Massivbau oder Holzbauweise - wie bauen wir besser?

News | Frank Kessler | 10.06.2020
Massivbau oder Holzbauweise - wie bauen wir besser?
Foto: Weissengruber

Mit einem visionären Innovationsprojekt untersuchte ein Generalunternehmer, welche Bauweise wirklich zukunftsweisend ist. Dazu wurden zwei nahezu identische Gebäude errichtet, eines als Massivbau und eines in Holzbauweise. Erste Ergebnisse der Unterschiede zu Kosten und Zeit liegen nun vor und zeigen, dass beide Bauweisen durchaus ihre Vorteile haben. Trotzdem gibt es eine deutliche Tendenz, wie künftig hochwertiger, ökologischer und bezahlbarer gebaut werden kann.

Mit einem aufsehenerregenden Bauprojekt ist der Generalunternehmer Rhomberg Bau einer ganz besonderen Frage nachgegangen: Welche Bauweise ist besser, der Massivbau oder die Holzbauweise? Eigens für dieses Projekt wurden in der Wolfurter Lerchenstraße zwei identische Wohngebäude errichtet. Das eine wurde aus Holz gebaut, das andere Gebäude in Massivbauweise. Das Ziel bestand darin, durch das richtungsweisende Projekt verlässliche Ergebnisse zu Unterschieden hinsichtlich der Bauzeit, der Baustellenlogistik, der Lärm- und Staubentwicklung sowie der Energieeffizienz zu gewinnen. "Die Erkenntnisse aus dem Vergleich sollen entscheidend dazu beitragen, zukünftig die besten Materialien und Bauweisen für qualitativ hochwertigen, ökologischen und gleichzeitig bezahlbaren Wohnraum zu wählen", erklärte Christian Jauk von Rhomberg Bau beim ersten Spatenstich im April 2018.

In der Bauwirtschaft steckt ein großes Potenzial

Nun sind die ersten Daten ausgewertet und zeigen, dass unabhängig vom Baustoff in der Bauwirtschaft ein großes Potenzial vorhanden ist. Allerdings laufen Untersuchungen zum Energieverbrauch und dem Wohngefühl der Mieter jetzt erst an. Es kann also nur von einem Zwischenergebnis gesprochen werden. Doch obwohl jede Bauweise ihre Vorteile hat, schneidet Holz bei fast allen Untersuchungen etwas besser ab. Zwar zeigen sich beim Holz 0,6 Prozent höhere Kosten beim zweigeschossigen Wohnungsbau und bis zu drei Prozent bei sieben Geschossen. Die Mehrkosten kommen durch mitwachsenden Wandstärken der tragenden Wände und die wachsenden Anforderungen an den Brandschutz zustande. Doch diese Kosten sind zu relativieren, da sie veraltet sind und weder mögliche Förderungen noch Einsparungen wie beispielsweise durch die verkürzte Bauzeit berücksichtigen. Heute ist es durchaus möglich, Holzbauten preisoptimiert und kostenneutral zu bauen. Außerdem punktet der Holzbau bei der Ausführungsqualität, dem Bauablauf und der Ökobilanz. So zeigt sich bei der Holzbauweise auch ein hohes Einsparpotenzial bei der Energie.

Trotzdem steckt im mineralischen Bau ebenfalls ein hohes Potenzial. “ Vor allem bei der Bauzeit lassen sich mit etwa Vorfertigung schnellere Bauzeiten und auch eine höhere Qualität realisieren”, erklärt Jauk. Überraschend war neben den geringeren Baukosten auch das Ergebnis der Befragung der Kunden, welche Bauart sie bevorzugen. Demnach ist die konkrete Bauweise nebensächlich, viel entscheidender ist die Lage, die Aussicht und die Geschossigkeit.

Neue Wege in Holzbauweise gehen

Jetzt müssen neue Wege, Ansätze und Lösungen intensiv ausgebaut werden. Das Ziel ist, die Qualität beim Holzbau auf sehr hohem Niveau zu halten. Auch die technische Ausführung der Holzhybridbauweise, die Bauzeit und die Kosten müssen weiter optimiert werden. Trotzdem müssen Gebäude geschaffen werden, in denen sich die Menschen wohlfühlen und gerne wohnen. Die Studie zeigt, welche Ansätze dazu nötig sind.

Aktuelle Kommentare zum Beitrag.
  (Geschrieben von Timo Kroke am 12.06.2020 )

Hat dieser Vergleich auch Angaben zum Schallschutz?

  (Geschrieben von Armin Bühler am 14.06.2020 )

Ebenso wie die heute möglichen Optimierungen im Holzbau noch nicht abschließend realisiert werden, so werden die energetischen Potentiale welche mit der Gebäudemasse von massiven Bauteilen (auch in Leichtbauten) realisiert werden können weder umgesetzt noch in ihrem vollständigen Nutzen geplant oder untersucht. Damit werden die Chancen zur Netzstabilisierung durch Gebäudemasse, mit jedem weiteren Gebäude das herkömmlich gebaut wird, verringert. 

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