Knappes Baumaterial - Holzindustrie fordert staatliche Eingriffe

News | Frank Kessler | 28.05.2021
Knappes Baumaterial - Holzindustrie fordert staatliche Eingriffe
Foto: Roland Riethmüller

Bei fast allen Baustoffen ist die Materialverfügbarkeit deutlich eingeschränkt. Von den steigenden Rohstoffpreisen sind Kunststoffe, mineralische und metallische Materialien, sowie vor allem Bauholz betroffen. Die Gründe für den Preisanstieg bei Rohholz sind vielschichtig. Neben der gestiegenen Nachfrage im In- und Ausland belastet ein Überangebot an Kalamitätsholz den Preis. Staatliche Eingriffe und gesetzliche Regelungen könnten die Situation entschärfen.

"Holz ist eine klimapolitische Schlüsselressource", mahnt Peter Aicher, Vorsitzender von Holzbau Deutschland, Bund Deutscher Zimmermeister im Zentralverband des Deutschen Baugewerbes (ZDB). “Zum Erreichen der klimapolitischen Ziele ist Deutschland in entscheidender Weise auf die Verfügbarkeit von Schnittholz angewiesen. Und dies zu angemessenen Preisen.” Zurzeit wird das Baumaterial auf den Baustellen knapp. Auf der anderen Seite ist das Aufkommen an Kalamitätsholz stark gestiegen. Dies hat zur Folge, dass die Preise stark steigen. Die Sägeindustrie arbeitet an ihrer Kapazitätsgrenze und kann das Holz nicht schnell genug verarbeiten. "Diese Marktdynamik bringt die Holzbauunternehmen insgesamt in eine schwierige Lage. Insbesondere, wenn Konventionalstrafen durch Nichteinhaltung des Fertigstellungstermins drohen", erklärt Aicher. “Hier würde eine gesetzliche Regelung die Situation entspannen, die unverschuldeten Rohstoffmangel als höhere Gewalt anerkennt.”

Keine weitere Verschärfung vom Baumaterialengpass

“Das Interesse seitens der Politik an der derzeitigen Lage ist ein wichtiges Signal für die Branche”, bestätigt auch Denny Ohnesorge, Hauptgeschäftsführer vom Hauptverband der Deutschen Holzindustrie (HDH). “Ordnungs- und prozesspolitische Eingriffe in Märkte sollten die Ausnahme bleiben und möglichst unerwünschte Nebeneffekte vorher genau abgewogen werden.” Denn die Einführung des Forstschäden-Ausgleichsgesetzes und die daraus resultierende gesetzliche Reduktion des Angebots von Fichtenrohholz kommt zur denkbar unpassendsten Zeit. Schließlich verschärfe sie die aktuelle schwierige Versorgungssituation eher als dass sie sie entspanne. Denn die Nachfrage nach Schnittholz ist höher als das Angebot. Das verlange eine kontinuierliche Versorgung mit dem Rohstoff. Es wird deshalb eine sofortige Aussetzung des Forstschäden-Ausgleichsgesetzes und gesetzliche Regelung zur Vermeidung von Konventionalstrafen gefordert. Ein Unternehmen könne dadurch von einer existenzbedrohenden Konventionalstrafe befreit werden, wenn es die Leistungen wegen der aktuellen Lage nicht erbringen kann.

Holzindustrie fordert Änderung vom neuen Klimaschutzgesetz

Die Holzindustrie regt weitere Lösungen an. Im neuen Klimaschutzgesetz müsse das fehlerhafte Senkungsziel im LULUCF-Sektor korrigiert werden. Danach müsse der Sektor im Jahr 2040 eine Kohlenstoffsenke von 35 Millionen Tonnen sein, was im Vergleich zu heute bedeute, bis zu 55 Millionen Tonnen Treibhausgase einsparen zu müssen. Die Bundesregierung kann wegen der überzogenen Zielvorgaben nur mit großräumigen Flächenstilllegungen kalkulieren. Das allerdings läuft den selbst gesteckten Zielen zuwider. Um die Materialverfügbarkeit zu sichern, sollten Anreize für die aktive Waldbewirtschaftung, eine Waldmehrung und Holzverwendung geschaffen werden.

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