Die Klimaanpassung entwickelt sich zu einem milliardenschweren Zukunftsmarkt für die Bauwirtschaft. Städte und Gemeinden würden eine knappe Milliarde Euro in klimaangepasste Infrastruktur, Grünflächen und Freiräume investieren, doch die verfügbaren Bundesmittel reichen bei Weitem nicht aus. Für Bauunternehmen und Handwerksbetriebe entstehen dadurch neue Geschäftschancen bei öffentlichen Bauprojekten rund um Hitzeschutz, Regenwassermanagement und blau-grüne Infrastruktur.
Die Folgen des Klimawandels sorgen zunehmend für veränderte Anforderungen an Städte und Gemeinden. Hitzeperioden, Trockenheit und Starkregen erhöhen den Druck, öffentliche Räume und Infrastrukturen widerstandsfähiger zu gestalten. Entsprechend groß ist das Interesse am Bundesprogramm „Anpassung urbaner und ländlicher Räume an den Klimawandel“. Mit eingereichten Projektvorschlägen im Gesamtwert von 928 Millionen Euro übersteigt der Förderbedarf die verfügbaren Bundesmittel von 80 Millionen Euro um ein Vielfaches. Für Bauunternehmen und Handwerksbetriebe verdeutlicht die hohe Nachfrage das wachsende Potenzial klimaangepasster Bau- und Freiraumprojekte. So gingen insgesamt im Rahmen der fünften Förderrunde 326 Projektskizzen aus Städten und Gemeinden in ganz Deutschland ein. Ziel der Vorhaben ist es, öffentliche Grün- und Freiflächen an die zunehmenden Auswirkungen des Klimawandels anzupassen und gleichzeitig die Aufenthaltsqualität in Kommunen zu verbessern. Neben klassischen Begrünungsmaßnahmen stehen auch Projekte zur Wasserspeicherung, Regenwasserbewirtschaftung sowie zur Aufwertung öffentlicher Plätze und Freiräume im Fokus. Die große Zahl der Anträge zeigt, dass viele Kommunen entsprechende Investitionen bereits vorbereitet haben und nun auf finanzielle Unterstützung des Bundes angewiesen sind.
Förderbedarf zur Klimaanpassung deutlich höher als Budget
Das Bundesprogramm wurde bereits im Jahr 2020 aufgelegt und unterstützt Kommunen dabei, ihre Infrastruktur langfristig widerstandsfähiger gegenüber den Folgen des Klimawandels zu machen. Ein besonderer Schwerpunkt liegt auf der sogenannten blau-grünen Infrastruktur. Gemeint sind Maßnahmen, die Grünflächen, Bäume, Wasserflächen und technische Lösungen intelligent miteinander verbinden, um Hitzeinseln zu reduzieren, Regenwasser besser zurückzuhalten und die Lebensqualität in Städten und ländlichen Regionen nachhaltig zu verbessern. Förderfähig sind sowohl bauliche als auch vegetative Investitionen. Darüber hinaus können vorbereitende Planungen sowie projektbegleitende Maßnahmen unterstützt werden. Damit entstehen vielfältige Möglichkeiten für Unternehmen aus dem Bauhaupt- und Ausbaugewerbe, dem Garten- und Landschaftsbau sowie für Planungsbüros und spezialisierte Handwerksbetriebe.
Kommunen wollen schneller handeln
Bundesbauministerin Verena Hubertz sieht in der hohen Nachfrage ein deutliches Signal und spricht damit gleichzeitig die hohe Belastung für den Alltag während der letzten Hitzeperiode an. „Wenn sich Städte und Gemeinden aufheizen, Schulhöfe und Spielplätze in der prallen Sonne leer bleiben und insbesondere Kinder, Familien und ältere Menschen unter den hohen Temperaturen leiden, wird klar: Klimaanpassung ist keine Zukunftsaufgabe mehr, sie ist jetzt notwendig“, so Hubertz. Das Bundesprogramm unterstütze Städte und Gemeinden dabei, ihre öffentlichen Räume durch mehr Grün und ein besseres Wassermanagement an den Klimawandel anzupassen. Die große Zahl der eingereichten Projekte verdeutliche den hohen Handlungsbedarf und den Willen der Kommunen zu investieren. Jeder Euro, den der Bund dafür bereitstelle, sei deshalb sinnvoll eingesetzt.
Die Frist zur Einreichung der Projektskizzen endete am 3. Juli 2026. Nun prüft das Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR) die eingegangenen Vorschläge fachlich und formal. Anschließend entscheidet der Haushaltsausschuss des Deutschen Bundestages über die Auswahl der geförderten Projekte. Angesichts der vielfach überzeichneten Förderrunde dürfte die Nachfrage nach weiteren Fördermitteln und zusätzlichen Programmen zur Klimaanpassung in den kommenden Jahren weiter steigen.

















