Handwerkerbonus kippt? Mehr Schwarzarbeit, weniger Aufträge

Foto: duallogic / envatoelements

Der Handwerkerbonus könnte im Zuge des Bundeshaushalts 2027 abgeschafft werden. Das hätte weitreichende Folgen für Bauunternehmen und Handwerksbetriebe. Branchenvertreter warnen vor weniger Aufträgen, sinkenden Investitionen und einem neuen Schub für die Schwarzarbeit. Besonders das Ausbaugewerbe, Sanierungsbetriebe und viele Mittelständler wären betroffen. Die Steuerförderung für Handwerkerleistungen steht politisch unter Druck und birgt erhebliche Risiken für die gesamte Bauwirtschaft. 

Die Diskussion um den neuen Bundeshaushalt sorgt im Handwerk für Unruhe. Hintergrund ist der anstehende Eckwertebeschluss zum Haushalt 2027. Demnach wird im politischen Berlin über Einsparungen bei Steuervergünstigungen gesprochen. Nach Angaben des Zentralverbands des Deutschen Handwerks (ZDH) herrscht große Unsicherheit darüber, welche Förderungen konkret gestrichen werden könnten. Doch auch die steuerliche Förderung für Handwerkerleistungen soll davon betroffen sein. Branchenvertreter warnen nun vor erheblichen Folgen für Betriebe, die gesamte Bauwirtschaft und private Investitionen. Gerade in wirtschaftlich angespannten Zeiten könnte der Wegfall des Instruments viele Aufträge kosten und die Schwarzarbeit wieder stärken. Besonders kritisch gesehen wird die aufflammende Debatte um den sogenannten Handwerkerbonus. ZDH-Präsident Jörg Dittrich stellt klar: „Der irreführenderweise sogenannte ‚Handwerkerbonus‘ ist kein Bonus für Betriebe, sondern ein gezielter Steueranreiz für Verbraucherinnen und Verbraucher, der legale Arbeit stärkt und Schwarzarbeit und Steuerbetrug wirksam eindämmt.“

Warum der Handwerkerbonus für das Bauhandwerk wichtig ist

Für viele Betriebe im Ausbaugewerbe, bei Sanierungen oder Modernisierungen ist die steuerliche Förderung ein entscheidender Nachfragefaktor. Hauseigentümer und private Auftraggeber kalkulieren Investitionen häufig unter Einbeziehung der steuerlichen Entlastung. Fällt dieser Anreiz weg, könnten Renovierungen, Badsanierungen, Dacharbeiten oder energetische Maßnahmen verschoben oder ganz gestrichen werden. Besonders kleinere und mittlere Unternehmen im Handwerk wären betroffen. Diese sind stark vom privaten Sanierungsmarkt abhängig. Sinkende Auftragseingänge würden sich direkt auf Auslastung, Beschäftigung und Investitionsbereitschaft auswirken.

Sorge vor wachsender Schwarzarbeit

Der ZDH warnt zudem vor einem gegenteiligen Effekt bei der Bekämpfung illegaler Beschäftigung. Wer legale Handwerkerleistungen steuerlich nicht mehr geltend machen kann, könnte stärker auf Barzahlung ohne Rechnung ausweichen. Das hätte Folgen für ehrliche Betriebe, aber auch für den Staat. „Die Steuerermäßigung für Handwerkerleistungen ausgerechnet jetzt abzuschaffen, wäre falsch und würde ein widersprüchliches Signal senden“, kritisiert Dittrich den möglichen Kurswechsel. Gerade das Bau- und Ausbauhandwerk kämpft seit Jahren mit unfairer Konkurrenz durch Schwarzarbeit. Ein Wegfall des Steueranreizes könnte diesen Trend verschärfen.

Blick auf Handwerkerleistungen in Schweden und Österreich

Andere europäische Länder setzen laut ZDH weiterhin auf vergleichbare Modelle. In Schweden wurde ein solcher Verbraucherbonus sogar ausgeweitet und vereinfacht. Auch Österreich hat zuletzt ein ähnliches Instrument eingeführt. Dort soll die Nachfrage nach legalen Handwerksleistungen gestärkt werden. Eine Abschaffung wäre daher für Deutschland ein Sonderweg mit ungewissem Ausgang für Betriebe und Verbraucher.

Entscheidung mit Signalwirkung für die Baubranche

Die kommenden Haushaltsberatungen dürften deshalb weit über steuerpolitische Fragen hinausreichen. Für Bauunternehmen, Ausbaugewerke und Fachhandwerker geht es um einen wichtigen Impulsgeber für private Investitionen. Gleichzeitig steht die Frage im Raum, wie ernst es der Politik mit der Stärkung legaler Beschäftigung und der Modernisierung des Gebäudebestands ist. Fest steht: Sollte der Handwerkerbonus tatsächlich fallen, hätte das spürbare Auswirkungen auf Auftragslage, Wettbewerb und Sanierungstempo in Deutschland.

Soll der Handwerkerbonus gestrichen werden?

Kommentare

4 1 Bewertung
Wie gefällt Ihnen dieser Artikel?
Abonnieren
Benachrichtigen bei
0 Comments
Älteste
Neueste Meistbewertet

Dieser Beitrag hat Ihnen gefallen?

Dann melden Sie sich doch gleich an zum kostenlosen E-Mail-Newsletter und lassen sich über weitere Neuigkeiten wöchentlich informieren!

Hinweis: Sie können den Newsletter von meistertipp.de jederzeit und kostenfrei abbestellen. Ihre Daten werden nur zum Versand des Newsletters genutzt. Wir geben Ihre Daten nicht weiter. Mehr Informationen zum Umgang mit Nutzer-Daten finden Sie in unserer Datenschutz-Erklärung.

Das könnte Sie auch interessieren

Messen & Kongresse Übersicht 2026

Der große Meistertipp-Kalender: Messen und Kongresse 2026 für Bauindustrie, Baugewerbe, Bauhandwerk und die Bauwirtschaft.

Newsletter

Verpassen Sie nichts mehr mit unserem kostenlosen Newsletter. So werden Sie frühzeitig über anstehende Veranstaltungen informiert und bleiben immer auf dem neusten Stand.

Hinweis: Sie können den Newsletter von meistertipp.de jederzeit und kostenfrei abbestellen. Ihre Daten werden nur zum Versand des Newsletters genutzt. Wir geben Ihre Daten nicht weiter. Mehr Informationen zum Umgang mit Nutzer-Daten finden Sie in unserer Datenschutz-Erklärung.