Handwerker-Positionen besonders schwer zu besetzen

News | Frank Kessler | 29.06.2015
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Foto: Roland Riethmüller

Facharbeiter und Handwerker sind in Deutschland und weltweit echte Engpassberufe. Nach Angaben der Personaldienstleistung ManpowerGroup führt diese Berufsgruppe bereits seit Jahren das Ranking der am schwierigsten zu besetzenden Positionen an. Und obwohl die Bauwirtschaft die Auswirkungen vom Fachkräftemangel schon spürt und erste Betriebe bereits Aufträge ablehnen müssen, wird noch zu wenig gegen die Situation unternommen.

Im Gegensatz zu vielen anderen europäischen Ländern haben hierzulande fast die Hälfte der deutschen Unternehmen Schwierigkeiten, ihre offenen Stellen zu besetzen. Das ermittelte der Personaldienstleister ManpowerGroup mit seiner internationalen Studie “Fachkräftemangel 2015”. Unter 41.700 Personalentscheidern aus 42 Ländern wurden die Gründe, Folgen und Maßnahmen des Fachkräftemangels abgefragt. Demnach sehen in Deutschland 46 Prozent der Unternehmen einen akuten Fachkräftemangel, wogegen es im internationalen Durchschnitt nur 38 Prozent sind. Damit ist in Deutschland der Wert der Unternehmen mit Sorge über Fachkräftemangel seit dem letzten Jahr um sechs Prozentpunkte gestiegen und so hoch wie zuletzt im Jahr 2006. Auch international ist der Wert im Vergleich zum Vorjahr um drei Prozentpunkte angestiegen. Die besten Chancen auf neue Fachkräften haben Unternehmen in Irland. Hier geben nur elf Prozent an, Schwierigkeiten bei der Besetzung offener Stellen zu haben. Auch in Großbritannien und den Niederlanden sind es nur 14 Prozent der Betriebe. Deutschlands Nachbar Österreich liegt mit 39 Prozent leicht über dem Durchschnitt. Ganz anders sieht es dagegen in Japan aus. Hier leiden 83 Prozent der Unternehmen unter dem Fachkräftemangel. Doch auch in Europa gibt es mit einigen osteuropäischen Ländern wie Rumänien und Bulgarien sowie Griechenland durchaus Länder, wo der Fachkräftemangel deutlich über die Hälfte der Unternehmen belastet und es erheblich schwieriger ist, geeignetes Fachpersonal einzustellen.

Die Folgen vom Fachkräftemangel sind bereits spürbar. Zehn Prozent der befragten Unternehmen spüren den Fachkräftemangel deutlicher als noch vor einem Jahr. Auch geben bereits heute 58 Prozent der Betriebe an, Aufträge nicht mehr anzunehmen, da die benötigten Fachkräfte fehlen. Nach Aussage von mehr als 40 Prozent der befragten Unternehmen in Deutschland leidet darunter auch die Wettbewerbsfähigkeit und die Innovation. “Der Arbeitsmarkt hält mit dem wirtschaftlichen Aufschwung im Land nicht mehr Schritt”, erläutert Herwarth Brune, Vorsitzender der Geschäftsleitung der ManpowerGroup Deutschland. Auch in Österreich sehen 78 Prozent der Betriebe eine verminderte Fähigkeit, Kundenbedürfnisse zu befriedigen. Als weitere Folgen des Fachkräftemangels sehen 55 Prozent eine abgeschwächte Wettbewerbsfähigkeit/Produktivität, 49 Prozent eine geringere Mitarbeiterloyalität/Arbeitsmoral, 47 Prozent eine sinkende Innovationskraft/Kreativität, 44 Prozent höhere Kompensationskosten und 43 Prozent eine gestiegene Mitarbeiterfluktuation. Der österreichische ManpowerGroup-Chef Erich Pichorner warnt: “Alarmierend ist für mich, dass 31 Prozent der Befragten derzeit noch keine Maßnahmen gegen den Fachkräftemangel setzen, obwohl fast jeder zweite heimische Arbeitgeber (46 Prozent) angibt, Fachkräftemangel wirke sich negativ auf die Befriedigung der Kundenbedürfnisse aus.” Als Gründe für den Fachkräftemangel nennen in Österreich 48 Prozent der Betriebe das generelle Fehlen von geeigneten Bewerbern, jedoch mit 43 Prozent auch einen Mangel an Hard Skills, sowie mit 20 Prozent an Soft Skills. “Um das künftige Wirtschaftswachstum nicht zu gefährden, braucht es neue Ideen, wie wir Menschen in Arbeit bringen. Das Einstellen von Flüchtlingen sollte beispielsweise erleichtet werden”, fordert Brune und verweist auf das grundsätzliche Problem. “Eine ganze Generation von Babyboomern steht vor dem Ruhestand. Diese Lücke müssen die Arbeitgeber füllen, beispielsweise durch gezielte Nachwuchsprogramme.”

Der Fachkräftemangel betrifft aber vor allem den Baubereich. Denn bereits zum vierten Mal in Folge führen die Facharbeiter und Handwerker das Ranking der am schlechtesten zu besetzenden Arbeitsplätze an. In keinem anderen Berufszweig ist die Situation so dramatisch wie in der Bauwirtschaft. Und das betrifft nicht einmal den großen Bereich der IT-Fachkräfte, der auch noch auf die Branche zusteuert. “Es besteht dringend Handlungsbedarf, wenn deutsche Unternehmen eine Vorreiterstellung beim Megatrend Industrie 4.0 einnehmen wollen”, mahnt Brune und empfiehlt, Arbeitnehmer auch intern für neue Anforderungen zu qualifizieren, statt eingleisig nach dem perfekten Spezialisten zu suchen.

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