Geringe Baufertigstellungen 2015 sind alarmierend

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Foto: Roland Riethmüller

Entgegen aller Prognosen sind die Baufertigstellungen 2015 deutlich geringer ausgefallen. Damit wächst die Schere zwischen Baugenehmigungen und Baufertigstellungen. Durch das aufgebaute Defizit der vergangenen Jahre und die sich wandelnden Rahmenbedingungen steigt der Bedarf an bezahlbarem Wohnraum. Um eine Wohnungsnot zu vermeiden, ist die Politik nachhaltig gefordert, endlich wirksame Investitionsanreize zu schaffen und mit geeigneten Maßnahmen gegenzusteuern.

Die kürzlich vom Statistischen Bundesamt vorgelegten Zahlen setzen die Politik massiv unter Druck. Denn bereits seit geraumer Zeit wird zwar in der Bauwirtschaft von einem „Bauboom“ gesprochen, doch sieht die Realität deutlich anders aus. So wurden laut Statistischem Bundesamt 2015 lediglich rund 247.000 Wohnungen fertig gestellt. Dies entspricht effektiv einem Anstieg von gerade einmal einem Prozent.

Baugenehmigungen und Baufertigstellung driften auseinander

„Die ernüchternden Zahlen zeigen, wie weit das gefühlte Geschehen und die Baurealität auseinanderdriften“, warnt Jochen Bayer, Vorstandsvorsitzender des Bundesverbandes Kalksandsteinindustrie e.V. und fordert, endlich die wachsende Diskrepanz zwischen Baugenehmigungen und Baufertigstellungen zu beseitigen. Denn Experten hatten ursprünglich einen Anstieg von zehn Prozent erwartet. „Gegen alle Prognosen verharren die Fertigstellungen im vergangenen Jahr fast auf dem gleich niedrigen Niveau wie 2014. Dies ist ein Armutszeugnis für die Politik“, urteilt auch Robert Feiger, Bundesvorsitzender der Industriegewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt (IG BAU).

Drohende Wohnungsnot steht bevor

Damit bleibt das Angebot durch den geringen Anstieg der Baufertigstellungen weit hinter dem Bedarf an Wohnraum zurück. Schätzungen zufolge sind zwischen 350.000 und 400.000 neue Wohnungen pro Jahr notwendig, um der Nachfrage gerecht zu werden. „Die Politik steuert geradewegs in eine Wohnungsnot hinein“, befürchtet Feiger und fordert mehr bezahlbare Wohnungen und Sozialwohnungen in Ballungsräumen. Durch den Flüchtlingsstrom, die steigenden Haushaltszahlen durch Singles und Studenten sowie den demografischen Wandel in Verbindung mit dem wachsenden Zuzug in die Städte und aus der EU wird das Defizit durch geringe jährliche Steigerungsraten bei Baufertigstellungen nicht abgebaut.

Politik muss Anreize für den Wohnungsbau schaffen

Der Wohnungsbau müsse endlich angekurbelt und entsprechende Anreize für dringend notwendige Investitionen für den bezahlbaren Wohnungsbau geschaffen werden. So erwartet Bayer von der Politik eine zügige Umsetzung der bereits seit Jahren geforderten polititschen Maßnahmen. Dazu gehöre durch die sinkende Lebensdauer von Gebäudeteilen die dauerhafte Erhöhung der linearen Absetzung für Abnutzung (AfA) von zwei auf mindestens drei Prozent. Das Institut für Wohnungswesen, Immobilienwirtschaft, Stadt- und Regionalentwicklung (InWIS) an der Ruhr-Universität Bochum empfiehlt sogar eine Erhöhung auf vier Prozent oder eine vergleichbare Sonderabschreibung. Auch weitere Investitionszulagen seien erforderlich, um insbesondere öffentliche Wohnungsbaugesellschaften und Genossenschaften zu fördern, die von steuerlichen Anreizen sonst nicht profitieren können. Zusätzlich müsse die Politik bei knappen Bauland unterstützen und verdichtete Bauweisen fördern. „Baugrund in kommunaler Hand muss für den Wohnungsbau zu adäquaten Preisen freigegeben und die Baunutzungsverordnungen entsprechend angepasst werden“, fordert Bayer.

Zusätzlich Förderung vom sozialen Wohnungsbau

Zusätzlich macht sich die IG BAU stark für eine Förderung des sozialen Wohnungsbaus durch zweckgebundene Bundesmittel an die Länder in Höhe von mindestens 1,5 Milliarden Euro bis über das Jahr 2019 hinaus. Doch auch die Länder müssten in gleicher Höhe ihren Beitrag für die Bereitstellung der 80.000 benötigten Wohnungen mit Mietpreisbindung leisten.

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