Neue Details zur Projektverzögerung beim Berliner Flughafen

Jennifer Brandt | 31.10.2012
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Foto: pc-warrior / pixelio.de

Es ist absolut unumstritten, dass die erneute Verschiebung der Eröffnung des neuen Berliner Flughafens nicht gerade das Ansehen der Berliner Flughafengesellschaft fördert. Jeder fragt sich doch, wie ein derart wichtiges Großprojekt so schief gehen kann. Für die Flughafengesellschaft stand schnell fest, wer diese Verzögerung zu verantworten hatte: die engagierten Architekten der Großbaustelle. Das ZDF deckte jetzt kürzlich auf, dass diese Version so nicht ganz richtig ist.

Die Überraschung war groß als feststand, dass die Eröffnung des neuen Hauptstadtflughafens  am 3. Juni 2012 nicht stattfinden würde. Nachdem es sich dabei ja nicht um die erste Verschiebung des Termins für eine Inbetriebnahme handelte, kam schnell die Frage nach dem Grund der weiteren Verzögerung auf. Der Brandschutz wurde hierbei immer wieder genannt.

Die Flughafengesellschaft musste sich natürlich gegenüber der Öffentlichkeit rechtfertigen und fand dabei auch schnell einen Sündenbock für die Misere. Für sie waren die Architekten Schuld an der Fehlplanung. Die Konsequenzen waren dabei sehr hart für die beauftragten Architekten, wurden sie doch letztlich alle  fristlos entlassen. Damit nicht genug, durch eine Feststellungsklage seitens der Flughafengesellschaft forderte man darüber hinaus 80 Millionen Euro von ihnen.

Das ZDF berichtete nun kürzlich in seiner ZDFzeit-Dokumentation „Der Fluchhafen Berlin“ über neue Details, die klarmachen, dass die Architektengemeinschaft alles andere als fehlplanend und verantwortungslos arbeitete. Immerhin belegen verschiedene Dokumente, dass gerade die Architekten diejenigen waren, die seit Dezember 2011 deutlich machten, dass eine Einhaltung des Eröffnungstermins nicht realistisch sei.

Die Architektengemeinschaft PG BBI legte den Bauherren während der Bauphase monatliche Berichte vor, aus denen auch ganz eindeutig hervorging, dass es Probleme bei der Inbetriebnahme des Flughafenterminals gab. Diese Einwände gaben die Architekten bereits im Dezember 2011 zu bedenken. Die kritischen Punkte wurden sogar rot markiert, was normalerweise jedem ein Alarmsignal sein sollte. Offenbar so nicht der Flughafengesellschaft, der diese Berichte vorlag. Hinsichtlich des Status für die Sicherheitstechnischen Anlagen – also auch der Brandschutz – hieß es im Dezember-Bericht: „Inbetriebnahme und Gesamtablauf kritisch.“

Während der Dokumentation des ZDFs wird deutlich, dass die Flughafengesellschaft versucht, diese neuen Details abzuwiegen.  Man rechtfertigt sich sogar, dass die roten Markierungen lediglich zum Ausdruck bringen sollten, dass ein Rückstand des Projektes von mehr als 20 Prozent gegeben sei. Recherchen belegen auch, dass Sachverständige den Fertigstellungstermin bereits nach Beginn des Baus als sehr ehrgeizig bewertet hatten. Doch gerade dann hätte die Geschäftsführung doch hellhörig werden müssen, wenn die roten Markierungen einem Rückstand von mehr als 20 Prozent hätten entsprechen sollen.

Die Recherchen des ZDF-Reporterteams gingen über einen Zeitraum von mehreren Monaten, in denen sie verschiedene Einblicke erhalten konnten. Auch ein Zugang auf die Baustelle war in dieser Zeit möglich, was dazu beigetragen hat, dass man sich durchaus ein klares Bild der Situation machen konnte.

Beitrag in der ZDF-Mediathek:
ZDFzeit-Dokumentation "Der Fluchhafen Berlin"

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