Kostendebatte im Wohnungsbau falsch geführt

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Foto: Roland Riethmüller

Die Freien Demokraten versuchen mit einem Antrag im Bundestag, eine Entbürokratisierung des Wohnungsbaus zu erreichen. Durch eine Aussetzung der Energieeinsparverordnung sollen demnach weitere Kostensteigerungen eingedämmt werden. Denn bürokratische Vorgaben, technische Regelwerke und Kosten für technische Gebäudeausrüstung seien demnach am stärksten für die hohen Baukosten verantwortlich. Doch der Antrag stößt auf deutliche Kritik.

Der Verein Deutscher Ingenieure (VDI) kritisiert den jüngsten Antrag der Freien Demokratischen Partei (FDP), die Energieeinsparverordnung auszusetzen, um weitere Kostensteigerung im Wohnungsbau zu vermeiden. So sei der Sachverhalt in vielen Punkten falsch dargestellt. Zwar räumte der VDI ein, dass es tatsächlich in den Ballungsgebieten einen Mangel an bezahlbarem Wohnraum gebe. Die Gründe für die hohen Mietkosten seien jedoch andere, als von der FDP dargestellt. So sei in den letzten Jahren die Gewerbesteuer angestiegen, ebenso wie die Preise der verfügbaren Grundstücke. Hinzu komme, dass die Bebauungsvorgaben der Kommunen die Baukosten ebenso in die Höhe treiben. Entgegen der Meinung der FDP sieht der VDI die technischen Regelwerke, Standardisierungen, sowie die verschiedensten Richtlinien und Normen nicht als Kostentreiber. Der VDI ist sogar der Meinung, dass eine Standardisierung eine Vereinfachung bietet und damit eher die Kosten senke, als in die Höhe zu treiben. Thomas Terhorst, der Geschäftsführer der VDI (Gesellschaft Bauen und Gebäudetechnik) weist zudem darauf hin, dass im Baubereich eine Produktnormung von besonderer Wichtigkeit sei.

Wohnungsbau profitiert von gesunkenen Energiekosten

In den letzten Jahren wurden die Energiekosten der Bewohner von modernen Häusern deutlich gesenkt, weil schon beim Bau der Gebäude viel höhere Anforderungen an die Wärmedämmung und den Schallschutz gestellt wurden. Dadurch konnte der Energieverbrauch erheblich gesenkt werden, was bei der Höhe der Energiekosten spürbar wurde. Die baulichen Maßnahmen haben noch den Nebeneffekt, dass der Wohnkomfort ebenfalls gesteigert wurde. Die positive Entwicklung beim Wohnungsbau wurde erst durch neue Standards und technische Regeln ermöglicht, die nun von der FDP kritisiert werden. Terhorst gibt zu, dass die höheren Anforderungen an den Schallschutz und der Wärmedämmung zu Preissteigerungen beim Wohnungsbau geführt haben, eine Kostendebatte darüber allerdings „stark überzogen“ wäre, zumal Einsparungen bei den Energiekosten erreicht wurden.

Gesunkene Energiekosten decken Mehrkosten für Wärmedämmung

Ebenso widerspricht Terhorst der FDP bei der Kostenaufstellung, die für die Umsetzung der Energieeinsparverordnung (EnEV) gemacht wurde. Er beruft sich auf eine Studie des Institut für technische Gebäudeausrüstung (iTG Dresden), wonach die Energieeinsparverordnung (inklusive der Anhebung 2016) lediglich für Mehrkosten von drei Prozent der Gestehungskosten von einem Mehrfamilienhaus verantwortlich sei. Der Klimaschutz, der durch die Energieeinsparverordnung unterstützt wird, ist daher kaum mit Mehrkosten verbunden. Die zusätzlichen Baukosten amortisieren sich jedoch schnell durch die Energieeinsparverordnung, wenn nämlich geringere Verbrauchskosten im Energiebereich anfallen. Die energetische Verbesserung beim Gebäudebestand ist zwingend erforderlich, wenn die Klimaschutzziele erreicht werden sollen. Jährlich wird nur maximal ein Prozent des Gebäudebestands neu errichtet, daher sollten im Zuge der Energiewende keine Kompromisse eingegangen werden. Immerhin sind die modernen energetischen Standards auch noch in vielen Jahrzehnten bei den nachfolgenden Generationen von Vorteil.

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