Gefahr für Baukonjunktur: weiter steigende Baumaterialpreise

News | Frank Kessler | 21.10.2021
Gefahr für Baukonjunktur: weiter steigende Baumaterialpreise
Foto: Roland Riethmüller

Die Baumaterialpreise steigen weiterhin rasant an und gefährden damit die bisher gute Konjunktur im Baugewerbe. Besonders betroffen sind die Preise für Bauholz, die außerordentlich stark zugelegt haben. Das geht bei den meisten Bauunternehmen zulasten der Margen. Nur ein geringer Teil können die Preissteigerungen an die Auftraggeber weitergeben. Viele bleiben deshalb auf den gestiegenen Kosten sitzen.

Die vom Statistischen Bundesamt veröffentlichten Erzeugerpreisindices für gewerbliche Produkte in Deutschland ermöglichen einen guten Überblick über die Entwicklung der Preise. "Der Preisanstieg bei Baumaterialien setzt sich weiter fort”, bestätigt Tim-Oliver Müller, der Hauptgeschäftsführer des Hauptverbands der Deutschen Bauindustrie (HDB) und verweist dabei auf den extremen Preisanstieg bei Bauholz. “Er liegt mittlerweile um 137 Prozent über dem Niveau des Vorjahres." Der befristete Effekt durch die Mehrwertsteuersenkung im zweiten Halbjahr 2020 spiele dabei keine Rolle. So werden die Preisindizes ohne Mehrwertsteuer ausgewiesen. Im September 2021 hätte sich zudem der Preis für Betonstahl in Stäben zwar leicht erholt, sei jedoch im Vorjahresvergleich um 82 Prozent teurer. Gestiegen sei allerdings wieder der Preis für Walzdraht um 39 Prozent und für offene Profile um satte 102 Prozent im Vergleich zum Vorjahreswert.

Die gestiegenen Baumaterialpreise müssen die Bauunternehmen tragen

Die meisten Bauunternehmen kämpfen mit diesen gestiegenen Baupreisen, die sie leider nicht oder nur zum Teil an die Auftraggeber weitergeben können. Diese gestiegenen Preise gehen somit hauptsächlich zulasten der Bauunternehmen. Eine Umfrage der Creditreform hat ergeben, dass nur 16 Prozent der befragten Bauunternehmen die Preissteigerungen vollständig an die Kunden weitergegeben hätten. 70 Prozent konnten diese nur zum Teil weitergeben, der Rest blieb darauf sitzen.

Die Baumaterialpreise gefährden auch die Baukonjunktur

Trotzdem wird die Situation nicht überall negativ bewertet, wie beispielsweise im Kammerbezirk Magdeburg. Dort bewerten rund 55 Prozent die derzeitige Lage trotz der gestiegenen Baumaterialpreise als gut. In den Gewerken zeichnet sich ebenfalls eine leichte Erholung ab. Für die nächsten elf Wochen sind die Auftragsbücher der Gewerke im Baugewerbe gut gefüllt. "Auch wenn sich die Stimmung im Vergleich zum Frühjahr wieder deutlich verbessert hat, sehen wir doch den weiteren Lieferengpässen bei bestimmten Produkten und auch der dynamischen Preisentwicklung - vor allem bei den Energiepreisen - mit großer Sorge entgegen”, erklärt  Hagen Mauer, Präsident der Handwerkskammer Magdeburg. “Die Politik ist nun gefordert, einzugreifen." Ebenfalls negativ zeigt sich der Beschäftigungssaldo aus Einstellungen und Personalabbau. Neun Prozent haben ihre Mitarbeiter reduziert. Acht Prozent haben die Zahl ihrer Beschäftigten erhöht. Die Mehrheit der Inhaber plant im Winter das Personal zu halten. Besonders im Bauhauptgewerbe kommt man aufgrund der guten Auslastung mit dem Beschäftigungsausbau kaum hinterher. Es muss dennoch weiter an der Attraktivität des Handwerks gearbeitet werden.

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