Hilft Wachstumschancengesetz und degressive Afa im Wohnungsbau?

Foto: puhimec / envatoelements

Nach langen Verhandlungen wurde das Wachstumschancengesetz mit degressive Afa im Bundesrat verabschiedet. Bedauerlich ist allerdings, dass der Abschreibungssatz gesenkt wurde. Ein weiterer Minuspunkt ist, dass eine Anhebung der steuerlichen Förderung für energetische Sanierungsmaßnehmen ausgelassen wurde. Doch auch wenn das neue Gesetz nicht alle zufriedenstellt, ist es trotzdem ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung, was schon lange überfällig war.

Das Wachstumschancengesetz mit degressive Afa wurde nun endlich verabschiedet. „Die heute beschlossene Fassung des Wachstumschancengesetzes ist kein großer Wurf, aber immerhin ein Schritt in die richtige Richtung“, relativierte Hjalmar Stemmann, Präsident der Handwerkskammer Hamburg, noch vor ein paar Tagen. „Was das Handwerk braucht, ist ein mittelstandsorientiertes Wachstumspaket, das wirkliche Anreize für kleine und mittlere Betriebe schafft.“ Auch Tim-Oliver Müller, Hauptgeschäftsführer des Hauptverbandes der Deutschen Bauindustrie (HDB) freut sich, dass die Politik Einsicht hatte und die politischen „Ränkespiele“ beendet hat. „Das Wachstumschancengesetz kommt und mit ihr die degressive AfA, die der gebeutelten Wohnungsbaubranche vor einem dreiviertel Jahr versprochen wurde – als Signal der Politik, den Markt anzukurbeln und als Signal für zigtausende Mieterinnen und Mieter, die auf bezahlbaren Wohnraum hoffen“, so Müller. Trotzdem gäbe es dennoch keinen Grund für übermäßige Freude. Die Gelder für das Neubauförderungsprogramm seien fast schon verbraucht. Mit dieser Hinhaltetaktik könne kein neuer Wohnraum geschaffen werden.

Wachstumschancengesetz wird die Wohnungsbaukrise nicht lösen

Aber dennoch ist die Bauwirtschaft positiv gestimmt. „Endlich! Nach monatelangen Verhandlungen haben Bund und Länder das Wachstumschancengesetz samt der degressiven AfA verabschiedet“, erklärt auch Felix Pakleppa, Hauptgeschäftsführer des Zentralverbands des Deutschen Baugewerbes (ZDB). „Dies wird dem Wohnungsbau einen dringend benötigten Wachstumsimpuls geben.“ Er bezweifelt allerdings, dass das neue Gesetz mit degressive Afa die Wohnungsbaukrise lösen werde. Um dies zu erreichen, müssten die Anforderungen gesenkt oder die Neubauförderungen erhöht werden. Dafür müssten die Förderprogramme auf den EH 55-Standard erhöht werden. 

Enttäuschende Ergebnisse – neue Impulse für den Wohnungsbau nötig 

Denn die Bauwirtschaft steht vor großen Herausforderungen. Im Januar haben sich die Wohnungsbaugenehmigungen gegenüber dem Jahr 2022 fast halbiert. „Leider bleiben die Ergebnisse jedoch hinter den Erwartungen zurück“, bestätigt auch Julia Möbus, Geschäftsführerin vom Deutsche Säge- und Holzindustrie Bundesverband (DeSH). „Mit Blick auf die Rezession und den Transformationsbedarf ist die deutsche Wirtschaft auf weitreichende Impulse und Maßnahmen angewiesen.“ 

Degressive Afa zur Stabilisierung des Wohnungsbaus

Trotzdem reagiert auch die baden-württembergische Bauwirtschaft mit Erleichterung auf die Zustimmung des Bundesrates zum Wachstumschancengesetz. „Damit endet eine monatelange politische Hängepartie“, konstatiert Thomas Müller, Hauptgeschäftsführer der Bauwirtschaft Baden-Württemberg. „Die degressive AfA ist ein wichtiger Baustein zur Stabilisierung des Wohnungsbaus. Sie setzt deutliche Investitionsanreize für Investoren und kann dazu beitragen, die stark rückläufige Bautätigkeit wieder zu beleben.“ 

Baubranche braucht Förderungen und Bürokratieabbau

Doch es gibt auch weniger euphorische Stimmen. „Die Zustimmung zum Wachstumschancengesetz ist ein guter Start, mehr aber auch nicht“, sagt Robert Momberg, Hauptgeschäftsführer vom Bauindustrieverband Ost (BIVO). „Es braucht ein auskömmliches und verlässliches Förderprogramm, die Harmonisierung der unterschiedlichen Landesbauordnungen sowie eine beherzte Deregulierung in der Baupolitik.“ Ohne eine entsprechende Förderung wird sich nicht viel ändern. „Es wird nicht ausreichen, um den Wachstumsturbo zu zünden“, bemängelt Jörg Dittrich, Präsident des Zentralverbandes des Deutschen Handwerks (ZDH). „Es bleibt nur die Hoffnung auf Wachstum.“

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