Ist die Situation noch zu retten? Wohnungsbau braucht Booster

Ist die Situation noch zu retten Wohnungsbau braucht Booster
Foto: Roland Riethmüller

Der Wohnungsmarkt steht kurz vor dem Abgrund. Wird jetzt nicht eingegriffen, dann droht dem Wohnungsbau der Absturz. Zwar ist die Situation noch nicht aussichtslos, doch der Staat muss dringend die Fördergelder massiv aufstocken. Nur so können 100.000 Sozialwohnungen jährlich gebaut werden. Ein Mangel an Wohnungen herrscht besonders in den Metropolen. Hier muss im Prinzip jeder Quadratmeter genutzt werden.

Noch ist der Wohnungsbau nicht verloren. Noch ist er einigermaßen gut aufgestellt. Doch ohne eine Aufstockung der Fördergelder können die dringend benötigten 100.000 neuen Sozialwohnungen nicht gebaut werden. Dabei stellt sich die Frage, ob in Deutschland überhaupt noch neue Wohnungen gebaut werden können. „Die heute vorhandenen Kapazitäten reichen, um 400.000 Wohnungen pro Jahr neu zu bauen. Immer vorausgesetzt, dass das Bauen auch möglich ist: ohne lähmende Genehmigungsprozesse, ohne hemmende Vorschriften und Auflagen. Und mit einer funktionierenden Finanzierung, vor allem einer von Bund und Ländern angepassten Förderung“, erklärt Dietmar Walberg, Geschäftsführer der Arbeitsgemeinschaft für zeitgemäßes Bauen.

Klare Forderungen an Bund und Länder

Insgesamt werden die Forderungen an Bund und Länder laut. Der Staat muss die Fördergelder aufstocken. Notwendig bis zum Jahr 2025 sind mindestens 50 Milliarden Euro. Außerdem sind für 60 Wohnungen mit einem Quadratmeterpreis zwischen 8,50 Euro und 12,50 Euro nochmal 22 Milliarden Euro notwendig. Zudem sei es notwendig, den Bauüberhang – also die rund 900.000 zwar genehmigten, aber noch nicht fertig gebauten Wohnungen – ins Visier zu nehmen. Vor allem die 40 Prozent davon, die bislang nur auf dem Papier stehen. „Auf die seit Jahren anhaltend hohe Nachfrage nach Wohnraum haben wir permanent mit Kapazitätsanpassungen reagiert”, erklärt Felix Pakleppa, der Hauptgeschäftsführer des Zentralverbands des Deutschen Baugewerbes (ZDB). “Seit 2010 stellten die baugewerblichen Betriebe mehr als 200.000 Beschäftigte zusätzlich ein. Das ist ein Zuwachs um fast 30 Prozent.” Er betont weiter, dass der Wohnungsbau an einem Wendepunkt stehe. Seit Monaten gäbe es weniger Aufträge. Es kommen auch schon die ersten Meldungen, dass manche Betriebe Kurzarbeit anmelden müssten. Klar sei auch, dass ohne einen Impuls die Baubranche ihre Fachkräfte verliere.

Hohe Stornierungen im Wohnungsbau

Das Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung an der Universität München (Ifo-Istitut) verzeichnet ebenfalls anhaltende Stornierungen am Wohnungsbau. 16 Prozent abgesagter Aufträge melden demnach die Bauunternehmen. Die Situation im Wohnungsbau verschärft sich zusehends. “Infolge der rasant gestiegenen Baukosten und der höheren Finanzierungszinsen rentieren sich viele Wohnungsbauprojekte nicht mehr, werden verschoben oder ganz gestrichen“, sagt ifo-Forscher Felix Leiss. “Das Neugeschäft bricht förmlich ein und die Zukunftssorgen in der Branche sind groß.” Das äußert sich auch in den Ausbildungzahlen. „Nach sechs Jahren in Folge, in denen die deutsche Bauwirtschaft ihre Ausbildungszahlen steigern konnte, sehen wir zum ersten Mal ein Minus von 2,1 Prozent”, erklärt Pakleppa. “Im Bauhandwerk sind es im 1. Lehrjahr gegenüber dem Vorjahr gar 11,3 Prozent weniger Auszubildende“. Es werde also dringend ein positives Signal benötigt.

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