Mitarbeiterbindung im Handwerk

, 15.08.2012 , Frank Kessler Bild zu: Mitarbeiterbindung im Handwerk
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Die Zeiten, in denen man Jahrzehnte im gleichen Unternehmen beschäftigt ist – also quasi von der Ausbildung bis zur Rente – sind definitiv vorbei.  Neben den Entscheidungen von Unternehmensseite aus, sind es aber immer mehr die Beschäftigten selbst, die sich von Firmen trennen. Die Gründe dafür sind vielseitig und müssen daher genau beurteilt werden. Nur wenn Unternehmen erkennen, wie sie ihre Mitarbeiter langfristig halten können, ist dem Fachkräftemangel entgegenzuwirken.

Qualifiziertes Personal für seinen Betrieb zu finden, ist schon schwer genug, dieses dann aber auch an sich zu binden, stellt eine mindestens genauso große Herausforderung dar. Auch Handwerksbetriebe müssen sich dieser immer wieder stellen. Eine vom Ludwig-Fröhler-Institut für Handwerkswissenschaften durchgeführte Untersuchung beschäftigte sich deshalb intensiv mit dem Thema, wie zufrieden die in Handwerksbetrieben beschäftigte Arbeitnehmer mit der Qualität ihrer Tätigkeit und ihrer Arbeit selbst sind. Letztlich sind diese beiden Punkte in der Regel die Basis dafür, ob sich ein Arbeitnehmer im Laufe seiner Beschäftigung für oder gegen ein Unternehmen stellt.

Der Ursprung der aktuell erstellten Untersuchung war eine in den Jahren 2009 und 2010 durchgeführte Befragung von 100 Jungfachkräften aus Bayern, die in acht unterschiedlichen Handwerksberufen tätig waren. Dazu gehörten Bäcker, Friseure, Installateure, Feinwerkmechaniker, Heizungsbauer, Kraftfahrzeugmechatroniker, Maurer und Betonbauer sowie Zahntechniker und Metallbauer. An den doch sehr differenzierten Berufen ergibt sich, dass die Meinungen sehr unterschiedlich sein werden und nicht für jeden die gleichen Faktoren von Bedeutung sind.

Für die Befragung mussten sich die Jungfachkräfte damit auseinandersetzen, wie zufrieden sie mit ihrer Arbeit und der Beschäftigungsqualität in ihren Betrieben sind. Aus der Studie geht ziemlich deutlich hervor, welche Bereiche besonders positiv, aber auch negativ bewertet werden. Positiv beurteilen die Befragten dabei, dass sie ihr Arbeitsfeld als sehr abwechslungsreich bewerten, aber auch Zusatzleistungen zum üblichen Lohn und die Beziehung zum Vorgesetzten sind als gut bewertet worden. Weniger gut wird über das Einstiegsgehalt, das Betriebsklima zwischen Kollegen und mögliche Weiterbildungen geurteilt.

Auch wenn man nun weiß, was Beschäftigte als gut und schlecht, aber auch für besonders wichtig oder eher unwichtig erachten, so muss dennoch ein erhöhtes Augenmerk auf diese Faktoren gegeben werden. Letztlich ist entscheidend, wie viel Einfluss diese Argumente am Ende auch darauf haben, ob man sich für einen Verbleib oder gegen selbigen im Betrieb entscheidet. Natürlich gibt es immer finanzielle oder eben nicht finanzielle Anreize, die einen wesentlichen Teil zur Attraktivität eines Unternehmens beitragen. Dennoch sind es nicht immer die finanziellen Gründe, die einen Arbeitnehmer an den Betrieb binden. Vielmehr sind es gerade Aspekte, wie ein ausgewogenes Betriebsklima oder mögliche Weiterbildungschance, die einen größeren Stellenwert gegenüber den finanziellen Gründen ausmachen.

Wenn Handwerksbetriebe nun also bei ihrer Personalpolitik stets aufmerksam auf solche Impulse achten, so haben sie gute Chancen, qualifizierte Mitarbeiter für lange Zeit in ihrem Unternehmen zu halten. Denn ganz klar ist, motivierte Mitarbeiter, die Spaß an der Arbeit haben und immer wieder gerne ihren Dienst antreten, sind das beste Aushängeschild und ein maßgeblicher Erfolgsfaktor von Handwerksbetrieben.

Publikation "Arbeitszufriedenheit und Mitarbeiterbindung im Handwerk" von Maximilian Wolf zum kostenlosen Download:
http//www.lfi-muenchen.de/publikationen/LFI_bwl_Mitarbeiterbindung.pdf