Korrosionsschutzlacke aus Schweinegülle? Ein aktuelles Forschungsprojekt aus Nordrhein-Westfalen entwickelt biobasierte Beschichtungen auf Basis landwirtschaftlicher Reststoffe. Diese nachhaltigen Baustoffe ersetzen fossile Rohstoffe und erfüllen gleichzeitig Industriestandards. Für Bauunternehmen und Handwerksbetriebe wächst damit das Potenzial, nachhaltige Baustoffe wirtschaftlich einzusetzen. Gleichzeitig zeigt die Innovation, wie ressourcenschonende Produktionsverfahren bei Ausschreibungen mit Umweltkriterien entscheidende Wettbewerbsvorteile erzielen.
Nachhaltige Baustoffe und ressourcenschonende Produktionsverfahren gewinnen in der Bauwirtschaft zunehmend an Bedeutung. Ein aktuelles Forschungsprojekt aus Nordrhein-Westfalen zeigt nun, dass selbst landwirtschaftliche Reststoffe als Rohstoffquelle für hochwertige Industrielacke dienen können. Die Farbenfabrik Oellers aus Aldenhoven entwickelt gemeinsam mit Partnern Verfahren, um Bestandteile aus Schweinegülle für Korrosionsschutzlacke nutzbar zu machen. Für Bauunternehmen und Handwerksbetriebe könnte dies langfristig neue Perspektiven für nachhaltige Beschichtungen eröffnen, ohne Kompromisse bei Qualität oder Verarbeitung eingehen zu müssen. Dabei ist der Hintergrund der Entwicklung die weiterhin starke Abhängigkeit vieler Beschichtungsprodukte von fossilen Rohstoffen. Gerade im Bereich Korrosionsschutz, Fassadenanstriche oder Bodenbeschichtungen werden bislang häufig petrochemische Komponenten eingesetzt. Durch die Aufbereitung landwirtschaftlicher Reststoffe gelingt es inzwischen, biobasierte Funktionsstoffe zu gewinnen, die vergleichbare Leistungswerte erreichen. In laufenden Laborversuchen wird derzeit geprüft, welche Varianten der gewonnenen Stoffe die besten Resultate liefern. „Aktuell erproben unsere Lackingenieure im hauseigenen Labor, welche Modifikation der Phytinsäure in unseren Lacken die besten Ergebnisse erzielt“, beschreibt Geschäftsführer Paul Oellers den aktuellen Stand der Arbeiten.
Nachhaltige Baustoffe werden zum Wettbewerbsfaktor am Bau
Für Bauunternehmen und Handwerksbetriebe werden nachhaltige Produkte zunehmend auch wirtschaftlich attraktiver. So achten öffentliche Auftraggeber und Investoren verstärkt auf Umweltstandards und nachhaltige Bauweisen. Beschichtungen, die aus Reststoffen statt aus fossilen Rohstoffen entstehen, passen in diese Entwicklung und bieten Potenzial für Ausschreibungen mit Umweltkriterien. Gleichzeitig bleibt entscheidend, dass Produkte im Baustellenalltag zuverlässig funktionieren, schnell verarbeitet werden können und langlebige Ergebnisse liefern.
Forschung, Förderung und industrielle Praxis greifen ineinander
Die Forschungsarbeiten werden im Rahmen mehrerer Projekte gemeinsam mit der Hochschule Niederrhein und einem Spezialmaschinenbauer umgesetzt und von Land und Bund unterstützt. Kürzlich hat die Wirtschaftsministerin von Nordrhein-Westfalen, Mona Neubaur, im Rahmen ihrer Innovationsreise den Standort besucht und sich von den Entwicklungen ein Bild gemacht. „Gerade in wirtschaftlich herausfordernden Zeiten brauchen wir Menschen und Unternehmen, die sich trauen, neue Wege zu gehen“, lobt Neubaur. „Tag für Tag arbeiten kluge Menschen in Laboren, Werkshallen und Büros an konkreten Lösungen für die Herausforderungen unserer Zeit“. Die Verbindung aus wissenschaftlicher Forschung, industrieller Produktion und regionalen Partnerschaften zeigt, wie neue Technologien in marktfähige Produkte überführt werden können. Für die Bauwirtschaft entstehen damit langfristig neue Möglichkeiten, nachhaltige Materialien einzusetzen und gleichzeitig den steigenden Anforderungen an Umweltverträglichkeit und Qualität gerecht zu werden. Entwicklungen wie diese verdeutlichen, dass Innovationen im Baustoffbereich künftig entscheidend zur Wettbewerbsfähigkeit von Unternehmen beitragen können.

















