Lohnausgleichskasse schützt Dachdecker seit 50 Jahren

News | Roland Riethmüller | 08.11.2010
Bild zu: Lohnausgleichskasse schützt Dachdecker seit 50 Jahren
ZDB

Da bei Minusgraden Arbeiten auf Dächern unmöglich sind, wurden früher Dachdecker üblicherweise im Winter entlassen. Den Betrieben war eine Fortbeschäftigung oft finanziell nicht möglich. Erst die Gründung der Lohnausgleichskasse für das Dachdeckerhandwerk vor 50 Jahren schuf eine Sozialpartnerschaft zwischen Arbeitergebern und Arbeitnehmern und gleichzeitig ein weltweit bewundertes Instrumentarium, Mitarbeiter trotz widriger Wetterbedingungen weiter zu beschäftigen.

Mit einem Festakt in Wiesbaden wurde am vergangenen Donnerstag die Gründung der Lohnausgleichskasse für das Dachdeckerhandwerk (LAK) vor 50 Jahren gefeiert. Die Tarifvertragspartner Industriegewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt (IGBAU) und der Zentralverband des Deutschen Dachdeckerhandwerks (ZVDH) erinnerten dabei an die Notwendigkeit der allgemeinverbindlichen Tarifverträge. Sie stellen sicher, dass alle Dachdeckerbetriebe und deren Mitarbeiter sich an der LAK beteiligen. „Ohne die Beteiligung aller bricht das System zusammen“, erklärt IGBAU-Vize Dietmar Schäfers den Sozialpakt und ZVDH-Präsident Karl-Heinz Schneider ergänzt, dass nur so die gleichen Bedingungen für alle Betriebe und alle gewerblichen Arbeitnehmer gewährleistet seien.

Das Ziel der Lohnausgleichskasse besteht darin, den besonderen Belastungen der Branche Rechnung zu tragen und branchenspezifische Nachteile wie zum Beispiel durch die Witterung auszugleichen. Denn früher war es auf Baustellen noch üblich, Dachdecker im Winter zu entlassen. Erst 1959 wurde das Schlechtwettergeld eingeführt, um Mitarbeiter auch beim Arbeitsausfall weiter beschäftigen zu können. Ein Jahr später wurde der Lohnausgleichs-Tarifvertrag geschlossen und die Lohnausgleichskasse gegründet. Aus dem Schlechtwettergeld wurde dann das Saisonkurzarbeitergeld, das als Vorbild für das konjunkturelle Kurzarbeitergeld diente. Dieses Konjunktur-Instrumentarium ermöglicht eine Weiterbeschäftigung selbst in der größten Krise und wird daher weltweit bewundert.

Doch die Lohnausgleichskasse kümmert sich um mehr: Durch die große Wetter-Abhängigkeit im Dachdecker-Handwerk übernimmt die LAK über die Kälteperiode hinaus bei Ausfällen das Ausfallgeld als tariflichen Leistung. Darüber hinaus bietet sie die Altersvorsorge für Dachdecker. Aufgrund der harten körperlichen Belastung sind viele Dachdecker nicht in der Lage, bis zum Eintritt ins Rentenalter mit 65 zu arbeiten. Im Durchschnitt scheiden viele bereits mit 58 Jahren aus. Außerdem ermöglicht die Lohnausgleichskasse die Zahlung eines 13. Monatsgehalts und fördert Berufsbildung im Dachdeckerhandwerk. Damit trägt sie letztlich auch zur Sicherung der Fachkräfte in der Zukunft bei.

Aktuelle Kommentare zum Beitrag.

Wir stellen diese Frage, um automatisierten Spam zu verhindern.

Das könnte Sie auch interessieren.