im Handwerk zu gewinnen.


















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