Neuer Tariflohn Baugewerbe und Tarifrente Bau

News | Roland Riethmüller | 10.06.2014
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Noch kurz vor Pfingsten ist der Vorschlag in der Tarifrunde für das Bauhauptgewerbe von beiden Tarifparteien angenommen worden. Für die 760.000 Beschäftigten im Baugewerbe bedeutet dies erstmal eine Steigerung vom Tariflohn. Viel bedeutender ist jedoch die Umstellung der Altersversorgung auf die kapitalgedeckte Tarifrente Bau, mit der das Baugewerbe nicht nur sozialpolitische Verantwortung übernimmt, sondern auch die Attraktivität der Branche steigert. 

Der Tarifstreit im Bauhauptgewerbe ist Ende letzter Woche endgültig erfolgreich beigelegt worden. Über vier Verhandlungsrunden erstreckten sich die Tarifverhandlungen von Anfang März bis Anfang Mai 2014 und wurde nun durch die Zustimmung beider Tarifparteien zum ausgehandelten Kompromissvorschlag verbindlich. Dipl.-oec. Andreas Schmieg, Vizepräsident Sozialpolitik des Hauptverbandes der Deutschen Bauindustrie und Verhandlungsführer der Arbeitgeber freut sich: „Statt einer Hängepartie mit Schlichtungsverfahren bewegt sich der in allen Punkten ausgewogene Tarifvorschlag im Rahmen der konjunkturellen Rahmenbedingung und trägt auch den Unterschieden in den einzelnen Regionen und Bausparten Rechnung.“ Gleichzeitig sieht Schmieg die Stärke der Tarifautonomie und Disziplin der Verhandlungspartner bestätigt, denn während in den Jahren 2007, 2009 und 2011 noch eine Schlichtung von Nöten war, konnten sich bereits im letzten Jahr die Tarifparteien selbst einigen. Der Präsident der Baugewerblichen Verbände, Rüdiger Otto, bezeichnet das Ergebnis gar als „Meilenstein für unsere Branche“.

Bereits Ende Mai hatten die Arbeitnehmer-Vertreter in der ehrenamtlich besetzten IG BAU-Bundestarifkommission (BTK) dem Kompromiss mit großer Zustimmung angenommen. „Wir haben nicht nur über Lohn, sondern ein Gesamtpaket verhandelt. Das umfasst auch die Materie des Bundesrahmentarifvertrags und vor allem die Einführung der betrieblichen Altersvorsorge im Osten“, kommentiert der stellvertretende IG BAU-Bundesvorsitzende und Arbeitnehmer-Verhandlungsführer Dietmar Schäfers.

Ohne Widerspruch der Arbeitgeber-Vertreter kann nun der im Mai ausgehandelte Tarifvorschlag in Kraft treten. So steigen die Löhne, Gehälter und Ausbildungsvergütungen rückwirkend nach einem sogenannten Nullmonat zum 1. Juni 2014 um 3,1 Prozent und ab dem 1. Juni 2015 um weitere 2,6 Prozent an. Im Tarifgebiet Ost erhalten die Beschäftigten zusätzlich 0,7 Prozent mehr, was das dortige Lohnniveau zur weiteren Angleichung nun auf 92 Prozent der West-Löhne anhebt.

Als Jahrhundertprojekt ist laut Schmieg die Einführung der Tarifrente im Osten anzusehen. „Durch die Systemumstellung auf ein kapitalgedecktes System und die Neueinführung im Osten wird die Zusatzrente für die Arbeitnehmer deutlich attraktiver als bisher werden.“ Während bisher nur rund 89 Euro in die betriebliche Altersvorsorge eingezahlt wurden, kann der Arbeitnehmer jetzt mit über 400 Euro monatlich rechnen, wenn er als heute 20jähriger mit 67 in Rente geht. Bisher haben lediglich die Arbeitgeber im Westgebiet in die Tarifrente eingezahlt. Mit der Einführung der individuellen und kapitalgedeckten Tarifrente im Ostgebiet werden ab Januar 2016 auch die Ost-Arbeitgeber mit 0,6 Prozent der Lohnsumme an der Finanzierung beteiligt und schrittweise an den West-Beitrag angepasst. Zusätzlich haben auch die Arbeitnehmer durch jahrelangen Verzicht auf Urlaubsgeld in der Vergangenheit und auch befristet für die nächsten zwei Jahre mit einer Zahlung von 20 Prozent des zusätzlichen Urlaubsgeldes zur kostenneutralen Umstellung der Tarifrente maßgeblich beigetragen. „Endlich ist es uns gelungen, dass die im Westen bereits seit 1957 bewährte Tarifrente im gesamten Bundesgebiet gilt“, freut sich Schäfers. Auch Schmieg betont: „Das ist ein nennenswerter Beitrag zur Rentenversorgung und zeigt die sozialpolitische Verantwortung der Tarifpartner.“

Zusätzlich wird darüber hinaus das Fahrtgeld ab Januar 2015 für die Beschäftigten im Baugewerbe auf 20 Cent pro gefahrenem Kilometer erhöht. „Die Fahrtkosten wurden mehr als zehn Jahre nicht mehr angepasst. Es war angesichts der in dieser Zeit stark gestiegenen Spritpreise dringend notwendig, dass wir hier eine Erhöhung erreicht haben“, kommentiert Schäfers das Tarifergebnis.

Darüber hinaus einigten sich die Tarifparteien auf eine weitere Maßnahme zur Sicherung und Bindung der Nachwuchsfachkräfte. Denn ab 2016 werden zusätzlich für jeden Auszubildenden monatlich 20 Euro für die neue Tarifrente Bau bei der Sozialkasse des Baugewerbes (SOKA-BAU) angelegt. Durch den Zinseszinseffekt wird sich diese Einzahlung sehr positiv auf die spätere Tarifrente auswirken und die Attraktivität im Baugewerbe auch für Neueinsteiger deutlich steigern, sind sich die Tarifparteien einig.

Besonders erfreulich ist, dass diese Vereinbarungen für die kommenden zwei Jahre Gültigkeit haben. „Nachdem in der Tarifrunde 2013 lediglich ein 13-monatiger Entgeltabschluss erzielt werden konnte, bietet der Tarifvorschlag mit seiner 24-monatigen Laufzeit den Unternehmen der Bauwirtschaft wichtige Planungssicherheit“, betont Schmieg und meint damit auch die Bau-Mindestlöhne, die bereits zuvor bis 2017 ausgehandelt wurden.

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