Kritik an Serieller Sanierung - Bauhandwerk nur noch Schrauber

News | Frank Kessler | 12.02.2021
Kritik an Serieller Sanierung - Bauhandwerk nur noch Schrauber
Foto: Roland Riethmüller

Das Bundeswirtschaftsministerium hat den Entwurf einer Richtlinie zur Bundesförderung Serielle Sanierung vorgelegt. Das Bauhandwerk kritisiert seine darin untergeordnete Rolle. Denn die gegenwärtige Fassung berücksichtigt zu stark die Industrie und degradiert das Handwerk zum montierenden Gehilfen für die Industrie. Außerdem sollte die Förderung auch die unterschiedlichen Betriebsgrößen berücksichtigen, denn ein großer Teil der Betriebe hat weniger als zehn Mitarbeiter.

Der neue Entwurf zur Bundesförderung Serielle Sanierung erhitzt die Gemüter. "Das Handwerk findet darin lediglich Platz als ‘montierender Erfüllungsgehilfe’ der Industrie”, kritisiert Holger Schwannecke, Generalsekretär des Zentralverbandes des Deutschen Handwerks (ZDH), anlässlich der laufenden schriftlichen Anhörung. “Das wird der Bedeutung des Handwerks für eine erfolgreiche energetische Sanierung des Gebäudebestandes nicht gerecht". Weiter betont er, dass dadurch Potenzial verschenkt wird. Im Grundsatz wird die Förderrichtlinie begrüßt, doch sie müsse weiterentwickelt und inhaltlich überarbeitet werden.

Bauhandwerk unterstützt über die gesamte Wertschöpfungskette

Als Träger der Energiewende fördert das Bauhandwerk innovative Lösungen in energetisch sanierten Gebäuden und steigert mit seinen Dienstleistungen im Bereich Planung, Wartung und Ausführung den Klimaschutz im Gebäudesektor. Wer erfolgreich Lösungsangebote im Bausektor entwickeln möchte, muss das Handwerk in der gesamten Wertschöpfungskette einbinden. Besonders die Einrichtungen der Handwerksorganisationen, wie zum Beispiel die Innungen, die Handwerkskammern, die Verbände und die angeschlossenen Bildungs- und Forschungseinrichtungen müssten in den Kreis der Antragsberechtigten mit aufgenommen werden.

Berücksichtigung unterschiedlicher Betriebsgrößen für Serielle Sanierung

Angeraten wurde ebenfalls, dass die Förderung Rücksicht auf die unterschiedlichen Betriebsgrößen nimmt. Ein großer Teil der Handwerksbetriebe beschäftigt schließlich weniger als zehn Mitarbeiter. Auch diese kleinen Unternehmen sollten von der Förderrichtlinie berücksichtigt und angemessen unterstützt werden. Nur so könne der Betriebsstruktur im Handwerk Rechnung getragen werden.

Es gäbe aber auch bei der Stringenz der Richtlinie ein gewisses Verbesserungspotenzial. Die technischen Details, wie sie bereits in der Förderrichtlinie erwähnt werden, sollten in den zur Richtlinie gehörenden Merkblätter mit aufgeführt werden. Dazu gehört zum Beispiel die Integration von PV-Modulen in Dachelementen. Während des laufenden Förderungsprogramms könnten die Merkblätter entsprechend den neuesten Erkenntnissen angepasst werden.

Serielle Sanierung sollte im Bauhandwerk gefördert werden

Außerdem sollte die serielle Sanierung selbst gefördert werden, sofern sie durch KMU ausgeführt wird. Somit könnte die Bundesförderung tatsächlich den kompletten Prozess der Markteinführung unterstützen. Dazu ist es aber notwendig, dass das Handwerk stärker mit eingebunden wird.

Aktuelle Kommentare zum Beitrag.
  (Geschrieben von Wolfgang Zirkel am 15.02.2021 )

Frau und Herr, ich habe Interesse.VG. Wolfgang Zirkel  PHIPS eK 

  (Geschrieben von Dipl. Ing. Alf… am 15.02.2021 )

Trotz regelmäßiger Lektüre einschlägiger Fachzeitschriften ist mir als Inhaber eines Architekturbüros mit Schwerpunkt im Bereich Umbau und Sanierung diese Themensetzung in diesem Bereich und seitens des Ministeriums unbekannt. Ich vermisse an dieser Stelle die Einbindung der letztendlich für die praktische Umsetzung "systemrelevanten" Bereiche Architektenschaft  und, zu Recht, das Handwerk. Aufgrund fehlender Informationen darüber, was mit seriell an dieser Stelle gemeint sein soll, kann ich aber nur mein Befremden über eine derartige Regelung ausdrücken, weil es diametral unseren Erfahrungen im Sanierungsbereich entgegensteht. Gerade hier sind gut geplante individuelle Lösungen in Verbindung mit handwerklichem Können gefragt. Viel zu oft schon haben sich vorgefertigte Lösungen aufgrund fehlender Anpassungsfähigkeit und ungeeigneter Materialität im Nachhinein als falsch und damit teuer erwiesen. Unklar ist mir auch, was eine solcher "Richtlinie" bewirken soll, wenn es darum geht Sanierung zu forcieren, außer bestimmte "zugelassene" Systeme (und um nichts anderes kann es sich ja handeln) zu protegieren. Woher der Vorstoß kommt kann dann nur vermutet werden. Aber wie gesagt: Mehr Information an dieser Stelle wäre wünschenswert.

  (Geschrieben von Dirk Schmidt am 15.02.2021 )

Da sind sie wieder die 3 Probleme:

1.) Angebliche Fachleute und Speziallisten mit besonderer Fähigkeit. Man frage sich aber, wieso kann ein beamteter Pädagoge mit Zulassung im Schulamt, ein mittelmäßiger Jurist oder eine mit Doppelnamen anzusprechende Soziologin in den Ministerinnen auf einmal den Stein der Weisen gefunden haben. Ich bin oft im Bundestag und in Ministerien gewesen und ich muss zu meinem Bedauern feststellen, dass ich beim Übertreten der Türschwelle nie den Geist des Wissens habe über mich kommen sehen! Meine Damen und Herren, auch die, die so einen Unsinn formulieren, sind genau die, die sie waren, bevor Sie in Ämter gewählt wurden, in denen Sie sich jetzt wiederfinden. Es ist bedauerlich, dass solch ein Quatsch diskutiert werden muss, nur weil man anscheinend kein Fachpersonal rekrutiert und die Politik mit der 2. und 3. Garde herumwuselt.

 

2.) Auch die Interessenvertreter der Handwerkszunft sollten sich fragen, ob sie sich noch im Spiegel ansehen können. Das Handwerk als die wohl größte Wirtschaftsorganisation strauchelt bei allen Themen, die das Handwerk betreffen, hinterher. Sei es 2002 mit der Novellierung der Handwerksordnung unter Rot/Grün, der versäumten Energiepolitik, etc. Die Geschäftsführer und Präsidenten der Kammern, einschließlich ihrer Garde aus den Innungen sollten sich fragen, für wen sie einstehen sollen und mit welchem Mandat sie ausgestattet sind. Sie sollen die Interessen der zig Tausend Handwerker repräsentieren und die Handwerksbetriebe vor dem Unsinn, der zur Zeit immer mehr Kreise zieht, bewahren. Für mein Verständnis ist das Vertreten von Interessen weit vor eine geplante Verordnung zu stellen. Man fragt sich, warum diese Organisationen nicht vor der Veröffentlichungen durch Ministerien und andere gesetzgebende Institutionen ihre Bedenken veröffentlichen. So hätte man als geneigter Leser wenigsten einmal den Eindruck gehabt, dass das Handwerk über seine Verbände und Kammern auf der Höhe der Zeit, ja sogar vor der Zeit ist. Aber auch hier gilt im Zusammenhang mit dem Personal das selbe wie unter Punkt 1.) beschrieben. Diese Damen und Herren passen sich an wie ein Chamäleon. 

 

3.) Zuletzt müssen aber auch die Handwerker wieder mit Innovationen glänzen. Ich weiß, dass viele das auch können. Dazu gehört aber auch, dass der Schuster bei seinen Leisten bleiben muss. Wer sich im Klein-Klein verfängt, sich für einen Juristen hält und keine Verantwortung übernehmen will, verliert die Zeit, um einmalige Ergebnisse zu erzielen.

Ein Gebäude ist ein Projekt und keine Plattform für serielle Sanierungen, wer dass meint, ist ein Illusionist, der nicht weiss, wie eine Wertschöpfung unter volkswirtschaftlichen Gesichtspunkten funktioniert. 

  (Geschrieben von Anke Schellenb… am 19.02.2021 )

Serielles Sanieren wird natürlich nie beim Architekten-Einfamilienhaus das Mittel der Wahl sein – hier hat das Handwerk noch ein genügend großes Spielfeld, da die Sanierungsrate sinnvollerweise mehr als verdoppelt werden sollte. Es gelingt potentiellen Kunden oftmals nicht, qualifizierte Handwerker für ihr Vorhaben zu finden. Der Fachhandwerkermangel ist ja gerade der Hauptgrund, warum wir auch in Deutschland zukünftig – wo möglich – auf serielles Sanieren setzen müssen. Es geht nicht um Entweder-Oder, sondern um die beste Lösung für jedes Gebäude. Und da muss sich nicht jeder kleine Handwerksbetrieb an vielen gleichen Wohneinheiten unnötig aufreiben und abarbeiten, oder?

Vorrangig geht es um Mehrfamilienhäuser der 1950er- bis 70er-Jahre https://www.daserste.de/information/wissen-kultur/w-wie-wissen/videos/daemmung-video-102.html und wir sollten uns sputen, jetzt auch Erfahrungen im seriellen Sanieren zu sammeln – das ist der Hintergrund der Förderprogramme.

Wir stellen diese Frage, um automatisierten Spam zu verhindern.

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