Gestiegene Ausbildungszahlen, aber trotzdem Fachkräftemangel

News , 22.08.2019 , Frank Kessler Gestiegene Ausbildungszahlen, aber trotzdem Fachkräftemangel
Foto: Roland Riethmüller

Die Zahl der Ausbildungsstellen im Baugewerbe für das neue Ausbildungsjahr ist überdurchschnittlich stark gestiegen. Ebenfalls erhöht haben sich auch die Ausbildungszahlen. Allerdings gibt es keine Entwarnung für den Bauarbeitsmarkt. Viele Ausbildungsplätze bleiben immer noch unbesetzt. Zudem meldet das Baugewerbe zwar eine solide Geschäftsgrundlage, aber weiter einen Fachkräftemangel, der eine noch höhere Bautätigkeit behindert.

Laut den Sozialkassen der Bauwirtschaft (Soka-Bau) lag die Zahl der seit Beginn des Ausbildungsjahres gemeldeten Ausbildungsplätze im Hochbau um 7,5 Prozent höher als im Vorjahr. Im Tiefbau erreichte der Anstieg sogar rund acht Prozent, während der allgemeine Anstieg der Ausbildungsstellen in Deutschland insgesamt "nur" bei 3,5 Prozent gelegen hat. Die positiven Ausbildungszahlen in der Baubranche seien unter anderem ein Erfolg der umlagefinanzierten Ausbildungsförderung, über die alle Baubetriebe an der Ausbildungsfinanzierung beteiligt werden, kommentiert die Soka-Bau.

Zahl der besetzten Ausbildungsplätze stieg ebenfalls

Ebenfalls gestiegen ist die Zahl der besetzten Ausbildungsplätze in der Baubranche und zwar um 8,5 Prozent. Laut Soka-Bau profitierte die Branche hier vor allem von einer gestiegenen Zahl an Bewerbern aus Flüchtlingsherkunftsländern. Denn die Zahl der Geflüchteten, die sich um einen Ausbildungsplatz im Baugewerbe beworben haben, sei um drei Prozent gestiegen, berichtet ferner die Soka-Bau auf Basis der Zahlen der Bundesagentur für Arbeit (BfA). Trotzdem gibt es weiterhin viele unbesetzte Ausbildungsplätze in der Baubranche. Im Juni waren es mit 9.200 über 60 Prozent der rund 15.000 Ausbildungsstellen im Hoch- und Tiefbau. Deshalb bleibt die Situation für neue Mitarbeiter suchende Unternehmen auf dem Bauarbeitsmarkt schwierig.

Gute Konjunkturerwartungen, aber weiter Arbeitskräftemangel

Fachkräftemangel bleibt in der Baubranche aber auch in Zeiten weitgehend positiver Konjunkturerwartungen ein Problem, meldet der Zentralverband des Deutschen Baugewerbes (ZDB). Viele Betriebe der Baubranche beurteilen die aktuelle konjunkturelle Situation in allen Sparten der monatlichen Konjunkturumfrage mit "gut" bis "befriedigend", heißt es in der Meldung. Nur vereinzelt gebe es Meldungen über eine unbefriedigende Geschäftslage.

Darüber hinaus sehen viele Betriebe eine positive Geschäftsentwicklung. Viele neigen aktuell zu Investitionen und erwarten, dass die Preise für Bauleistungen auf dem gestiegenen Niveau verharren. Ebenfalls positiv sind die Geräteauslastung und die Reichweite der Aufträge. Die Geräteauslastung liegt laut ZDB im Tiefbau bei 80 Prozent und im Hochbau sogar deutlich über 80 Prozent. Die Auftragsreichweite erreicht im Hochbau gut vier und im Tiefbau knapp 3,5 Monate.

Problematisch bleibt jedoch der Fachkräftemangel in der Branche. Obwohl viele Unternehmen in den letzten Jahren mehr Leute eingestellt haben und auch wieder mehr Ausbildungsplätze besetzen können, melden viele Betriebe weiter, dass der Mangel an Fachkräften eine noch höhere Bautätigkeit behindert.