Hohe Steuern verhindern Neubauten

Bild zu: Hohe Steuern verhindern Neubauten
Foto: Roland Riethmüller

Zu den besten Einnahmequellen der Länder gehört die Grunderwerbssteuer, die 2014 über die Hälfte ihrer Steuereinnahmen ausmachte. Verständlich, dass die Bundesländer immer wieder an dieser Steuerschraube drehten. Was dabei jedoch vielfach verkannt wird: Durch die hohe Steuerlast wird auch die Investitionsbereitschaft gehemmt und damit den Bau von dringend benötigtem Wohnraum verhindert. Dabei könnte mit zwei Ansätzen die Marktverzerrung leicht vermieden werden.

Die Grunderwerbssteuer betrug bis 2006 einheitlich 3,5 Prozent. Seit 2007 dürfen jedoch die deutschen Bundesländer den Steuersatz selbständig festlegen. Doch statt einer Senkung bewirkte der vermeintliche Steuerwettbewerb einen Anstieg in fast allen Bundesländern bis auf 6,5 Prozent. Lediglich Bayern und Sachsen haben die Grunderwerbssteuer nicht angehoben. Dies führte zu Einnahmen der Länder von über 9 Milliarden Euro im Jahr 2014 und entspricht damit mit 53 Prozent einem Großteil der Steuereinnahmen, die direkt den Ländern zugutekommt. Gleichzeitig trägt die Sonderregelung des Länderfinanzausgleichs dazu bei, dass die Länder daraus keine Abgaben entrichten müssen.

Über 18% Steuern vom Kaufpreis ermutigen nicht zum Handel oder Neubau von Wohnungen

Das Institut der deutschen Wirtschaft Köln (IW) wurde vom Deutschen Verband für Wohnungswesen, Städtebau und Raumordnung beauftragt, die Auswirkungen daraus genauer zu untersuchen. So komme es laut IW-Expertise durch die hohe Steuerlast zu einem sogenannten Lock-in-Effekt: Denn vielfach wird der Handel mit Wohnungen gebremst und Neubauten unnötig verteuert, weil bei jedem Verkauf ein hoher Aufschlag fällig wird. Denn wird ein Grundstück vom Bauträger erworben, dann bebaut und als Eigentumswohnungen weiterveräußert, so wird teilweise sogar mehrfach Grunderwerbssteuer fällig. Dies führt inklusive der Umsatzsteuer für die Bauleistung unter Umständen zu einer Steuerlast von über 18 Prozent des Kaufpreises. Das ist verständlicherweise kein Anreiz für den Bau von dringend benötigtem Wohnraum.

Steuerlast muss gesenkt werden

Das IW empfiehlt zwei primäre Ansatzpunkte, um die Hemmnisse zu beseitigen und den Wohnungsbau zu beleben: “Die Politik muss den Anreiz des Länderfinanzausgleichs eliminieren, die Grundwerbssteuer immer weiter zu erhöhen”, so IW-Steuerexperte Tobias Hentze. “Analog zur Mehrwertsteuer sollte die Bundesregierung einen Vorsteuerabzug bei Neubauten einführen”, fordert IW-Immobilienexperte Michael Voigtländer. Beides würde die Steuerlast durch Grunderwerbssteuer insgesagt senken und die Verzerrungen zwischen Neubauten in Eigenregie und Bauträgermodellen deutlich reduzieren.

Kommentare

0 0 votes
Wie gefällt Ihnen dieser Artikel?
Abonnieren
Benachrichtige mich bei
0 Comments
Inline Feedbacks
View all comments

Dieser Beitrag hat Ihnen gefallen?

Dann melden Sie sich doch gleich an zum kostenlosen E-Mail-Newsletter und lassen sich über weitere Neuigkeiten wöchentlich informieren!

Hinweis: Sie können den Newsletter von meistertipp.de jederzeit und kostenfrei abbestellen. Ihre Daten werden nur zum Versand des Newsletters genutzt. Wir geben Ihre Daten nicht weiter. Mehr Informationen zum Umgang mit Nutzer-Daten finden Sie in unserer Datenschutz-Erklärung.

Das könnte Sie auch interessieren

Messen & Kongresse 2024

Der große Meistertipp-Kalender: Messen und Kongresse 2024 für Bauindustrie, Baugewerbe, Bauhandwerk und die Bauwirtschaft.

Newsletter

Verpassen Sie nichts mehr mit unserem kostenlosen Newsletter. So werden Sie frühzeitig über anstehende Veranstaltungen informiert und bleiben immer auf dem neusten Stand.

Hinweis: Sie können den Newsletter von meistertipp.de jederzeit und kostenfrei abbestellen. Ihre Daten werden nur zum Versand des Newsletters genutzt. Wir geben Ihre Daten nicht weiter. Mehr Informationen zum Umgang mit Nutzer-Daten finden Sie in unserer Datenschutz-Erklärung.