Haustarifverhandlung bei Hochtief ohne Ergebnis

News | Frank Kessler | 22.06.2020
Haustarifverhandlung bei Hochtief ohne Ergebnis
Foto: Roland Riethmüller

Momentan steht die Haustarifverhandlung beim größten Bauunternehmen von Deutschland auf der Kippe. Vergangene Woche endeten die Verhandlungsgespräche für die rund 4.000 Mitarbeiter zwischen der Gewerkschaft und Hochtief. Bereits vor der Pandemie hatte die Tarifkommission eine Einkommenssteigerung von 6,8 Prozent und eine Wegzeitenentschädigung zu den Baustellen gefordert. Die Arbeitgeber verweigern diese Forderungen und bieten nur minimale Entschädigungen und Erhöhungen an.

Die Auftragsbücher beim größten deutschen Bauunternehmen Hochtief sind bis ins nächste Jahr prall gefüllt. Von der Corona-Krise bekommt der Baukonzern kaum etwas zu spüren. Vielmehr scheint das Gegenteil der Fall zu sein, denn der Bauboom setzt sich unverändert fort. Das erleben die Mitarbeiter laut der Industriegewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt (IG BAU) täglich aufs Neue. Trotzdem seien die Arbeitgeber laut der IG BAU kaum auf die Forderungen der Gewerkschaft eingegangen, so dass vergangene Woche auch der fünfte Verhandlungstag um den neuen Haustarifvertrag bei Hochtief ergebnislos blieb.

Haustarifverhandlung überschattet von 16 Prozent Dividendenanstieg

“Sie fordern zu Recht Respekt für ihre Leistung", erklärt IG BAU-Bundesvorstandsmitglied und Verhandlungsführerin Nicole Simons. So ärgert es sie, dass zwar die Aktionäre eine 16 Prozent höhere Dividende bekommen, die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter jedoch kaum am Erfolg teilhaben dürften. Das sei nicht tragbar, denn die höhere Dividende könne schließlich erst durch die Arbeit der Mitarbeiter bezahlt werden. Mit Wertschätzung habe das nichts mehr zu tun.

Warten auf ein besseres Angebot von Hochtief

Fest steht, dass die IG BAU Hochtief bei der Laufzeit und den Einkommenserhöhungen entgegenkommt. Nach fünf Verhandlungsrunden wird nun erwartet, dass die Konzernleitung den Beschäftigten ein sichtbares Signal gibt und ein abschlussfähiges Angebot macht. Die IG BAU hat noch vor der Corona-Pandemie eine Erhöhung des Einkommens von 6,8 Prozent gefordert. Weiterhin verlangte sie eine Entschädigung für die Wegzeiten auf dem Weg zu den Baustellen. Hochtief verweigere dies jedoch und biete lediglich eine kleine Wegzeitenentschädigung und eine minimale Tabellenerhöhung an. Die IG BAU setzt sich daher weiter für bessere Arbeitsbedingungen ein.

Proteste mit Abstand

Die Mitarbeiter von Hochtief haben sich indes aufgrund der Corona-Pandemie eine ganz besondere Form des Protestes einfallen lassen. Mit einer "Fotokette" machten sie auf sich aufmerksam. Es kamen rund 340 Bilder zum Einsatz. Dabei kritisieren sie, dass die Aktionäre wegen des guten Ergebnisses finanziell profitieren während die Forderungen der Mitarbeiter nach mehr Einkommen und Wegzeitenentschädigung abgelehnt werden.

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