Meisterpflicht oder Mindestqualifikation für Fliesenleger gefordert

News , 19.06.2016 , Jennifer Brandt Bild zu: Meisterpflicht oder Mindestqualifikation für Fliesenleger gefordert
Foto: Roland Riethmüller

Die fehlende Pflicht eines Meisterbriefes zur Ausübung eines Fliesenlegerhandwerksbetriebes führt immer wieder zu Problemen auf Baustellen. Dabei handelt es sich nicht nur um mangelnde Qualität bei den ausgeführten Arbeiten sondern immer wieder auch um einen verzerrten Wettbewerb durch Dumpingpreise. Das Handwerk fordert daher seit Jahren eine Wiedereinführung der Meisterpflicht unter Fliesenlegerbetrieben.

Seit nunmehr 12 Jahren ist es auch ohne einen Meisterbrief möglich, einen Fliesenlegerbetrieb zu führen. Dabei muss man noch nicht einmal Mitarbeiter beschäftigen. Es reicht auch als Ein-Mann-Betrieb angemeldet zu sein. Die Konsequenzen dieser Regelung zeigen sich auf deutschen Baustellen allzu oft in negativer Form. So kommt es immer wieder zu nicht unbeachtlichen Schäden durch Pfusch oder unfairen Wettbewerb.

Zu wenig Betriebe mit Meisterbrief

Anlässlich eines Werkstattgesprächs der MIT, Mittelstands- und Wirtschaftsvereinigung der CDU/CSU in Berlin machte Karl-Hans Körner, Vorsitzender des Fachverbandes Fliesen und Naturstein im Zentralverband Deutsches Baugewerbe, und ZDB-Vorstandsmitglied, deutlich, dass eine Wiedereinführung der Meisterpflicht im Fliesenlegerhandwerk, aber auch im Estrichleger- und Betonstein- und Terrazzoherstellerhandwerk eine unverzichtbare Voraussetzung sei, um langfristig erfolgreich zu sein.

Für Körner zeigt sich deutlich, welche Defizite die Abschaffung des Meisterbriefes im Fliesenlegerhandwerk entstanden sind. So sind inzwischen gut 72.000 Fliesenlegerbetriebe Ein-Mann- Betriebe oder Solo-Selbstständige. Viele dieser Betriebe allzu oft aus dem ost- oder südeuropäischen Ausland. Wenn man berücksichtigt, dass die Zahl solcher Betriebe früher bei etwa 12.000 lag, ist dies eine alarmierende Situation. Denn dass solche Betriebe keinen Nachwuchs ausbilden versteht sich wohl von selbst. Damit entsteht ein echtes Nachwuchsproblem in diesem Bereich, das irgendwann ungewollte Ausmaße annehmen könnte.

Schäden durch fehlende Meisterpflicht

Ohne Meisterpflicht kann also im Grunde jeder einen Fliesenlegerbetrieb eröffnen, ohne auch nur ansatzweise Ahnung von diesem Handwerk zu haben. Dass dies leider tatsächlich immer wieder vorkommt zeigt sich, wenn man die Schäden auf Baustellen bewertet. Denn so ist es vor allem die Qualität der ausgeführten Arbeiten, die immer wieder zu wünschen übrig lässt. Und diese Zeche zahlt am Ende der Kette zumeist der Verbraucher. Umso ärgerlicher ist in Schadenfällen außerdem, dass viele dieser windigen Unternehmer plötzlich nicht mehr auffindbar sind und somit jegliche Regressansprüche versiegen.

Verzerrter Wettbewerb

Neben den Schäden durch schlecht ausgeführte Arbeiten, ist es aber auch die Preisstruktur, die das Gewerk immer wieder belastet. So bieten sich die Ein-Mann-Betriebe oder Solo-Selbständigen immer wieder zu Dumpingpreisen an und machen damit den Markt völlig kaputt. Dabei ist es ein echter Teufelskreis, denn der Auftraggeber merkt leider viel zu spät, welche Folgen diese Dumpingpreise mit sich bringen und zahlt am Ende nur drauf.

Lösungen zur Beseitigung des Problems

Um sowohl den Betrieben mit Meisterbrief als auch den Kunden eine bessere Perspektive zu geben, muss die Meisterpflicht im Fliesenlegerhandwerk wieder eingeführt werden. Für Körner steht fest, dass ein erster Schritt in jedem Fall die Forderung einer Mindestqualifikation ist. Das kann beispielsweise die Gesellprüfung als Zulassungsfaktor sein. Ein weiterer Schritt wäre für Körner auch die Versicherungspflicht für Selbstständige.