Kein neuer Tarifvertrag im Malerhandwerk: Droht nun Stillstand?

Mit drastischen Folgen für Betriebe und Beschäftigte sind erneut die Tarifverhandlungen im Malerhandwerk gescheitert. Die Fronten verhärten sich zunehmend, während das Handwerk mit unsicheren Zeiten, steigenden Kosten und dem Sanierungsstau konfrontiert ist. Doch ohne neuen Tarifvertrag drohen Lohnstagnation, wegfallender Mindestlohn und ein verschärfter Fachkräftemangel. Um einen Stillstand zu vermeiden, erwägen die Arbeitgeber jetzt eine einseitige Tarifempfehlung zur schnellen Lohnerhöhung.

Die Tarifverhandlungen im Maler- und Lackiererhandwerk sind erneut gescheitert. Damit stehen die rund 115.000 Beschäftigten der Branche weiterhin ohne neue Lohnvereinbarung da. Denn bereits im September 2024 war der bestehende Tarifvertrag im Malerhandwerk ausgelaufen. Nach drei ergebnislosen Verhandlungsrunden gingen beide Seiten in die Schlichtung. Doch auch nach der zweiten Schlichtungsrunde wurde Ende vergangene Woche keine Einigung erzielt. Die Arbeitgeberseite legte zuletzt ein Angebot mit einer Lohnsteigerung von 5,9 Prozent vor. Damit blieb das Angebot jedoch hinter den Forderungen der Arbeitnehmerseite zurück, die ein Lohnplus von 8,0 Prozent verlangte. 

Laufzeitstreit verhindert Lohnplus – Gewerkschaft bleibt kritisch

Laut dem Bundesverband Farbe Gestaltung Bautenschutz (BV Farbe) als Arbeitgebervertreter scheitere ein Kompromiss im Malerhandwerk am Ende trotz weitreichender Zugeständnisse an der Frage weniger Monate der Gesamtlaufzeit. Immerhin hatten die Arbeitgeber angeboten, den Ecklohn bis Mitte 2026 auf 20 Euro zu erhöhen, mit einer vorherigen Anhebung um 2,9 Prozent ab April 2025. Dies hätte für Vollzeitbeschäftigte eine sichere Lohnsteigerung von fast 200 Euro monatlich und kumuliert über 4.359,60 Euro bis zum Jahr 2027 bedeutet – eine Erhöhung, die über der erwarteten Inflation gelegen hätte. Doch dies hält die Industriegewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt (IG Bau) als Arbeitnehmervertretung selbst bei einer niedrig erwarteten Inflationsrate von 2,0 Prozent nicht für einen adäquaten Ausgleich. Zudem würden die Malerinnen und Maler in den ersten sechs Monaten überhaupt keine Erhöhung erhalten. “Auch ohne den jetzt wahrscheinlich kommenden staatlichen Sonderwumms waren und sind die Auftragsbücher im Maler- und Lackierhandwerk schon gut gefüllt, ging der Umsatz in der Branche in den letzten Jahren stetig nach oben”, erklärt IG Bau-Bundesvorsitzender Robert Feiger. “Deshalb hat das Arbeitgeberangebot mit Respekt vor den Beschäftigten in einer Branche, in der nicht gerade Managergehälter gezahlt werden, rein gar nichts zu tun.“

Tarifverhandlungen gescheitert: Folgen für Löhne und Ausbildung

Das Scheitern der Verhandlungen hat weitreichende Folgen. Ohne neuen Tarifvertrag werden die Ausbildungsvergütungen nicht angepasst und der Branchenmindestlohn fällt weg. Neue Arbeitsverträge müssen sich nun am gesetzlichen Mindestlohn von derzeit 12,82 Euro orientieren – ein Rückschritt für die Attraktivität des Berufs. Die Maler- und Lackiererbranche kämpft ohnehin mit vergleichsweise niedrigen Löhnen: Der Durchschnittsverdienst liegt bei 18,87 Euro pro Stunde und bleibt deutlich hinter dem Bauhauptgewerbe zurück, wo durchschnittlich 26 Euro gezahlt werden. Diese Entwicklung könnte das Nachwuchsproblem weiter verschärfen und die Wettbewerbsfähigkeit der Betriebe schwächen. Denn in Anbetracht der gescheiterten Tarifverhandlungen müssen die Beschäftigten in den Malerbetrieben vorerst auf eine Lohnerhöhung verzichten. “Das wäre ein echter Fortschritt gewesen”, betont Markus Heineke, Verhandlungsführer der Arbeitgeber. “Wir wissen selbst am besten, was wir unseren qualifizierten Gesellinnen und Gesellen und den Auszubildenden schuldig sind. Dass ausgerechnet die Gewerkschaft höhere Löhne verhindert, ist zynisch.“ Denn die Arbeitgeberseite sieht sich mit einem schwierigen Marktumfeld konfrontiert. Die Kosten für Material und Betrieb steigen, während öffentliche Fördermittel oft nur schleppend abgerufen werden. Trotz guter Auftragslage stehen viele Betriebe unter Druck. Ein höherer Tarifabschluss könnte für kleinere Unternehmen existenzbedrohend sein. Die IG Bau hingegen argumentiert, dass steigende Löhne notwendig seien, um den Beruf attraktiver zu machen und den Fachkräftemangel zu bekämpfen.

Arbeitgeber lehnen Schlichter ab – Verhandlungen bereits zu fortgeschritten

Den Vorschlag zum Anruf eines neutralen Schlichters zur Vermittlung beider Tarifparteien wurde von den Arbeitgebern abgelehnt. Denn während die Arbeitnehmer scharfe Kritik äußerten, betonten die Arbeitgeber den bereits weit fortgeschrittenen Verhandlungsstand. Demnach hätte die Schlichtung den Prozess neu aufgerollt und erzielte Fortschritte zunichtegemacht. Auch hatten die Arbeitgeber ihr wirtschaftliches Limit bereits erreicht, sodass weitere Zugeständnisse auch durch einen Schlichter nicht möglich gewesen wären.

Einigung nicht in Sicht – Arbeitgeber prüfen Alternativen

Die Verhärtung der Fronten lässt eine baldige Einigung unwahrscheinlich erscheinen. Theoretisch könnte die Schlichtung mit einer weiteren Verhandlungsrunde fortgesetzt werden, doch die Chancen auf eine kurzfristige Lösung sind gering. Die Arbeitgeber erwägen nun eine einseitige Tarifempfehlung für die Betriebe, um zumindest für eine Lohnerhöhung zu sorgen. Ob sich dadurch eine weitere Eskalation vermeiden lässt, bleibt fraglich.

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Was für ein quatsch. 80. % der Malerfirmen sind Kleinunternehmen unter 10 Beschäftigten. Da ist der Lohn frei verhandelbar. Wer mehr will kann zu seinem Chef gehen und fragen. Davon ab die Auftragsbücher sind gut gefüllt? Woher nimmt er die Behauptungen. Das Loch kommt doch erst. Jetzt werden noch Projekte abgearbeitet die schon geplant waren. Dann wurde jetzt fast eineinhalb Jahre nichts geplant. Also meine Jungs haben über 20% mehr bekommen in den letzten 2 Jahren. Die bekomme ich trotzdem kaum rein. Wo sollen denn jetzt noch mal 8% herkommen. Ein Malerbetrieb hat jetzt schon einen Nettostundensatz zwischen 55 und 65 €. Wer soll denn den ganzen kram noch bezahlen bitte.

Ich verstehe nicht warum man nicht ein bisschen mehr Lohn zahlen kann ich arbeite in einem 35 Mann Betrieb Auftragsbücher sind für die nächsten Jahre voll Überstunden werden verlangt 6 Uhr morgens an der Firma sein Arbeitsort meistens 50 km entfernt also 17 Uhr erst wieder zurück bedeutet mehr als 40 Stunden Arbeit aber nur 40 bezahlen Investition für die Firma kein Problem neue Autos Werkzeuge kein Thema aber 8% mehr Lohn für den der die Arbeit macht damit die Firma am Leben bleibt geht nicht.
Das ist für mich absolut unverständlich und grenzt auch an Unverschämtheit hier wäre möglicherweise keine Lohnerhöhung sinnvoll sondern mittlerweile Gewinnbeteiligung am Umsatz notwendig damit Firmeneigner auch mal wieder lernen Geld abzugeben und nicht zu horten

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