Immer mehr Mängel bei privaten Bauvorhaben

News | Roland Riethmüller | 01.09.2015
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Die Qualität der Bauleistungen bei privaten Bauvorhaben ist weiter gesunken, hat der Bauherren-Schutzbund und das Institut für Bauforschung ermittelt. Aufgrund gestiegener Anforderungen an die Planung und fachgerechte Bauausführung kommt es immer häufiger zu Baumängeln bei neu errichteten Ein- und Zweifamilienhäusern. Im beidseitigen Interesse empfiehlt sich die rechtzeitige Erkennung und Beseitigung von Mängeln durch regelmäßige baubegleitende Qualitätskontrollen statt der nachträglichen Beseitigung hoher Schadenskosten.

Die gemeinsame Studie vom Bauherren-Schutzbund (BSB) und dem Institut für Bauforschung Hannover (IFB) legen teilweise erhebliche Qualitätsprobleme beim privaten Hausbau offen. Ausgehend von den wachsenden Anforderungen an Gebäudehülle, Konstruktion und Gebäudetechnik durch veränderte Standards, immer neue gesetzliche Vorgaben, sowie innovative Materialien und Systeme haben BSB und IFB typische und zum größten Teil schwerwiegende Mängel auf 70 Baustellen beim Neubau von Ein- und Zweifamilienhäusern dokumentiert. Dabei wurde ebenso ihr Erscheinungsbild, sowie Ursachen und Auswirkungen auf das Gebäude protokolliert. So wurden von BSB-Beratern bei 600 Baustellenkontrollen insgesamt 1.642 Mängel festgehalten. Zusammenfassend sei kaum eine Tendenz zu erkennen, dass die Bauqualität steige, bzw. die Anzahl der vorgefundenen Baumängel sinke, heißt es in der Studie. Eher das Gegenteil sei der Fall, da die Anzahl der Baumängel im Vergleich zur letzten Studie im Jahr 2011 um zehn Prozent gestiegen ist. Damit treten im Durchschnitt 20 Mängel pro Bauvorhaben während des Bauverlaufs auf. Noch einmal zehn weitere Mängel werden von den BSB-Beratern oft bei der Schlussabnahme entdeckt, die auf fehlenden Feinschliff vor Baufertigstellung zurückzuführen sind. “Ausgehend von der Entwicklung der Anzahl der Mängel kann keine Verbesserung, sondern muss insgesamt eine Verschlechterung der Bauqualität festgestellt werden”, bestätigt IBF-Direktorin Heike Böhmer.

Die meisten Mängel sind mit 19 Prozent bei der Gebäudeabdichtung und der Perimeterdämmung zu finden. Dabei ist die Abdichtung der Bäder am häufigsten betroffen. An zweiter Stelle stehen in 17 Prozent aller Fälle Mängel beim Innenausbau, besonders beim Innenputz und Estrich. In diesem Bereich sind im Vergleich zur Vorstudie mit rund 60 Prozent die stärkten Anstiege zu bemerken. Auf dem dritten Platz der Mängelstatistik stehen mit 14 Prozent Mängel am Rohbau, der Statik und der Dachkonstruktion. Anschließend folgen mit elf Prozent Mängel bei der Wärmedämmung, dem Schallschutz und dem Brandschutz. In diesem Bereich ist die Zahl der Mängel nur leicht gesunken. Deutlich war der Rückgang an Mängeln mit 45 Prozent vor allem bei Fenstern und Türen, aber auch mit 66 Prozent bei der Baustellensicherheit.

Viele Mängel seien auf unzureichende Planung, mangelhafte Ausführung im Bauprozess und unzureichende Überwachung des Bauablaufes zurückzuführen, bestätigen die Experten. Schließlich können unerkannte Mängel zu schwerwiegenden Bauschäden führen. Beispielsweise können durch mangelhaft geplante und nicht fachgerecht ausgeführte Abdichtungsarbeiten erhebliche Durchfeuchteschäden am Bauwerk auftreten, deren Beseitigung empfindliche Kosten verursachen. Beseitigungskosten für rechtzeitig entdeckte Mängel sind deutlich wirtschaftlicher. So stehen den geschätzten Mängelbeseitigungskosten für eine fehlerhafte Wärmedämmung von 2.150 Euro Bauschadenskosten in Höhe von circa 44.075 Euro entgegen. Auch die rechtzeitige Beseitigung eines Mangels einer nicht schallentkoppelten Innentreppe spart Bauschadenskosten in Höhe von 21.500 Euro.

Ähnlich wie bei den Ursachen für gescheiterte Großprojekte sieht die Studie als größte Probleme für das Entstehen von Mängeln auch bei privaten Bauvorhaben die unzureichende Kommunikation der Planer und Bauausführenden, fehlende Kenntnisse der nach den anerkannten Regeln der Technik gebotenen Bauausführung sowie den hohen Kosten- und Zeitdruck in der Baubranche. Neben der Schärfung des Problembewusstseins aller Baubeteiligten und Verbesserung der Kommunikation untereinander empfiehlt die Studie eine bessere Überwachung und Koordination des Bauablaufs.

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