Mobile Generalisten: Bereicherung oder Problem am Bau?

News | Frank Kessler | 30.06.2020
Mobile Generalisten: Bereicherung oder Problem am Bau?
Foto: Roland Riethmüller

Mobile Generalisten gewinnen als Gruppe im deutschen Handwerk zunehmend an Bedeutung. Gemeint sind Handwerker ohne eine eigene Werkstatt, die Arbeiten in unterschiedlichen handwerklichen Gewerken übernehmen. Sie sind seit dem Wegfall des Meisterzwangs in einigen Gewerken zu einer Herausforderung für klassische Handwerksbetriebe geworden. Für den Kunden kann ein Auftrag an mobile Generalisten Kostenvorteile bieten. Kritiker monieren aber mögliche Qualitätsmangel.

Im Jahr 2004 fiel die Meisterpflicht in 53 von 94 zuvor meisterpflichtigen Handwerksberufen weg. Zwar wurden Anfang diesen Jahres zwölf dieser Gewerke erneut meisterpflichtig. Dennoch bleibt weiterhin reichlich Raum für Handwerker und Handwerkteams, die ohne Meistertitel handwerkliche Arbeiten übernehmen. Einen Teil dieses Raums füllen mobile Generalisten. Eine Bestandsaufnahme der Zahl und des Umsatzes dieser Kleinstbetriebe lieferte im Jahr 2015 ein Hagebau-Report.

Laut diesem Report gab es in Deutschland im Jahr 2014 ungefähr eine Million Handwerksbetriebe, von denen über fünfzig Prozent zur Baubranche gehörten. Die Zahl der mobilen Generalisten lag laut Studie damals bei etwa 120.000. Die mobilen Generalisten machten einen Umsatz von 14,7 Milliarden Euro in dem besagten Jahr. Das entsprach 25,5 Prozent des Gesamtumsatzes sämtlicher Handwerksbetriebe in der deutschen Baubranche.

Mobile Generalisten: günstiger und ebenso gut?

Die Argumente bei der Diskussion rund um Vorteile und Nachteile der Arbeit mobiler Generalisten ähneln denen in der Diskussion für oder gegen die Meisterpflicht. Aus Kundensicht sprechen möglicherweise preisliche Faktoren für die mobilen Generalisten. Sie haben in der Regel aufgrund der fehlenden Werkstatt geringere Fixkosten. Die Befürworter einer weitgehenden Meisterpflicht im Handwerk befürchten aber nach wie vor die aus ihrer Sicht mangelnde Qualität der Betriebe ohne Meister. Darüber hinaus betonen sie, dass der Meister auch in der handwerklichen Ausbildung für Qualität steht.

Viele Handwerker sehen eine Konkurrenzsituation

Durch werkstattlose Handwerker, also mobile Generalisten entsteht im Handwerk ein verstärkter Konkurrenzkampf um Aufträge: Dieser Aussage stimmte in einer aktuellen Studie der Rudolf Müller Mediengruppe ein Viertel der befragten Handwerker voll und ganz zu. Weitere 24 Prozent stimmten eher zu, während nur 19 Prozent die Aussage eher oder überhaupt nicht für richtig hielten. Allerdings betonte eine Reihe von Handwerkern, die Auftragslage sei aktuell generell so gut, dass man sich um Aufträge keine Sorgen machen müsse. 44 Prozent der befragten Handwerker stimmten dieser Aussage eher oder voll und ganz zu. Allerdings spielte der Corona-Lockdown in Teilen des Befragungszeitraums für die Studie noch keine Rolle.

Deutliche Unterschiede zeigen sich in der Einschätzung, ob sich die Arbeit mobiler Generalisten qualitativ von der traditioneller Handwerksbetriebe unterscheidet. Der Aussage, dass sie sich nicht unterscheidet, stimmten 64 Prozent der befragten mobilen Generalisten voll und ganz zu. Dagegen haben nur fünf Prozent der traditionellen Handwerker der Aussage voll und ganz zugestimmt.

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