Genossenschaften – ein Zukunftsmodell im Handwerk

Genossenschaften - ein Zukunftsmodell im Handwerk
Foto: Roland Riethmüller

Genossenschaftlich organisierte Plattformen für Produkt- und Dienstleistungsangebote, gewerkeübergreifende Kooperationen und Lösungen für eine Unternehmensnachfolge im Team: Das Kooperationsmodell der Genossenschaften bietet dem Handwerk für die Zukunft eine Reihe attraktiver Chancen. Das zeigt ein aktuelles Positionspapier, mit dem das Handwerk auch ganz klare Forderungen an die Politik richtet. Denn die Vorteile liegen auf der Hand und sichern nachhaltig den Erfolg im Handwerk.

Die jahrhundertealte Idee der Handwerkergenossenschaft habe das Potenzial, ein starkes Netz zwischen Einzelbetrieben zu knüpfen. Damit sie sei sie ein optimales Zukunftsmodell fürs Handwerk. Mit diesen Worten kommentiert Rainer Reichhold, der baden-württembergische Landeshandwerkspräsident, das Positionspapier „Genossenschaften als Zukunftsmodell für das Handwerk“ und erklärt, worin er die Vorteile genossenschaftlicher Zusammenschlüsse für Handwerker sieht.

Dieses Potenzial entfaltet sich aus Sicht des Baden-Württembergischen Handwerkstags (BWHT) und des Baden-Württembergischen Genossenschaftsverbands (BWGV) durch genossenschaftlich organisierte Plattformen. So können transaktionszentrierte Plattformen „Produkt- und Dienstleistungsangebote bündeln und dadurch die mittelständische Handwerkswirtschaft vor Ort nachhaltig stärken“, heißt es im Positionspapier. Datenzentrierte Plattformen haben derweil das Potenzial, Handwerksbetriebe beispielsweise als Software-as-a-Service-Angebote zu unterstützen und dafür zu sorgen, dass die Mitglieder der Genossenschaften den „Zugang und die Nutzung von Daten selbstbestimmt organisieren und regeln“.

Dienstleistungsgenossenschaften und Betriebsnachfolge

Chancen fürs Handwerk sehen die beiden Verbände auch in Dienstleistungsgenossenschaften, die als Gewerke übergreifende Kooperationen konzipiert sind. Sie können kleinen und mittleren Betrieben maßgeschneiderte Komplettangebote für Kunden sowie die Erschließung neuer Absatzmärkte vereinfachen. Nicht zuletzt bieten Genossenschaften bisweilen Lösungen für die oft schwierige Suche nach einem Nachfolger in der Betriebsübernahme. Bei einer genossenschaftlichen Nachfolge übernimmt keine Einzelperson den Betrieb. Stattdessen wird ein ganzes Team aktiv, das sich beispielsweise aus der Belegschaft rekrutieren kann. So lassen sich Arbeit, Finanzierung und Verantwortung auf mehrere Schultern verteilen. Für den Einzelnen kann das auch die Hürde senken, sich für eine Unternehmensnachfolge zu entscheiden.

Die Verbände formulieren konkrete Forderungen

Um Genossenschaften für das Handwerk zu fördern, fordern die beiden Verbände öffentliche Finanzierungsinstrumente für den Aufbau genossenschaftlicher Plattformmodelle. Im Positionspapier ist von einer „Gleichbehandlung genossenschaftlicher Plattformmodelle bei gängigen Finanzierungsprogrammen“ die Rede. Darüber hinaus sollte die genossenschaftliche Rechts- und Unternehmensform aus Sicht der Verbände verstärkt bei der Gründungs- und Nachfolgeberatung berücksichtigt werden. Ebenfalls integriert werden sollten sie in flankierende Landesprogramme, die die Mitarbeiterbeteiligung an Lösungen für die Betriebsnachfolge fördern.

Das Positionspapier des BWHT und des BWGV ist auf der Website „Handwerk-BW“ abrufbar. Es beschreibt ausführlich die Vorteile der Genossenschaften fürs Handwerk und die Forderungen der Verbände und nennt Praxisbeispiele. Zusätzlich bietet es Informationen zur Gründung einer Genossenschaft sowie eine Übersicht mit bestehenden Handwerks-Genossenschaften in Baden-Württemberg.

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