Gebäudetyp E: Weniger Baustandards, niedrigere Baukosten

Foto: Roland Riethmüller

Der Wohnungsbau in Deutschland wird insbesondere durch steigende Baukosten und immer höhere Baustandards ausgebremst. Mit dem geplanten Gebäudetyp E will die Bundesregierung das einfache Bauen erleichtern und mehr bezahlbare Wohnungen ermöglichen. Ein neuer Gesetzentwurf soll dafür sorgen, dass Bauherren, Architekten und Bauunternehmen künftig auf bestimmte nicht sicherheitsrelevante Standards verzichten können. Ohne Abstriche bei Sicherheit, Gesundheit oder Klimaschutz sollen damit niedrigere Baukosten, weniger Bürokratie und mehr Rechtssicherheit erzielt werden. 

Steigende Baukosten tragen maßgeblich zur aktuellen Wohnungsbaukrise bei. Mit dem neuen Gebäudetyp E will die Bundesregierung das einfache Bauen fördern und den Wohnungsbau ohne Abstriche bei Sicherheit, Gesundheit oder Klimaschutz schneller sowie günstiger machen. Grundlage dafür soll noch im Laufe des Jahres ein neuer Gesetzentwurf werden. Weniger Bürokratie, mehr Rechtssicherheit und die Möglichkeit, auf freiwilliger Basis von kostenintensiven, nicht sicherheitsrelevanten Baustandards abzuweichen. Das ist der Kern vom Gebäudetyp E, den die Bundesregierung zügig gesetzlich absichern möchte. Dazu besuchten Bundesbauministerin Verena Hubertz und Bundesjustizministerin Stefanie Hubig vergangene Woche gemeinsam ein Mehrparteienhaus in Berlin-Neukölln, das bereits nach den Prinzipien des Gebäudetyps E errichtet wurde. Begleitet wurden sie von Julia Dahlhaus, Partnerin bei DMSW Architekten Berlin, sowie Alexander Poetzsch, Präsident des Bundes Deutscher Architektinnen und Architekten (BDA). Im Mittelpunkt stand die Frage, wie sich Baukosten senken lassen, ohne die gesetzlichen Anforderungen an Sicherheit oder Nachhaltigkeit zu unterschreiten. Gleichzeitig informierten sich die Ministerinnen über die Erwartungen der Praxis an das geplante Gesetz.

Gebäudetyp E: Weniger Standards, mehr Rechtssicherheit

Der Gebäudetyp E soll künftig ermöglichen, dass Bauherren, Architekten und Bauunternehmen vertraglich festlegen können, auf welche technisch nicht zwingenden Standards bewusst verzichtet wird. Damit sollen spätere Rechtsstreitigkeiten vermieden werden. Der Gesetzentwurf schafft nach Angaben des Bundesjustizministeriums erstmals einen klaren zivilrechtlichen Rahmen für solche Vereinbarungen. Hubig kündigte an, dass der Entwurf fertiggestellt sei und noch im laufenden Monat veröffentlicht werde. Ziel sei es, mehr Klarheit für alle Vertragsparteien zu schaffen und den Wohnungsbau wirtschaftlicher zu gestalten. „Sicherheit und Gesundheit am Bau muss es weiterhin geben“, betont Hubig. „Also zwingende Standards müssen eingehalten werden. Aber alles, was in Richtung schön, schöner, Gold und Luxus geht, das kann eben auch abgedrungen werden und das kann man bei einer rechtlichen Grundlage finden.“

Baukosten durch einfache Lösungen senken

Das besichtigte Wohnhaus zeigt, wie sich Baukosten bereits heute durch einfache Planungsansätze reduzieren lassen. Sichtbare Installationen, Sichtbeton statt Tapeten, kompakte Grundrisse und eine bewusst reduzierte Haustechnik gehören zu den Merkmalen des Gebäudetyps E. Gleichzeitig setzt das Gebäude vollständig auf erneuerbare Energien. Aus Sicht von Architektin Julia Dahlhaus entstehen viele Mehrkosten nicht nur durch sichtbare Ausstattungsmerkmale, sondern vor allem durch immer weiter verschärfte technische Anforderungen und Normen. Gerade in Bereichen wie Schallschutz, Tragwerksplanung oder Materialeinsatz ließen sich erhebliche Einsparpotenziale erschließen, ohne die Nutzbarkeit eines Gebäudes einzuschränken.

Bund will Erfahrungen der Länder bündeln

Parallel zu den gesetzlichen Änderungen sollen erfolgreiche Modelle aus den Bundesländern stärker zusammengeführt werden. Hubertz verwies dabei unter anderem auf den Hamburger Standard sowie entsprechende Initiativen in Schleswig-Holstein und Bayern. Ziel sei es, einheitlichere Rahmenbedingungen für das Planen und Bauen zu schaffen und Doppelentwicklungen zu vermeiden. Dies könnte künftig den Planungsaufwand reduzieren und die Umsetzung vergleichbarer Projekte über Ländergrenzen hinweg erleichtern.

Handwerk als wichtiger Partner

Zum Abschluss hob Hubertz ausdrücklich die Rolle des Handwerks hervor. Gerade auf der Baustelle entstünden häufig ergebnisorientierte Lösungen, die sich in klassischen Regelwerken nur schwer abbilden ließen. „Ich möchte auch noch mal eine Lanze fürs Handwerk brechen, weil wenn Architektinnen und Architekten mit dem Handwerk zusammenkommen, dann entsteht richtiger Pragmatismus.“ Denn gerade auf Baustellen seien oft pragmatische Lösungen gefragt, wenn unvorhergesehene Herausforderungen auftreten. Einen solchen kooperativen Ansatz brauche es künftig verstärkt – insbesondere auch bei großen Bauprojekten im Rahmen der integrierten Projektabwicklung (IPA). Daher könnte der Gebäudetyp E schon bald eine rechtssichere Grundlage für einfacheres, schnelleres und kostengünstigeres Bauen in Deutschland erhalten. Nach Angaben der Bundesjustizministerin soll der Gesetzentwurf zunächst in die Ressort- und Verbändeabstimmung gehen. Ein Kabinettsbeschluss wird in der zweiten Jahreshälfte angestrebt.

Sollte der Gebäudetyp E den neuen Standard im Wohnungsbau werden?

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Jede Tonne Material, die nicht verbaut wird, muss nicht bezahlt, nicht transportiert, nicht gehoben und nicht fundiert werden – und sie nimmt keinen Platz weg, den man vermieten könnte.
Im Grunde ist das eine Produktentwicklung wie jede andere in der Industrie.

Ein Immobillist, der Wohnungen bauen lässt, will diese Wohnung durch vermieten oder verkaufen wirtschaftlich ertragreich verwerten. Denn das ist der Sinn dieser Tätigkeit.

Aber wenn die Ewiggestrigen und Besitzstandswahrer im Wohnungsbau mit der Immobilienverwertung allgemein eine EK-Rendite von weniger als 3% erwirtschaften bzw. erzielen können, ist das kein wirklich erstrebenswertes Resultat.

Wieder so ein Schwachsinn. Die Berliner Dekadenten setzen nur auf alternative Energien, da das „billiger“ ist. Sichtmontage der Installation- zurück in die Steinzeit. Als ob das der treibende Keil ist.
Die 90 % mehr Normen, Richtlinien und Vorschriften seit 1993 sind das Problem. Zurück mit dem Schwachsinn auf 1993 und alles verbilligt sich. Dazu Gas und Erdöl aus Russland und es funktioniert wieder. Aber ich höre wieder das dekadente Geschrei.

Die Bau- und Immobilien-Lobby mit ihren über 70 Interessenverbänden beschäftigt eine Heerschar von hochbezahlten Spezialisten, die seit Jahren wortgewaltig verkünden, wer alles daran schuld ist, das so teuer gebaut wird.
Aber das die geringe operative Leistungsfähigkeit und Produktivität der Bauwirtschaft (McKinsey) mit einem Wertschöpfungsgrad von ca.30% (Roland Berger) oder die exorbitante Fehlerquote von je ca.20 Mrd. € in 2020 und 2021 (BauInfoConsult) wesentliche Faktoren dazu sind, wollen die Ewiggestrigen und Besitzstandswahrer nicht wahrnehmen bzw. zugeben.

Kein anderer Industriezweig kann sich Fehlerkosten von ca.20Milliarden Euro leisten.
(Bezogen auf die Summe der Bauhauptleistung von ca.145 Milliarden Euro).
Also Geld, was der Bauherr bezahlen muss, nur weil die Bauwirtschaft ihre Prozesse nicht optimieren will oder kann.

Stattdessen wird lautstark nach Subventionen, also Steuergeldern, gerufen. Absurd.

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