Gute Auftragslage hemmt Digitalisierung im Handwerk

News | Frank Kessler | 06.03.2020
Gute Auftragslage hemmt Digitalisierung im Handwerk
Foto: Roland Riethmüller

Handwerksbetriebe führen Maßnahmen zur Digitalisierung vor allem zum Zweck des effizienteren Betriebs durch, aber auch um gesetzliche Vorgaben zu erfüllen. Oft ziehen dabei erste Digitalisierungsprojekte sowie finanzielle Förderungen weitere Folgemaßnahmen nach sich. Laut einer aktuellen Studie gilt vor allem die gute Auftragslage im Handwerk als Hemmnis auf dem Weg zu mehr Digitalisierung.

Das Volkswirtschaftliche Institut für Mittelstand und Handwerk an der Universität Göttingen (ifh Göttingen) hat eine Untersuchung mit dem Titel "Mechanismen, Erfolgsfaktoren und Hemmnisse der Digitalisierung im Handwerk" veröffentlicht. Die aktuelle Studie basiert auf zwei Experteninterviews mit Digitalisierungsberatern von zwei Handwerkskammern sowie auf einer Umfrage. Demnach wird ein grundsätzliches Interesse der Betriebe an der Prozessdigitalisierung sowie an aktuellen Förderungen und Best-Practice-Beispielen aus der eigenen Branche bestätigt. Als besonders effektive Programme für die Kontaktaufnahme mit ihnen sehen die Studienautoren Informationsveranstaltungen mit relevanten allgemeinen, aber auch spezifischen Digitalisierungsthemen. Bei den finanziellen Instrumenten, mit denen digitalisierende Maßnahmen gefördert werden, gilt aus Sicht der für die Studie Befragten die Zuschussförderung für digitale Investitionen als besonders effektiv.

Vor allem drei Gründe hemmen Digitalisierung im Handwerk

Zwei der wichtigsten Hemmnisse für eine fortschreitende Digitalisierung im Handwerk sind laut der Studie die direkten finanziellen Kosten von digitalisierenden Maßnahmen sowie eine fehlende Qualifikation von Mitarbeitenden. Als ein drittes wichtiges Hemmnis sieht die Studie die grundsätzlich positiv zu bewertende gute Auftragslage im Handwerk. Durch sie entstünde kein betriebswirtschaftlicher Druck, verstärkt an digitalen Lösungen zu arbeiten. Eine fehlende Qualifikation von Mitarbeitenden gehöre laut Studie neben fehlender Zeit zur Implementierung digitaler Lösungen und einer fehlenden internen Organisation zur Umsetzung auch zu den Gründen, warum begonnene Digitalisierungen bisweilen scheitern.

Erfolgsfaktoren: niedrigschwellige Angebote statt radikale Innovation

Aus den Hemmnissen lassen sich die Erfolgsfaktoren ableiten. Zu ihnen gehören die Einbindung der Mitarbeiter in die Digitalisierung, eine finanzielle Förderung und Maßnahmen, um die Digitalisierung in die Unternehmensstrategie einzubetten. Für wenig realistisch halten die Studienautorin und ihre beiden Kollegen radikale Schritte für eine Innovation in Richtung neuer Technologien. Stattdessen seien "inkrementelle, prozessorientierte Digitalisierungsschritte erforderlich". Sie lassen sich - begleitet von passender Beratung - einfach in bestehende Unternehmensstrategien einbinden. "Der Förderfokus sollte demnach auf der weiteren Verbesserung der niedrigschwelligen Angebote liegen und einfach zu erlangende finanzielle Zuschüsse für den Einstieg in die Digitalisierung beinhalten", heißt es in der Präsentation der Studie.

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