Kollegenhilfe und Rückkehrer - Bauwirtschaft sucht Fachkräfte

News | Frank Kessler | 27.04.2020 Kollegenhilfe und Rückkehrer - Bauwirtschaft sucht Fachkräfte
Foto: Roland Riethmüller

Durch die Corona-Krise sind viele Fachkräfte - auch in der Bauwirtschaft - von Kurzarbeit und Entlassungen betroffen. Gleichzeitig wird auf vielen Baustellen trotz der Pandemie weiter gearbeitet. Während also in einigen Bereichen die wirtschaftliche Perspektive fehlt, herrscht allgemein am Bau immer noch Fachkräftemangel. Daher vereinfacht die Bauwirtschaft die Arbeitnehmerüberlassung über die sogenannte Kollegenhilfe und fördert die Wiedereinstellung von Fachkräften, die zuvor die Baubranche den Rücken zugekehrt hatten.

Branchenübergreifend hat die Corona-Krise viele Unternehmen in eine wirtschaftliche Notlage gebracht. Kurzarbeit, der Abbau von Überstunden und Urlaubstagen sowie Entlassungen werden vielfach als Maßnahmen zur Existenzsicherung eingesetzt. Das betrifft zwar auch die Bauwirtschaft, obwohl auf vielen Baustellen der Betrieb immer noch ganz normal weiter läuft. So zeichnet sich dort oftmals eine ganz andere Situation ab: Denn noch immer sind Fachkräfte im Bauhauptgewerbe sehr begehrt. Daran ändert sich auch in der Corona-Krise so schnell nichts.

In die Bauwirtschaft wechseln, wenn der derzeitige Job unsicher ist

Wenn jedoch an der einen Stelle Fachkräften die wirtschaftliche Perspektive fehlt und gleichzeitig in anderen Bereichen Arbeitskräfte händeringend gesucht werden, dann muss gehandelt werden. So hat die Bauwirtschaft hunderttausende Arbeitnehmer im Fokus, die früher im Bauhauptgewerbe gearbeitet haben und dann in eine anderen Branche gewechselt sind. Sie sind immer noch in der Bauwirtschaft willkommen, denn gelernte Bauarbeiter haben so schnell ihr Handwerk nicht verlernt. “Wer jung am Bau ins Berufsleben eingestiegen ist, der verlernt die Arbeit nicht, auch wenn er der Branche schon vor Jahren den Rücken zugekehrt hat”, bestätigt Robert Feiger, Bundesvorsitzender der Industriegewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt (IG Bau). “Der Wechsel zurück zum Bau ist sicher eine gute Wahl, wenn der aktuelle Job wackelt.”

Durch Kollegenhilfe anderen Betrieben Arbeitnehmer überlassen

Über den Tarifpartner der Bauwirtschaft, die Sozialkassen der Bauwirtschaft (SOKA-Bau), können Fachkräfte gebunden und der Arbeitsmarkt stabilisiert werden. Denn SOKA-Bau möchte unterstützend eingreifen und somit Entlassungen oder Kurzarbeit verhindern. Dazu bietet SOKA-Bau eigens eine brancheneigene Jobbörse bau-stellen.de zur Vermittlung von Arbeitskräften an. Bauunternehmen können dort kostenlos Stellenanzeigen schalten. Denn wenn Mitarbeiter nicht weiter beschäftigt werden können, dürfen diese kurzfristig an andere Bauunternehmen überlassen werden. Besonders in Krisenzeiten schafft der brancheninterne Verleih von Arbeitskräften, die sogenannten Kollegenhilfe, eine große Flexibilität. Damit ist ein problemloser Austausch der Arbeitskräfte möglich, ohne den Schutz der Arbeitnehmerrechte anzugreifen und das grundsätzliche Verbot von Leiharbeit am Bau aufzuweichen.

Bedingungen für legale Arbeitnehmerüberlassungen

Bei einer legalen Arbeitnehmerüberlassungen dürfen Betriebe ihre Arbeitnehmer dann verleihen, wenn sowohl der verleihende als auch der aufnehmende Betrieb seit mindestens drei Jahren dem gleichen Rahmen- oder Sozialkassentarifvertrag unterliegen. Zusätzlich muss eine Verleiherlaubnis der Agentur für Arbeit vorliegen, wenn der verleihende Baubetrieb weniger als 50 Beschäftigte hat und durch den maximal zwölfmonatigen Verleih Entlassungen oder Kurzarbeit vermieden werden soll.

Geltendmachen von Forderungen wird ebenfalls ausgesetzt

Doch die SOKA-Bau hilft noch durch weitere Maßnahmen: Für die Monate März bis Mai 2020 wird SOKA-Bau keine Verzugszinsen berechnen und Forderungen nicht gerichtlich geltend machen. Das gilt zunächst bis zum 31.5.2020. Außerdem bietet SOKA-Bau Webinare zu den tariflichen Sozialkassenverfahren und zu weiteren Branchen für das Baugewerbe an. Darüber hinaus wird der gewohnte Service weitergehen. Die Jobchancen im Baugewerbe stehen trotz der Krise auch weiterhin gut. Um Entlassungen oder Kurzarbeit vorzubeugen, ist das System von SOKA-Bau bestens zu empfehlen. Betriebe, die dringend auf Fachkräfte angewiesen sind, können so für einen vorübergehenden Zeitraum auf Mitarbeiter hoffen. Ferner bleiben den Fachkräften somit Kündigungen und Kurzarbeit erspart.

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