Nachhaltigkeit: Die Baubranche bleibt Spätzünder

Nachhaltigkeit: Die Baubranche bleibt Spätzünder
Foto: Roland Riethmüller

Der sogenannte CO2-Fußabdruck eines Unternehmens ist ein aussagekräftiges Indiz für die ökologische Nachhaltigkeit des unternehmerischen Handelns. Anhand verschiedener Branchen wurde nun berechnet, wann die deutschlandweit nachhaltigsten Unternehmen der jeweiligen Branche ihren CO2-Fußabdruck durchschnittlich um mehr als die Hälfte reduziert haben werden. Die Baubranche schneidet in dieser Untersuchung sehr schlecht ab, was für die einzelnen Bauunternehmen eine schlechte, aber auch eine gute Nachricht beinhaltet.

Laut der aktuellen Studie der Management-Beratung Dr. Wieselhuber & Partner (W&P) werden die deutschlandweit nachhaltigsten Unternehmen der Baubranche ihren CO2-Fußabdruck erst im Jahr 2035 durchschnittlich um 50+1 Prozent reduziert haben. Das ist später als die Betriebe der anderen sechs untersuchten Branchen. Denn die Pharmabranche ist bereits im Jahr 2033 so weit, der Bereich Food & Handel im Jahr 2032. Die Branchen Industriegüter und Chemie erreichen den Status jeweils im Jahr 2029. Dagegen erreicht die Automotive-Branche schon im Jahr 2028 und die Konsumgüterbranche sogar im Jahr 2027 dieses Ziel.

Baubranche steht in Bezug auf Nachhaltigkeit noch ganz am Anfang

Laut W&P gehört Nachhaltigkeit zwar mittlerweile bei vielen Unternehmen zur Unternehmensstrategie. Allerdings würden viele noch Aktivität mit Aktionismus verwechseln und zu einem „bunten Potpourri an Initiativen“ greifen. Wichtig sei dagegen ein strategischer Rahmen. Mit ihm lassen sich kreislauforientierte Produkte, Herstellungsverfahren und deren Nutzung, sowie die Energiewende und Verantwortung entlang der Lieferketten sinnvoll in Unternehmenserfolge transformieren.

In anderen Branchen wird die Zeit bereits knapp

Das Ergebnis für die Baubranche zeigt: Hier existiert in Bezug auf nachhaltige Strategien unternehmensübergreifend noch relativ viel ungenutztes Potenzial. Die Branche wird ihrer Verantwortung für Klima und Umwelt noch nicht so gerecht wie andere Branchen. Für das einzelne Unternehmen beinhaltet das aber auch eine gute Nachricht. Wer in der Baubranche mit seiner Nachhaltigkeitsstrategie erst ganz am Anfang steht, hat weniger Zeitdruck als Unternehmer anderer Branchen in einer ähnlichen Situation.

Wer etwa in der Konsumgüterindustrie noch wenig Wert auf Nachhaltigkeit setzt, wird bereits im Jahr 2027 vielen in dieser Beziehung weiterentwickelten Konkurrenten gegenüberstehen. Er wird möglicherweise nicht mehr mithalten können und vom Wettbewerb abgehängt. Warum? Weil Nachhaltigkeit ein Megatrend ist, der vielfach auch Auswirkungen auf die ökonomische Situation von Unternehmen besitzt.

Fehlende Nachhaltigkeit hat auch viele ökonomische Folgen

Im März 2022 definierte W&P insgesamt acht Megatrends, denen sich Unternehmen bereits heute zu stellen haben. Nachhaltigkeit ist einer davon. Für Unternehmen kann zum Beispiel die Verknappung strategischer Ressourcen zu einem Problem werden. Eine steigende Bereitschaft zu nachhaltigem Konsum ist eine weitere Herausforderung. Sie erhöht die Nachfrage nach nachhaltigen Produkten und Dienstleistung. Wer hier keine passenden Angebote vorzuweisen hat, gerät bei der Kundenakquise schnell ins Hintertreffen. Ökonomische Rahmenbedingungen können Unternehmen ebenfalls in einen Zugzwang setzen, worauf nicht jeder Betrieb in gleicher Weise vorbereitet ist.

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Eine Alternative wäre die…

Eine Alternative wäre die Entflechtung von der Beton-Fraktion hin zu effizienteren Bauweisen als Lean-Construction-Paket.

Weniger Material, weniger Bauteile, weniger Prozesse, weniger Bauzeit, weniger Kosten.

Vorbilder könnten die Prozesse in der sehr effizienten handwerklich prozessorientierten Montage im Automobil-, Flugzeug- oder Großschiffbau sein.
Bspw. hat Toyota seit 20 Jahren sein Toyota-Produktionssystem (TPS) in seine Hausbaufirma Toyota Housing Corporation impliziert. Jetzt hat die sich mit Panasonic Homes unter dem Dach der Holdinggesellschaft Prime Life Technologies (PLT) zusammen gefunden und agieren im sehr komplexen Hausbau zunehmend weltweit. 

Bewährte Lösungen für die Leichtbauweise gibt es schon seit langem.

Bspw. die Konstruktionen von James Hardie Europe GmbH mit Fermacell und Aestuver.Das sind Konstruktionen, die millionenfach verwendet werden und damit unumstritten marktreif sind.

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