Lösung für teures Baumaterial - Bund prüft Preisgleitklausel

News | Frank Kessler | 03.06.2021
Lösung für teures Baumaterial - Bund prüft Preisgleitklausel
Foto: Roland Riethmüller

Die Preise für Baumaterial steigen immer weiter. Das stellt die Bauunternehmen vor große Herausforderungen, weil sie zu wesentlich höheren Preisen als ursprünglich kalkuliert einkaufen müssen. Gegenüber den Bauherren sind sie aber an die zuvor vertraglich vereinbarten Preise gebunden. In jedem neuen Vergabeverfahren vom Bund soll nun geprüft werden, ob die Voraussetzungen für eine Preisgleitklausel vorliegen. Diese soll es den Bauunternehmen ermöglichen, einen Teil der gestiegenen Kosten an die Bauherren weiterzugeben.

Weil die Preise für Baumaterial in den letzten Monaten enorm gestiegen sind und aktuell kein Ende in Sicht ist, hat die Bundesvereinigung Mittelständischer Bauunternehmen (BVMB) zusammen mit weiteren Spitzenverbänden bei den Ministerien eine sogenannte Preisgleitklausel gefordert. Diese soll den Bauunternehmen ermöglichen, einen Teil der Kosten an die Bauherren weiterzugeben. Erfreulicherweise kam nun eine positive Antwort aus dem Bundesministerium des Innern, für Bau und Heimat (BMI). Bei jedem neuen Vergabeverfahren des Bundesministeriums wird in Zukunft geprüft, ob die Voraussetzungen für eine Vereinbarung von Stoffpreisgleitklauseln vorliegen. Das teilte das Ministerium offiziell mit. Wenn in den Preisindizes des Statistischen Bundesamtes hohe Sprünge im Monat zu verzeichnen sind, dann liegen die Voraussetzungen für eine Vereinbarung von Stoffpreisgleitklauseln vor. Die Bauunternehmen haben so die Möglichkeit, nach einem festgelegten Schema die gestiegenen Preise teilweise an die Auftraggeber durchzustellen.

Faire Lösung durch die Preisgleitklausel

"Das ist grundsätzlich eine faire Lösung", kommentiert BVMB-Geschäftsführer Recht Dirk Stauf  die Entwicklung in Richtung Preisgleitklausel. So könne erreicht werden, dass bei dieser Kostenexplosion die Bauunternehmen nicht einseitig auf den Kosten sitzen bleiben. "Sie können das weder realistisch kalkulieren und abschätzen, noch können sie etwas dafür und wären andernfalls doch der Sündenbock", beklagt Stauf und erwartet, dass auch weitere öffentliche Auftraggeber sowie die Länder und Kommunen diesem Beispiel folgen. Weiterhin betont Stauf, dass auch im Verkehrsbereich mit einer gleichlautenden Regel zu rechnen sein müsste.

Lieferengpass darf keine Strafzahlungen verursachen

Unterstützung brauche die Bauwirtschaft aber auch beim Thema Bauzeit. Zurzeit sei es schwer, an das auf den Baustellen so dringend benötigte Baumaterial zu kommen. Diese Risiken sollten Auftraggeber und Auftragnehmer fair aufteilen. Stauf appelliert daher an die öffentlichen Auftraggeber, das Risiko nicht allein die Baufirmen tragen zu lassen. Schließlich müssten sie allein Verzögerungsschäden zahlen, obwohl sie dafür nicht verantwortlich seien.

Aktuelle Kommentare zum Beitrag.
  (Geschrieben von S.P. am 04.06.2021 )

Es stellt sich automatisch die Frage, wo das Problem bei der öffentlichen Hand ist, dass dies so "abgefeiert" wird.

Was bleibt, ist die weitaus größere Zahl ungeklärter Regelungen für die Verträge und Firmen, die sich nicht dem Preisdumping der öffentlichen Hand unterwerfen können bzw. wollen. 

  (Geschrieben von Christian Schneider am 04.06.2021 )

Auf der anderen Seite:

die Unternehmen haben sich in den letzten Jahren so ziemlich dumm und dämlich verdient, und sicher in nicht unerheblichem Umfang auf Kosten der Kunden, weil es der Markt einfach bis heute hergibt und sie es somit konnten. 

wieso sollte jetzt wieder der Staat direkt eingreifen? Verstehe ich nicht 

  (Geschrieben von Dr.-Ing Peter … am 04.06.2021 )

Das Thema Preisgleitklauseln wird einseitig aus der Sicht der Auftragnehmer beleuchtet. Die Frage ist doch, wie verhält sich der Bauherr. Der öffentliche Bauherr wird die Kostensteigerungen an den Steuerzahler weiterreichen. Der private Bauherr wird sein Bauvorhaben einstellen und gar nicht mehr bauen, da jede Wirtschaftlichkeitsberechnung ad adsurdum geführt wird. Aus rechtlicher Sicht dürfte eine Klagewelle zu erwarten sein.

  (Geschrieben von Simi am 04.06.2021 )

Aus Sicht der Bauunternehmen ist das nachvollziehbar. Bei den üblichen Zuschlagsfristen von mehreren Wochen auf Angebote und den Preisexplosionen, die kaum vorhersagbar sind bei bestimmten Materialien, gehen die Unternehmen ein großes Risiko ein.

Die Preisgleitklausel verschiebt das Risiko allerdings 1:1 auf den Bauherren. Fair ist das dann auch nicht. Zumal ich mir nicht vorstellen kann, dass ein Bauunternehmen auf den Bauherren zugeht und ihm einen Rabatt gewährt, wenn der Rohstoffmarkt sich wieder entspannt.

Bei Anwendung der Preisgleitklausel sollte der Anbieter in jedem Fall in der Nachweispflicht sein und die Mehrkosten transparent begründen müssen. Bei der Bauzeit sehe ich das ähnlich. Die Pandemie darf kein Freifahrtschein für eine Bauzeitüberschreitung sein.

  (Geschrieben von Elektriker am 04.06.2021 )

Was man nicht hat kann man nicht anbieten. Ganz einfach. Der Rest nennt sich unternehmerisches Risiko.

  (Geschrieben von sc am 04.06.2021 )

Eine Preisgleitklausel dient zum fairen, risikogeteilten, vorab der Leistungserstellung geklärten, Umgang mit gravierenden Preisänderungen.

Diese können, so unser aller Hoffnung, sich auch nach unten korrigierend auswirken und sind anhand des Indexes auch rückwirkend nachvollziehbar.

  (Geschrieben von Architekt am 04.06.2021 )

Ich bin der Meinung, dass mit Auftragserteilung das Kostenrisiko auch beim Unternehemr liegen sollte. Ab diesem Datum hat der Unternehmer die Möglichkeit das Material zum angegebenen Preis zu bestellen und einzulagern. Wenn er dann wartet und darauf spekuliert, dass er günstiger ans Material kommt, ist das sein Risiko. Der Unternehmer erstattet schließlich auch dem Bauherren kein Geld, wenn das Material billiger wird, oder?
Wenn ich jetzt weiterdenke: Bisher ist es schon so, dass meine Privatkunden ggf. bei Auftragserteilung an eine Baufirma mehr zahlen müssen als im Angebot angegeben, weil die Kosten z.B. für Holz gestiegen sind. Nach Vertragsabschluss sind die Preise jedoch festgeschrieben. Hier bin ich der Meinung, dass dies auch so bleiben sollte und dass nicht nur die Lobby der Bauwirtschaft die Politik beeinflussen sollte.
Dann eine ehrliche Gleitklausel wie bereits erwähnt und auch die Einsparung beim Materialeinkauf abgeben. Aber will das die (Bau-)Wirtschaft auch?

  (Geschrieben von Bauleiterin Gr… am 04.06.2021 )

An den Kommentaren ist ganz gut zu sehn, dass viele wenig Ahnung von der Branche haben und das Image schlecht ist. 

Schaut euch doch die Bilanzen der großen Baukonzerne an und ihr werdet sehen mit Bauen wird dort kaum Geld gemacht, häufig sogar 0 bzw. viele Konzerne mussten in den letzten Jahren größere Abschreibungen von Minus-Geschäften machen. Die Konzerne verdienen meist mehr mit Facility Management oder mit Immobilien Entwicklung. 

Und entgegen dem Kommentar des Herrn Architekten geht die Preisgleitklausel auch in die andere Richtung. Geht die Preisentwicklung in die andere Richtung profitiert der Bauherr. 

Und die Herren die der Meinung sind, man kann das Material einlagern, soll mir mal erklären wie man Material für Bauprojekte die über 3-8 Jahre gehen einlagern soll und wer das dann bezahlen soll? Projekte der öffentliche Hand sind nämlich selten Kurzläufer und Lagerflächen sind teuer.

Und bevor die Herren hier alle raus posaunen "Die Baufirmen verdienen alle genug Geld" oder "Die haben sich die letzten Jahre die Taschen voll gesteckt" Sollen sie mal vor Tür schauen was da für ein Auto steht oder was sie für ein Handy in der Hosentasche haben. Auf diesen Produkten sind deutlich höhere Gewinnmargen als auf einem Bauprojekt! Und da höre ich selten jemand heulen! Nein der Autoindustrie blasen wir sogar schön das Geld in den Arsch.

 

 

  (Geschrieben von Elja Röllinghoff am 04.06.2021 )

Es wird nicht anders gehen als eine faire Materialgleitklausel zu ermöglichen . Ohne diese werden die Unternehmen mit hohen Sicherheitzuschlägen kalkulieren . Zudem kommen die Unternehmen immer wieder in die Lage unbeliebte Aufträge zu kündigen als Folge von Bauzeitverschiebungen . 
Davon hat der Bauherr auch nichts er muss dann neu ausschreiben was zu weiteren Verzögerungen führt und schlimmstenfalls zu weiteren Kündigungen anderer Gewerke ! 

  (Geschrieben von Ml am 06.06.2021 )

Das Handwerk verdient sich seit Jahren einen goldenen Arsch. Man braucht sich nur die Firmenfahrzeuge angucken. 

Was dem Handel zuschaffen macht, sind aktuell die langen Preisbindungen (teils ein Jahr), die ohbe Unterstützung der Industrie gar nich zu stemmen sind. Und im Moment hält sich die Industrie, was Preisbindungen angeht aufgrund der Marktsituation sehr zurück.

 

Der Handel steht hier eher am Ende der Nahrungskette.

  (Geschrieben von RA Bauleiter am 07.06.2021 )

Wer glaubt dass man als deutsche Firma am Bau noch viel Geld verdienen kann der hat keine Ahnung von was er spricht.

Und die grossen Autos sind nur geleast. 

Zudem haben unsere Konkurrenten aus Albanien,Kosovo  und der Türkei sowie die Osteuropäer  den Markt fest im Griff da diese keine Tariflöhne Zahlen wenn sie Leute aus der Heimat holen.Zudem fahren diese Leute Autos die sich ein Deutscher Handwerker nicht leisten kann.

immer wieder kann man davon lesen was diese Baumafia unserer Sozialkasse an Beiträge unterschlägt. 

Aufträge werden an deutsche Firmen nicht vergeben da wir o Ton im Schnitt                20 % -25 % zu teuer wären. komisch wenn man weiss dass man gerade mal 11-15 % auf die Fixkosten drauf gerechnet hat.

Die wahren Grossverdiener sind die immobilienentwickler die zum Festpreis die Aufträge an Generalunternehmer vergeben und am Ende das doppelte bis 3 fache für ihre Immobilien bekommen was sie dafür bezahlt haben.

So läuft der Markt und wenn dann noch mit Baustoffen spekuliert wird dann kommen plötzlich 3 bis 4 mal so hohe Einkaufspreise zustande.

 

 

 

  (Geschrieben von Hermann W. am 14.06.2021 )

Hier wird tatsächlich von Leuten kommentiert, die es immer wieder trefflich unter Beweis stellen, dass sie kaufmännisch viel Luft nach oben haben.

Missgunst und Neid sind schlechte Wegbegleiter, passen aber immer wieder gut zum eigenen verpassten Erfolg! 

Wir stellen diese Frage, um automatisierten Spam zu verhindern.

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