Hohe Baukosten: Tipps zur Kostenplanung und Risikominderung

News | Frank Kessler | 10.11.2021
Hohe Baukosten: Tipps zur Kostenplanung und Risikominderung
Foto: Roland Riethmüller

Die gestiegenen Baukosten und ihre Risiken sind das Thema einer landesweiten Umfrage in der Bauwirtschaft. So bestehen die Hauptgründe für die Steigerungen vor allem in der hohen Auslastung der Handwerksbetriebe, dem anhaltenden Mangel an Rohstoffen und den deutlichen Lieferengpässen bei Baumaterial. Die Befragung hat gezeigt, dass insbesondere von Februar bis September 2021 die Preissteigerung besonders deutlich zu spüren war. Viele Bauverträge haben eine Preisbindung, sodass die Preiserhöhungen nicht nachberechnet werden können.

Die Preise für Bauleistungen steigen seit mehreren Jahren. Aus diesem Grund hat das Baukosteninformationszentrum Deutscher Architektenkammern (BKI) eine Umfrage durchgeführt. Professor Dr. Kalusche und Professor Dr. Bielefeld haben dazu die Ursachen für diese Preissteigerungen genauer unter die Lupe genommen und Ratschläge zur Kostenplanung gegeben. So betrug laut Auswertungen des Statistischen Bundesamts die Kostensteigerung im Hochbau von August 2020 bis August 2021 rund 12,6 Prozent. Gleichzeitig ist die Baubranche im Gegensatz zu andere Branchen in den letzten zwei Jahren ausgelastet.

Sorge um Lieferengpässe und Baukostensteigerung in der Bauwirtschaft

Wegen der Corona-Pandemie gab es zusätzliche Lieferengpässe wegen den grenzüberschreitenden Handelsbeschränkungen. Weitere Faktoren für die gestiegenen Baupreise sind die hohe Auslastung der Bauunternehmen und die Personalknappheit, die auch durch Abwanderung in andere Branchen entstanden ist. Dabei stellt sich die Frage, wie eine derartige Situation überhaupt entstehen konnte. Die Forscher bestätigen, dass die angespannte Situation bei den Bauleistungen auch auf die Zinspolitik der Europäischen Zentralbank zurückzuführen sei. Diese sowie eine große Anzahl an staatlichen Fördermaßnahmen habe zu einer Vergrößerung der Geldmenge geführt. Das mache sich hauptsächlich bei den gewachsenen Investitionen im Immobilienbereich bemerkbar.

Investitionsschub erhöht die ohnehin angespannte Nachfrage

Zu einem weiteren Investitionsschub kam es im ersten Halbjahr 2021, als die benötigten Impfstoffe bereitgestellt wurden. Verzögerte Baumaßnahmen konnten weitergeführt werden. Zwar war bisher der Baustoffmarkt in der Lage, eine erhöhte Nachfrage auszugleichen. Das gelingt aber im Moment nicht. In vielen Ländern gibt es zusätzlich eine Aufbruchstimmung, die den Nachfrageüberhang weiter verstärkt. Dadurch sind zurzeit die Kapazitäten der Baustoffindustrie nicht ausreichend. Infolgedessen sind viele Produkte nicht verfügbar. Das liegt im Wesentlichen auch an der gestiegenen Nachfrage in China und den USA. Eine der Gründe sind außerdem auch die Wiederaufbaumaßnahmen nach diversen Naturkatastrophen.

Höhere Baupreise bedrohen Bauherren und Bauunternehmen

Bei vielen Bauverträgen besteht eine Preisbindung. Anpassungen sind auch nicht über Preisgleitklauseln vorgesehen. Das führt dazu, dass bei den Bauunternehmen und Handwerksbetrieben die Selbstkosten stark angestiegen sind. Die stark gestiegenen Baukosten sind teilweise existenzbedrohlich. Aus diesem Grund kalkulieren viele Handwerksbetriebe und Bauunternehmen die Preisrisiken mit ein, was die Baukosten erneut steigert.

Baukosten realistisch einschätzen

Bei der Planung eines Objekts und bei der Planung der Kosten sollte verstärkt die aktuelle Situation berücksichtigt werden. Die BKI-Forscher raten deshalb dazu, die Aufstellung einer Prognose über die Baukosten mit einer realistischen Einschätzung durchzuführen. Bauherren müssen im Vorfeld prüfen, ob ein Projekt noch finanzierbar ist, auch wenn die Kosten weiter steigen. Eine wichtige Hilfestellung können dabei Steuerberater und die finanzierende Bank leisten.

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