Milliardenschwere Baumaßnahmen für Senioren nötig

News , 31.01.2019 , Frank Kessler Milliardenschwere Baumaßnahmen für Senioren nötig
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Bis zum Jahr 2035 steigt die Zahl der Über-65-Jährigen in Deutschland um etwa sechs Millionen Menschen an. Zur Bedarfsdeckung müssten demnach bis zum Jahr 2030 drei Millionen zusätzliche Senioren-Wohnungen entstehen. Neben Neubaumaßnahmen rückt daher auch ein altersgerechter Umbau in den Vordergrund. Das sind Ergebnisse einer aktuellen Studie, die zudem eine "Senioren-Umzugswelle" prognostiziert, weil Ältere künftig im Durchschnitt über weniger Geld verfügen als heutige Rentner.

Laut der Studie "Wohnen der Altersgruppe 65plus" wird es im Jahr 2035 in Deutschland ungefähr 24 Millionen Menschen im Alter von über 65 Jahren geben. Damit all diese Menschen passende Senioren-Wohnungen finden, müssen bis zum Jahr 2030 rund 50 Milliarden Euro in geeignete Baumaßnahmen investiert werden. Um das jedoch zu stemmen, muss altersgerechter Umbau mit mindestens 5,6 Milliarden Euro im Wohnungsbau gefördert werden, berichtet der Bundesverband Deutscher Baustoff-Fachhandel (BDB). Er hatte die Studie beim Pestel Institut in Auftrag gegeben.

Die Förderung von altersgerechtem Umbau rechnet sich

Pro Jahr muss demnach laut Studie die Förderung für altersgerechtes Sanieren und Bauen von Senioren-Wohnungen bei mindestens 500 Millionen Euro liegen. Auch die Art der Förderung ist wichtig. Denn viele Wohnungseigentümer, die bald in Rente gehen, interessieren sich wenig für Kreditprogramme, weiß Matthias Günther, Leiter des Pestel-Instituts. Noch ausgeprägter sei das Desinteresse bei den Über-70-Jährigen. "Hier ist nur mit direkten Zuschüssen effektiv etwas zu erreichen", sagt Günther. Diese Fördermittel rentieren sich allerdings für den Staat, fährt er fort. Durch barrierefreie Wohnungen sei eine Pflege in den eigenen vier Wänden möglich, durch die sich die teurere und oft ungewollte stationäre Pflege häufig vermeiden lässt. Ein altersgerechter Umbau von Wohnungen mache sich laut Günther bereits dann bezahlt, wenn sich ein Heimaufenthalt um knapp zwei Jahre nach hinten verschieben lässt.

Anteil der Rentner mit Unterstützung vom Staat steigt stark

Ein zusätzliches Problem wird sich laut Pestel-Institut ergeben, weil ab dem Jahr 2025 eine ganze Generation mit deutlich niedrigeren Renten in den Ruhestand gehen wird. Die Zukunftsforscher schätzen, dass der Anteil an Senioren mit staatlicher Unterstützung für den Lebensunterhalt von aktuell etwa drei auf 25 bis 35 Prozent ansteigt. Dadurch werden sich viele Senioren ihre alte Wohnung nicht mehr leisten können und in eine kleinere Wohnung umziehen müssen.

Insbesondere in den teuren Städten ist es aber schwierig, passenden Wohnraum zu finden. Das Pestel-Institut empfiehlt deshalb, in den Städten ein bezahlbares Seniorenwohnen und einkommensschwachen Haushalten mit Wohneigentum - vor allem im ländlichen Raum - eine Wohnberatung anzubieten. Sie soll die Senioren bei Fragen rund um Umzüge und altersgerechtes Sanieren unterstützen und sie zudem dazu animieren, neue Wohnformen wie gemeinschaftliches Wohnen auszuprobieren.