Lieferverzögerungen und hohe Baumaterialpreise belasten den Bau

News | Frank Kessler | 30.09.2021
Lieferverzögerungen und hohe Baumaterialpreise belasten den Bau
Foto: Roland Riethmüller

Auch die elektrohandwerklichen Betriebe müssen seit Frühjahr wegen Lieferverzögerungen ihre Aufträge verschieben oder absagen. Ein weiterer Grund sind die gestiegenen Baumaterialpreise. Das ergab die Herbst-Umfrage im Elektrohandwerk. Besonders die Produkte wie Kabel, Leitungen und Elektrogeräte sind von den Lieferengpässen betroffen. Ein Teil der Elektrogeräte konnte überhaupt nicht beschafft werden. Manche Betriebe haben dadurch einen erheblichen wirtschaftlichen Schaden erlitten.

Fast jedes Unternehmen ist von den aktuellen Lieferengpässen und Preissteigerungen betroffen. Seit dem Frühjahr mussten deshalb Aufträge verschoben oder zum Teil ganz abgesagt werden. Das ergab eine im September durchgeführte Umfrage vom Zentralverband der Deutschen Elektro- und Informationstechnischen Handwerke (ZVEH). Obwohl die Corona-Krise noch nicht beendet ist, haben die E-Handwerke wieder das hohe Niveau vom Geschäftsklimaindex der Vor-Corona-Zeit erreicht. Trotzdem mussten die E-Handwerke Aufträge verschieben oder absagen. Der Grund sind Engpässe im Bereich Mikrochip, Kunststoff sowie Kupfer, Aluminium und Holz. Die Preissteigerungen waren zum Teil sehr drastisch. Mitte 2020 kostete ein Mikrochip noch einen Dollar. Mittlerweile liegt der Preis bei 50 Dollar und diese Preiserhöhung kann noch nicht einmal an den Kunden weitergegeben werden.

Außergewöhnliche Lieferengpässe

Über außergewöhnliche Lieferengpässe klagen 94,9 Prozent der Befragten. 90,8 Prozent berichten von drastisch gestiegenen Preisen und 74,2 Prozent bemängeln, dass sie auf absehbare Zeit nicht an Produkte herankommen. Die Umfrage ergab, dass sich die Situation auf 33 Prozent der Aufträge auswirke. Besonders lange Wartezeiten gibt es demnach bei den Elektrogeräten. Die Wartezeiten liegen bei rund 8,4 Wochen und belegen damit den Spitzenplatz gefolgt von erneuerbare Energien mit 7,9 Wochen. Lieferverzögerungen von rund 4,2 Wochen entstehen bei Licht und Beleuchtung sowie bei Produkten für die Gebäudeautomation. Ein gemischtes Bild gibt es bei der Frage, wie hoch der dadurch entstandene Schaden durch die gestiegenen Baumaterialpreise ist. 11,3 Prozent berichten von einem erheblichen Schaden, 40,3 Prozent der Betriebe waren nur teilweise betroffen. Dass der Anteil nicht höher ist, liegt an dem großen Auftragspolster. Die Elektro-Betriebe kompensieren die Lieferschwierigkeiten durch die flexible Handhabung der Aufträge. Wo es möglich ist, werden Aufträge vorgezogen.

Hoher Preisanstieg bei Leitungen und Kabeln

Besonders hoch sind die Baumaterialpreise bei Kabeln und Leitungen. Rund 40,7 Prozent aller Aufträge sind davon betroffen. Die Preiserhöhungen liegen bei rund 30,6 Prozent. Der Preisanstieg bei erneuerbaren Energien beträgt 13,5 Prozent. Im Bereich der Gebäudeautomation sind die Preise um 13,4 Prozent und im Bereich Sicherheitstechnik um 13,3 Prozent gestiegen. Elektrogeräte haben sich um 9,9 Prozent verteuert. Problematisch sind die Preissteigerungen, weil die Betriebe diese nicht an den Kunden weitergeben können. Der ZVEH sieht deshalb die Politik in der Pflicht. Ein Mittel wäre die Aussetzung von Vertragsstrafen bei öffentlichen Auftraggebern. Die Lieferverzögerungen liegen an mehreren Faktoren. Es kann deshalb nicht sein, dass die elektrohandwerklichen Betriebe aufgrund der gestiegenen Baumaterialpreise und der Lieferverzögerungen allein auf den Kosten sitzenbleiben.

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