Nachwuchsmangel am Bau - aber wer baut künftig unsere Häuser?

News | Frank Kessler | 05.11.2020
Nachwuchsmangel am Bau - aber wer baut künftig unsere Häuser?
Foto: Roland Riethmüller

Die Zinsen sind nach wie vor günstig und die Baubranche boomt. Da sollte man doch glauben, dass damit für Schulabgänger die idealen Voraussetzungen für eine Ausbildung bestehen. Leider herrscht jedoch schon seit Jahren ein Nachwuchsmangel am Bau. Am Geld scheint es nicht zu liegen. Denn fragt man bei den Schulabgängern nach, so spielt Geld keine große Rolle.

"Sei schlau, geh zum Bau" - dieser Slogan zieht bei den jungen Schulabgängern schon lange nicht mehr. Das Baugewerbe erlebt zwar immer noch einen Aufschwung, doch viele freie Lehrstellen sind nicht besetzt. Im August 2020 hatte die SOKA-Bau eine Umfrage gestartet. Diese ergab, dass bei der Hälfte aller Ausbildungsbetriebe noch freie Lehrstellen zu vergeben sind. Wieso ist jedoch die Baubranche so unbeliebt? Das liegt in erster Linie an den Rahmenbedingungen. Für die meisten ist der Arbeitsbeginn zu früh. Außerdem wechseln die Einsatzorte ständig, und lange Pendelstrecken werden von den Arbeitgebern nicht bezahlt. Das macht eine Ausbildung am Bau nicht unbedingt attraktiv. Hinzu kommt der barsche Umgangston auf den Baustellen. Außerdem lassen sich am Bau Familie, Freizeit und Arbeit nur schwer miteinander vereinbaren.

Nachwuchsmangel trotz attraktiver Bezahlung

Geht es nach der Industriegewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt (IG Bau), dann liegt die Lösung des Problems bei der Bezahlung. Deshalb forderte die Gewerkschaft erst kürzlich eine Erhöhung von 100 Euro für die Auszubildenden. Außerdem wird eine Entschädigung für den Weg zur Baustelle gefordert. Liegt es jedoch wirklich am Geld? Schließlich ist die Ausbildungsvergütung am Bau schon deutlich höher als in anderen Branchen. Im ersten Ausbildungsjahr bekommen die Azubis 850 Euro. Im dritten Lehrjahr sind es dann 1.475 Euro.

Eine Umfrage bei den Jugendlichen hat ergeben, dass es nicht unbedingt am Geld liegt. Die wichtigsten Gründe sind vielmehr die Karrieremöglichkeiten, die gesellschaftliche Anerkennung und eine abwechslungsreiche Tätigkeit. Obwohl dies die Baubranche alles bieten kann, müssen die Schüler direkt daraufhin angesprochen werden. Schulbesuche und Jobmessen können sehr hilfreich sein.

Was bedeutet der Nachwuchsmangel in Zukunft für den privaten Hausbau?

Noch ist die Situation nicht kritisch. Personelle Lücken konnten bisher mit arbeitslosen Bauarbeitern und ausländischen Kräften geschlossen werden. Das könnte sich aber bald ändern, wenn es den Unternehmen nicht gelingt, Nachwuchs an Land zu ziehen. Viele Unternehmen stehen schon bald vor einem Generationswechsel.

Auch der Massivhaushersteller Town & Country Haus sieht sich mit einem steigenden Nachwuchsmangel konfrontiert. Abhilfe schaffen die über 300 regional ansässigen Franchise-Partner, die nach hohen Qualitätsstandards und strengen Bau- und Montagevorschriften bauen. Denn die regionalen Handwerker sind oftmals flexibel und können entsprechend auf den Nachwuchsmangel reagieren. Dadurch stehen keine Baustellen still. Trotzdem bleiben die düsteren Aussichten, wenn dem Nachwuchsmangel nicht aktiv begegnet wird.

Aktuelle Kommentare zum Beitrag.
  (Geschrieben von Martin Biermann am 05.11.2020 )

Weil, die Branche ihre Leistung/Bauzeit-Stunde nicht steigert – ist es kein Wunder = wird durch (MMC bis ) Modulare Bauweise gestört ("bis der Handwerks-Geselle ausstirbt")

Wenn man -aber-  Häuser (oder 2 Wohnungen mit z. B. 77 bzw. 54 m2 Wfl.) in 6 Arbeits-Tagen (geht nur mit sehr guten Handwerksgesellen) kann - Ist das Ergebnis, nicht nur, ein Lohn-Plus von ca. 20,00 €/Stunde - für  alte u. neue Handwerks-Gesellen.

  (Geschrieben von Martin Biermann am 05.11.2020 )

Sorry: zwischen 77 und 55 gehört nicht bzw. sondern das PLUS-Zeichen

  (Geschrieben von Problemsolver am 11.11.2020 )

Wie steht’s um die Möglichkeit Quereinsteiger eher in diese Berufe zu integrieren? 
Ich sehe auf dem Arbeitsmarkt der kommenden Jahre einen Überfluss an Personal vor allem aus der Automotive, wie geht man damit um? - die Grundsteine gilt es jetzt schon zu legen!

Wir stellen diese Frage, um automatisierten Spam zu verhindern.

Das könnte Sie auch interessieren.