Gestiegene Insolvenzen am Bau - Baugewerbe doch in der Krise?

News | Frank Kessler | 11.05.2021
Gestiegene Insolvenzen am Bau - Baugewerbe doch in der Krise
Foto: Roland Riethmüller

Während insgesamt die Zahl der Insolvenzen gesunken ist, kam es im Branchenvergleich im Jahr 2020 im Baugewerbe zu den meisten Insolvenzen. Das erstaunt, da die Baunachfrage im Pandemiejahr ungebrochen hoch war. Der allgemeine Rückgang erklärt sich vor allem durch mehrere Faktoren, die sich positiv ausgewirkt haben. Zusätzlich reagieren immer mehr krisenbetroffene Unternehmen im Kundenbereich auf Kundenumbrüche mit Insolvenzen als entsprechende Sanierungsversuche.

Es deutet sich im Baugewerbe bei den größeren Unternehmen eine ernstzunehmende Krise an, denn in diesem Segment wurden im Branchenvergleich im Jahr 2020 die meisten Insolvenzanträge gestellt. Das geht aus einem Bericht des Instituts für Mittelstandsforschung (IfM) hervor. In der Insolvenzstatistik folgen der Handel, das Gastgewerbe sowie freiberufliche Anbieter. Trotzdem sank insgesamt die Zahl der Insolvenzanträge um 15,5 Prozent gegenüber dem Vorjahr 2019. Dabei ist der Rückgang mit 29,1 Prozent bei den Einzelunternehmen am höchsten. Es folgen die Aktiengesellschaften mit minus 27 Prozent und Personengesellschaften mit 12,6 Prozent. Die Insolvenzanträge bei den GmbHs sanken hingegen nur um lediglich 6,3 Prozent.

Hilfen und verbesserte Rahmenbedingungen senken die Insolvenzen

Dieser Rückgang ist im Wesentlichen auf mehrere Faktoren zurückzuführen. So haben die verbesserten Rahmenbedingungen hinsichtlich der Restschuldbefreiung für Selbstständige einen durchaus positiven Effekt, da diese haftungsbedingt als "natürliche Personen" insolvent werden. Ein weiteres Kriterium für den Rückgang ist die Aussetzung der Insolvenzantragspflicht im Corona-Jahr für Unternehmen. Aber auch die finanziellen Corona-Hilfen verringern das Risiko der Zahlungsunfähigkeit. "Umso bemerkenswerter ist es, dass in 2020 die Anzahl der Insolvenzanträge von Unternehmen mit über 100 Beschäftigten um mehr als 38 Prozent gestiegen ist”, wundert sich IfM-Wissenschaftler Peter Kranzusch. “Der vergleichsweise geringe Rückgang bei den GmbHs, für die seit Beginn der Corona-Pandemie keine strikte Insolvenzantragspflicht bestand, deutet ebenfalls darauf hin, dass vielfach branchenbezogene Ursachen für die Insolvenzen verantwortlich sind."

Mit eigenverantwortlich gestarteten Sanierungsversuchen reagieren immer mehr von der Krise betroffene Unternehmen auf die Umbrüche im Kundenbereich. Im Jahr 2020 stieg die Zahl der in Eigenverantwortung gestarteten Insolvenzverfahren auf 382. Im Jahr 2019 waren es erst 302. Darunter sind 293 Fälle von Unternehmen mit der Rechtsform GmbH. Nur 17 Einzelunternehmen führten die Insolvenzverwaltung in eigener Regie durch.

Die Überlebensrate von Neugründungen

Das IfM Bonn hat errechnet, dass die durchschnittliche Überlebensrate bei neugegründeten Unternehmen nach fünf Jahren bei 37 Prozent liegt. Innerhalb dieser Unternehmen gibt es aber noch weitere Unterschiede. So existieren statistisch nach fünf Jahren nur noch ein Drittel der Unternehmen, die keine Beschäftigten hatten. Bei den Unternehmen mit Beschäftigten existieren noch die Hälfte. Die niedrigste Anzahl an Insolvenzen gab es in der Zeit von 2013 bis 2018 im Gesundheits- und Sozialwesen.

Aktuelle Kommentare zum Beitrag.
  (Geschrieben von Alexander Faust am 17.05.2021 )

Ich kenne die Studie nicht  und kann die Beobachtungen zu den größeren Unternehmen im Bauhauptgewerbe daher so nicht nachvollziehen, doch zumindest ein Überblick der Gesamt-Insolvenzzahlen im gesamten Baugewerbe (eröffnete Verfahren) zeigt doch eine erstaunlich sinkende Insolvenzhäufigkeit auch für 2020: So wurden 2020 im Baugewerbe 29,4 % weniger Verfahren eröffnet als 2018 und immer noch 23,4 % weniger als 2019. Und in den ersten 2 Monaten von 2021 gingen 30,7 % weniger in die Insolvenz als 2020, 37,5 % weniger als 2019 und 41,5 % weniger als 2018 ... ich will jetzt nicht wie ein Gesundbeter klingen, zumal sich noch nicht absehen lässt, wie viele Firmen branchenübergreifend 2020 die gelockerte Insolvenzantragspflicht genutzt haben, dennoch geben die Zahlen für den Bau m. E: zumindest bisher glücklicherweise keinen Anlass für Alarmstimmung ... 

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