Hohe Stornierungen: Wohnungsbauziele der Regierung illusorisch

News | Frank Kessler | 18.08.2022
Hohe Stornierungen: Wohnungsbauziele der Regierung illusorisch
Foto: Roland Riethmüller

Mittlerweile werden immer mehr Projekte im Wohnungsbau nicht plangemäß umgesetzt. Schuld daran sind die steigenden Baukosten, die schlechten Fördermöglichkeiten und die hohen Zinsen. Die Rahmenbedingungen für den Wohnungsneubau haben sich damit drastisch verschlechtert und eine Welle von Stornierungen ausgelöst. Die hochgesteckten Wohnungsbauziele der Bundesregierung können in dieser Situation kaum noch verwirklicht werden.

Bundesbauministerin Klara Geywitz (SPD) hält immer noch an dem gesteckten Ziel fest, 400.000 Wohnungen jährlich zu bauen. Doch angesichts der schlechten Fördermöglichkeiten, hohen Zinsen und drastisch steigenden Baukosten steht dieses Ziel infrage. Die Bundesvereinigung Mittelständischer Bauunternehmen (BVMB) hält die Umsetzung mittlerweile für mehr als unrealistisch. "Wenn dieses Ziel tatsächlich ernsthaft aufrechterhalten wird, müssen sich die Rahmenbedingungen unter anderem bei der Digitalisierung in der Verwaltung und den Fördermöglichkeiten drastisch ändern", fordert BVMB-Hauptgeschäftsführer Michael Gilka.

Die Digitalisierung muss endlich die Verwaltung erreichen

Denn in den letzten Monaten sind die Zinsen für Baudarlehen kräftig angestiegen und die Grundstückspreise explodiert. Das sind keine guten Voraussetzungen, um neuen Wohnraum zu schaffen. Geywitz hat zwar mehr Anstrengungen eingeräumt, um Wohnraum zu schaffen. Trotzdem hält sie das Ziel für realistisch, 400.000 Wohnungen im Jahr zu bauen. "Wir finden das bemerkenswert, dass die Bauministerin zwar nach wie vor so viele neue Wohnungen pro Jahr verspricht, allerdings nicht ansatzweise konkret wird, wie das insbesondere angesichts der aktuellen Situation insbesondere 2022 und 2023 umgesetzt werden soll", kritisiert Gilka.

Zunehmende Stornierungen im Wohnungsbau behindern die Wohnungsbauziele

Denn noch immer werden im Wohnungsbau viele Projekte gestrichen. Im Juli lag der Anteil bei 11,5 Prozent. Im Vormonat waren es 12,3 Prozent und im Mai betrug der Anteil sogar 15,8 Prozent. Das sind die Daten, die das ifo-Institut kürzlich veröffentlichte. Die Auftragsbücher der Bauunternehmen sind zwar gut gefüllt, doch wegen der hohen Zinsen, der gestiegenen Baukosten und den schlechten Fördermöglichkeiten stehen die Projekte jetzt auf dem Prüfstand. Seit April kommt es immer häufiger zu Stornierungen. Die gesteckten Wohnungsbauziele rücken damit in weite Ferne. Auch die Materialengpässe entspannen sich nur langsam. Immer noch 45,6 Prozent der Betriebe haben im Juli Lieferprobleme gehabt. Infolgedessen hat sich das Baumaterial weiter deutlich verteuert. Die Bauunternehmer mussten folglich immer wieder selbst an der Preisschraube drehen. Die Nachfrage nach Bauleistungen ist aber auch aufgrund der eingeschränkten Fördermöglichkeiten und der hohen Zinsen zurückgegangen. Das wirkt sich negativ aus, denn die Stimmung am Bau kippt und viele Unternehmen befürchten für das nächste Jahr Geschäftsrückgänge. Die Wohnungsbauziele könnten so nicht erreicht werden.

Aktuelle Kommentare zum Beitrag.

Das könnte Sie auch interessieren.