KI am Bau: Nur vier Prozent der Baubetriebe nutzen sie

Foto: mstandret / envatoelements

Deutschlands Baubranche droht bei der Digitalisierung weiter zurückzufallen. Ein aktueller Report zeigt, dass bislang nur vier Prozent der Baubetriebe künstliche Intelligenz einsetzen und auch BIM noch längst nicht zum Standard gehört. Dabei könnten beide Technologien angesichts von Fachkräftemangel und Kostendruck erhebliche Effizienzpotenziale erschließen. Für Bauunternehmen und Handwerksbetriebe wächst damit der Druck, digitale Prozesse schneller in den Arbeitsalltag zu integrieren. 

Künstliche Intelligenz (KI) und Building Information Modeling (BIM) versprechen der Bauwirtschaft höhere Produktivität und effizientere Prozesse. Doch zwischen Potenzial und tatsächlichem Einsatz klafft weiterhin eine erhebliche Lücke. Der aktuelle „KI und BIM Report 2026“ des KI-Bausoftware-Startups BauGPT zeigt: Nur vier Prozent der Baubetriebe setzen KI ein, auch BIM ist längst nicht flächendeckend angekommen. Gleichzeitig erhöhen Fachkräftemangel, steigende Kosten und neue Vorgaben den Digitalisierungsdruck. Dabei fehlt es offenbar nicht am grundsätzlichen Interesse. 89 Prozent der Handwerksbetriebe sehen in der Digitalisierung überwiegend eine Chance. Trotzdem bewerten sie ihren eigenen Digitalisierungsgrad lediglich mit der Schulnote 3,0. Besonders deutlich wird der Rückstand bei neueren Technologien: Während digitale Angebote oder elektronische Rechnungen bereits verbreitet sind, bleiben BIM und künstliche Intelligenz in vielen Betrieben außen vor.

KI im Bau bleibt die große Ausnahme

Gerade bei künstlicher Intelligenz zeigt sich der Nachholbedarf. Lediglich vier Prozent der untersuchten Baubetriebe nutzen bereits KI, weitere neun Prozent planen einen zeitnahen Einsatz. Zum Vergleich: Branchenübergreifend verwenden inzwischen 41 Prozent der Unternehmen künstliche Intelligenz. Damit wächst die digitale Kluft zwischen Bauwirtschaft und anderen Wirtschaftszweigen. Dabei gibt es längst konkrete Einsatzmöglichkeiten. KI kann beispielsweise aus zweidimensionalen Plänen 3D-Modelle erzeugen, die Baustellenüberwachung unterstützen oder Qualitäts- und Sicherheitsprüfungen erleichtern. Sprachmodelle können zudem Projektdokumentationen und Korrespondenz strukturieren. Unternehmen, die KI bereits einsetzen, berichten branchenübergreifend häufig von positiven Effekten: 77 Prozent sehen ihre Wettbewerbsposition verbessert, 52 Prozent einen messbaren Beitrag zum Unternehmenserfolg.

BIM senkt Fehlerkosten deutlich

Auch bei Building Information Modeling bleibt viel Potenzial ungenutzt. Erst 18 Prozent der Baufirmen verwenden BIM durchgängig, während sich 63 Prozent bislang kaum oder überhaupt nicht damit beschäftigt haben. Dabei können digitale Gebäudemodelle Mengen- und Kostenermittlungen, Kollisionsprüfungen, Terminplanung und die Koordination verschiedener Gewerke erleichtern. Besonders interessant für Bauunternehmen: Laut BIM-Monitor liegen die durchschnittlichen Fehlerkosten bei BIM-Projekten mit 9,6 Prozent deutlich unter den 22,4 Prozent bei Projekten ohne entsprechenden BIM-Einsatz. Gleichzeitig entwickelt sich BIM zunehmend vom freiwilligen Werkzeug zur Voraussetzung für öffentliche Bauaufträge. Für Verkehrsinfrastrukturprojekte des Bundes ist BIM bereits seit Anfang 2021 verbindlich. Bei Bundesbauten werden die Anforderungen ebenfalls schrittweise ausgeweitet. BIM-Kompetenz wird damit zunehmend auch zu einer Frage des Marktzugangs.

Fachkräftemangel erhöht den Digitalisierungsdruck

Der Handlungsbedarf wächst zusätzlich durch die angespannte Personalsituation. 49 Prozent der Unternehmen in der Bauwirtschaft haben Probleme, offene Stellen zu besetzen, 83 Prozent erwarten künftig negative Folgen des Fachkräftemangels. Digitale Prozesse und KI können fehlende Fachkräfte zwar nicht ersetzen, aber vorhandene Beschäftigte durch effizientere Planung, weniger Nacharbeit und automatisierte Dokumentation entlasten. Als größte Bremsen nennt der Report deshalb weniger die Technologie selbst als die betrieblichen Rahmenbedingungen. 96 Prozent sehen IT-Sicherheit und Datenschutz als Hemmnis, 69 Prozent hohe Investitionskosten und 58 Prozent fehlende Digitalkompetenz. Empfohlen wird daher ein schrittweiser Einstieg mit konkreten Anwendungen. Das beginnt etwa bei Ausschreibungsanalysen, sowie LV-Prüfungen und reicht bis zu Baustellendokumentation oder Korrespondenz. Entscheidend dürfte künftig nicht mehr sein, ob KI und BIM im Bau eingesetzt werden, sondern wie schnell Betriebe daraus produktive Arbeitsprozesse entwickeln.

Verschläft die Baubranche den Einsatz von KI und BIM?

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