Die beschlossene Erhöhung des Mindestlohns auf 14,60 Euro bis zum Jahr 2027 sorgt in Bauwirtschaft und Handwerk für Unruhe. Branchenvertreter warnen vor massiven Mehrkosten, gefährdeten Tarifverträgen und wachsendem Wettbewerbsdruck. Vor allem kleine und mittlere Betriebe sehen sich durch steigende Lohnkosten und unsichere Marktbedingungen stark belastet. Forderungen nach Bürokratieabbau, fairer Vergabepraxis und steuerlicher Entlastung werden lauter, denn ohne flankierende Maßnahmen geraten viele Betriebe an ihre Belastungsgrenze.
Die Mindestlohnkommission hat eine deutliche Anhebung des gesetzlichen Mindestlohns beschlossen: Zum 1. Januar 2026 steigt der Satz auf 13,90 Euro pro Stunde, ein Jahr später folgt eine weitere Erhöhung auf 14,60 Euro. Diese Entscheidung trifft Bauunternehmen und Handwerksbetriebe in einer wirtschaftlich ohnehin angespannten Lage. Während Arbeitgebervertreter vor Kostensteigerungen warnen, betonen Kammern die Bedeutung einer stabilen Sozialpartnerschaft. Die Folgen der Entscheidung dürften sich nicht nur auf die Lohnabrechnungen, sondern auch auf Ausschreibungen, Kalkulationen und Baupreise auswirken.
Bauwirtschaft warnt vor Folgen der Mindestlohnerhöhung für Tarifverträge
Die Bundesvereinigung Bauwirtschaft (BVB) erkennt die Entscheidung der Mindestlohnkommission grundsätzlich an, mahnt jedoch politische Zurückhaltung an. „Die Mindestlohnkommission hat ihren Auftrag erfüllt und einen Vorschlag zur Anhebung des gesetzlichen Mindestlohns für die kommenden zwei Jahre vorgelegt“, erklärt BVB-Hauptgeschäftsführer Felix Pakleppa. „Die Bundesvereinigung Bauwirtschaft erwartet, dass die Politik dieses Ergebnis akzeptiert.“ Mit Blick auf die Erhöhungen von 8,4 Prozent im Jahr 2026 und weiteren fünf Prozent im Jahr 2027 verweist Pakleppa auf die Folgen für bestehende Tarifverträge. Diese müssten nun auf ihre Anschlussfähigkeit geprüft werden, da viele Betriebe in der Bau- und Ausbaubranche bereits heute mit wirtschaftlichen Unsicherheiten kämpfen.
Höherer Mindestlohn erhöht den Druck auf das Handwerk
Auch im Handwerk wird die Entscheidung der Mindestlohnkommission mit gemischten Gefühlen aufgenommen. Der Präsident des Handwerkskammertages Brandenburg, Robert Wüst, lobt die Kommission für ihre politische Unabhängigkeit, warnt aber gleichzeitig vor erheblichen Belastungen: „Gleichwohl wird die Anhebung des Mindestlohns zahlreiche Handwerksbetriebe in Brandenburg vor erhebliche Herausforderungen stellen – insbesondere in Branchen, die ohnehin unter starkem Kosten- und Wettbewerbsdruck stehen.“ Wüst fordert daher flankierende Maßnahmen: Bürokratieabbau, faire öffentliche Auftragsvergabe und steuerliche Erleichterungen müssten die höheren Personalkosten ausgleichen.
Rahmenbedingungen entscheiden über Umsetzungskraft
Während der gesetzliche Mindestlohn eine untere Grenze markiert, bleibt die tatsächliche Belastung für Bau- und Handwerksbetriebe von weiteren Faktoren abhängig. In einer Zeit, in der Auftragsvolumen sinken und Materialpreise hoch bleiben, wird die betriebliche Resilienz zunehmend zur Überlebensfrage. Die Branche sendet ein klares Signal: Fairer Lohn ist Konsens. Doch ohne wirtschaftlich tragfähige Bedingungen droht das Fundament zu wanken.

















