Handwerk bedroht: Steigende Bürokratie hemmt Selbständigkeit

Foto: Roland Riethmüller

Laut einer aktuellen Befragung bestätigen die meisten Handwerksbetriebe, dass die Belastung durch die Bürokratie in den letzten Jahren erheblich zugenommen hat. Die Hauptbelastung komme demnach durch die zunehmende Notwendigkeit zur Anpassung an neue Gesetze. Außerdem hat die Bürokratie auch finanzielle Auswirkungen, was sich auf die Preise für Dienstleistungen und Produkte auswirkt. Die bürokratische Belastung ist mittlerweile so hoch, dass viele Nachwuchskräfte den Schritt in die Selbstständigkeit scheuen.

Noch immer werden die Vielzahl an staatliche Vorschriften und Anforderungen zu unnötigen Behördengängen vom Handwerk verurteilt. So haben bei einer deutschlandweiten Befragung des Zentralverbandes des Deutschen Handwerks (ZDH) 74 Prozent der Handwerksbetriebe beanstandet, dass die Bürokratie in den letzten Jahren enorm zugenommen hätte. 75 Prozent gaben an, dass die Belastungen hauptsächlich durch die erforderlichen Anpassungen an neue Gesetze entstehen würden. „Was besonders ärgerlich ist: Diese Belastung durch bürokratische Hürden macht für viele eine Selbstständigkeit unattraktiv“, erläutert Thomas Keindorf, Präsident der Handwerkskammer Halle. “Das können wir in der jetzigen Situation, wo aufgrund der Altersstruktur viele Betriebsinhaber in den Ruhestand gehen, überhaupt nicht brauchen.”

Handwerk kommt kaum noch nach, sich auf neue Gesetze einzustellen

Die Ergebnisse der aktuellen Umfrage beunruhigen ebenso das Handwerk in Brandenburg. So bestätigen auch 82,2 Prozent der Handwerksbetriebe in Brandenburg, dass die Bürokratie in den letzten fünf Jahren deutlich angestiegen sei. Als Hauptgrund sehen 73,3 Prozent in diesem Bundesland die ständige Anpassung an neue Gesetze. 57,2 Prozent sehen einen großen bürokratischen Aufwand in den neuen Nachweis-, Dokumentations- und Meldepflichten. „Die Umfrageergebnisse bestätigen, dass die Politik beim Bürokratieabbau endlich Ernst machen muss”, fordert Robert Wüst, Präsident des Handwerkskammertages Land Brandenburg, angesichts der alarmierenden Ergebnisse. “Vorschläge dafür hat das Handwerk vorgelegt. Die Anforderungen haben längst ein Ausmaß erreicht, das für unsere Betriebe nicht mehr umsetzbar ist“.

Nachwuchs scheut die Selbstständigkeit aufgrund der Bürokratie

Auch die Handwerkskammer Hildesheim übt Kritik. Die Bürokratie hat inzwischen ein kritisches Maß erreicht. Immer mehr junge Meisterinnen und Meister stellen sich die Frage, ob sie sich überhaupt selbstständig machen sollen. „Der Jahresbericht zum Bürokratieabbau der Bundesregierung weist erstmals nach vielen Jahren einen Anstieg der Belastung aus”, sagt Ina-Maria Heidmann, Hauptgeschäftsführerin der Handwerkskammer Hildesheim-Südniedersachsen. “Damit wird rechnerisch vollzogen, was Handwerksbetriebe seit Langem spüren. Die Belastung hat ein Niveau erreicht, das Betriebsinhaberinnen und -inhaber frustriert und junge Menschen trotz Talent und Motivation davor zurückschrecken lässt, den Schritt in die handwerkliche Selbstständigkeit zu wagen.“ Geht es nach Heidmann, dann müssen spürbare Entlastungen geschaffen werden. Die Betriebe müssten sich endlich wieder auf ihre eigenen Aufgaben konzentrieren können. Die Bürokratie würgt die wirtschaftliche Entwicklung der Handwerksbetriebe ab.

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