Neue Studie: Wärmepumpe besser als Gas, aber mit Haken

Foto: BWP

Wärmepumpen sparen massiv CO2, schneiden aber in anderen Umweltkategorien teils schlechter ab. Das ist das Ergebnis einer aktuellen Studie zur Klimabilanz des beliebten Heizsystems. Forscher sehen vor allem den Strommix als entscheidenden Faktor, warnen allerdings vor Fehleinschätzungen durch veraltete Daten. Für Bauunternehmen und Handwerker sind die Ergebnisse hochrelevant: Die Wahl der Heiztechnik beeinflusst nicht nur die Energiekosten, sondern auch künftige Förderfähigkeit, gesetzliche Vorgaben und Umweltauflagen im Gebäudebestand.

Eine aktuelle Lebenszyklusanalyse von Forschern der RWTH Aachen stellt die Klimabilanz von Wärmepumpen und Gasheizungen auf den Prüfstand – mit überraschend deutlichen Ergebnissen. Selbst unter konservativen Annahmen reduzieren Wärmepumpen die Treibhausgasemissionen im Vergleich zu fossilen Heizsystemen um nahezu 50 Prozent. Allerdings offenbart die Analyse auch ökologische Zielkonflikte: In zwölf von sechzehn untersuchten Umweltkategorien schneidet die Wärmepumpe schlechter ab. Die Studie liefert damit neue Impulse für die energiepolitische Diskussion, gerade im Hinblick auf die Transformation im Gebäudesektor. Denn das Heizen macht rund ein Viertel des deutschen Endenergiebedarfs aus. Vor dem Hintergrund ambitionierter Klimaziele steht daher vor allem die Dekarbonisierung der Wärmeversorgung im Fokus. Die Aachener Studie vergleicht in verschiedenen Szenarien die Umweltwirkungen von Gasheizungen und Luft-Wasser-Wärmepumpen, von der Herstellung über die Nutzung bis zur Entsorgung. Selbst im sogenannten Basisszenario, das mit einem Strommix aus dem Jahr 2019, mit schlechter Gebäudedämmung und einer ineffizienten Wärmepumpe rechnet, ergibt sich ein CO2-Einsparpotenzial von 48 Prozent. Entscheidend ist laut den Forschern vor allem der Strommix: je grüner der Strom, desto besser die Bilanz der Wärmepumpe.

Kritik an veralteten Daten verzerrt Bild der Wärmepumpe

Branchenexperten wie Martin Pehnt vom Institut für Energie- und Umweltforschung Heidelberg (ifeu) begrüßen die Studie grundsätzlich, monieren jedoch methodische Schwächen: „Warum aber verwendet die Bilanz im ‘Base Scenario‘ einen sechs Jahre alten Datensatz für den Strommix? Wir leben seitdem schon in einer ganz neuen Energiewelt: weit über 50 Prozent erneuerbare Energien und ein vollständiger Ausstieg aus der Atomenergie.“ Die Nutzung veralteter Daten führe dazu, dass Umweltwirkungen wie ionisierende Strahlung überbewertet würden. Die reale Umweltbilanz moderner Wärmepumpen sei daher vermutlich besser.

Strommix bleibt entscheidender Hebel

Auch das Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme (ISE) sieht den Stromverbrauch in der Nutzungsphase als maßgeblichen Faktor. Karl-Anders Weiß betont, dass „die Klimawandelwirkungen durch die Nutzung von Wärmepumpen in der genannten Größenordnung je nach Rahmenbedingungen reduziert werden“. Studien wie die vom Umweltbundesamt oder Agora Energiewende bestätigen diese Tendenz, mit Einsparpotenzialen von bis zu 90 Prozent bei Nutzung von Ökostrom. Künftige Regulierungen zur Begrenzung klimaschädlicher Kältemittel wie R410A könnten die Umweltbilanz zusätzlich verbessern.

Handlungsbedarf bei Kältemitteln und Bewertungssystemen

Denn ein Schwachpunkt liege laut Ole Zelt vom Wuppertal Institut für Klima, Umwelt, Energie in der Wahl des Referenzkältemittels: R410A besitze ein extrem hohes Global Warming Potential (GWP), eine Kennzahl zur Bewertung der Klimaschädlichkeit im Verhältnis zu CO2. In der Praxis werde dieses aber zunehmend durch klimafreundlichere Alternativen wie die “Low-GWP‘-Kältemittel wie R32 oder R290 (Propan) ersetzt. Zudem sei eine differenziertere Bewertung der Verschiebung von Umweltlasten zwischen Wirkungskategorien erforderlich.

Wärmepumpen bleiben klimapolitisch alternativlos

Trotz einzelner Umweltbelastungen steht fest: Wärmepumpen bieten ein enormes Klimaschutzpotenzial, vor allem im Zusammenspiel mit einem wachsenden Anteil erneuerbarer Energien im Stromsektor. Die kritischen Punkte der Studie zeigen nicht die Schwäche der Wärmepumpe, sondern den Reformbedarf bei Datenqualität, Bilanzierungsmethoden und regulatorischen Rahmenbedingungen.

Wärmepumpe oder Gasheizung – wohin geht die Reise im Bestandsbau?

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Dann veranlassen Sie doch ganz schnell ein Update der kritisierten Studie, damit jedem Zweifel die Berechtigung entzogen wird.

Die Wärmepumpe hat zweifellos die Nase vorn beim Neubau. Beim Bestand ist jedoch der Wirkungsgrad bzw. Leistung geringer und somit der Strombedarf höher. Was nicht außer Acht gelassen werden darf ist auch, dass viele Gasanbieter inzwischen in der Lage sind 100% Biogasanteil anzubieten, was eine CO2 Reduktion um bis zu 65% ermöglicht. Das gehört m.E. auch mit in den Vergleich bezüglich Aktualisierung der Daten.

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