Neues Beton-Herstellungsverfahren mit weniger Sand

News , 27.08.2019 , Frank Kessler Neues Beton-Herstellungsverfahren mit weniger Sand
Foto: MultiCON

Künftig kann man statt Sand auch feine Gesteinsmehle sowie Fein- und/oder Wüstensande für die Herstellung von hochqualitativem Beton verwenden. Ein neues Verfahren ersetzt den speziell für die Betonproduktion genutzten Sand. Dies reduziert den Raubbau der mittlerweile schon knapp gewordenen Ressource, wodurch Lebensräume von Tieren zerstört und Menschen die Existenzgrundlage gefährdet werden. Zudem senkt es die CO2-Menge bei der Betonproduktion, reduziert Transportwege und nutzt neue Ressourcen.
 
Zwar gibt es auf der Welt genügend Sand, allerdings ist für die Herstellung von Beton eine spezielle Körnung nötig. Rund 95% der weltweit verfügbaren Sande sind jedoch aufgrund ihrer Beschaffenheit ungeeignet, weil sie zu feinkörnig sind und dadurch keine feste Verbindung mit dem Zement eingehen können. Die Folge ist ein Engpass, da Beton immer noch zu den beliebtesten Baustoffen gehört.

Pellets aus gemahlenem Fein- und Wüstensand

Das Münchner Unternehmen MultiCON hat nun ein neues Herstellungsverfahren für Beton entwickelt, bei dem in einem ersten Schritt des neuartigen Verfahrens aus dem Fein- und Wüstensand ein sogenanntes "Feinsandmehl" entsteht. Das Mehl nutzt man im nächsten Schritt zusammen mit mineralischen Bindemitteln und Spezialadditiven zur Produktion druckfester Pellets in individuellen Größen von 0 bis 16 Millimetern. Sie ersetzen bei der Betonherstellung mit der dualen MultiCON Hochgeschwindigkeits-Mischtechnologie den Kies.

Die MultiCON-Betonmischtechnologie ermöglicht die Produktion von qualitativ hochwertigem sowie kostengünstigerem und umweltschonenderem Beton. Der mit den Pellets und durch die Mischtechnologie entstandene Beton sei bis zu 25 Prozent leichter als übliche Standardbetone. Zudem erhärte er schneller und weise in der Regel höhere Festigkeiten auf, erklärt MultiCON.

Bisher für die Betonherstellung nicht nutzbare Ressourcen werden nutzbar

Einen wichtigen Vorteil entfaltet die Technologie von MultiCON beispielsweise in den sogenannten MENA-Staaten (Mittlerer Osten und Nordafrika), in denen sich der lokal vorhandene Wüstensand künftig zur Produktion von Beton aufbereiten lässt. Bisher war dieser Sand zu fein und rund und besaß eine zu glatte Oberfläche, um in der Bauwirtschaft eingesetzt zu werden.

"Die Nachfrage nach Anlagen zur Aufbereitung von Wüstensand in Verbindung mit der Suspensionstechnologie ist sehr groß”, sagt MultiCON-Geschäftsführer Dr. Leopold Halser. Erste Anlagen seien bereits bestellt und würden bald in Ägypten und Dubai aufgebaut, berichtet MultiCON. Geschäftskontakte nach Jordanien, Bahrain, Saudi-Arabien und Kuwait seien ebenfalls geknüpft worden, heißt es vom Unternehmen weiter.

Europäische Regionen können durch das innovative Verfahren ebenfalls profitieren. So lassen sich bisher für die Bauwirtschaft nicht verwendbare Feinsande aus dem norddeutschen Raum sowie aus großen Teilen Osteuropas künftig bei Bauprojekten einsetzen. Das hat nicht zuletzt auch für den Klimaschutz Relevanz, weil umweltschädliche, teure Transporte durch die Nutzung lokaler Ressourcen häufiger wegfallen.

Das MultiCON-Verfahren spart CO2

Das MultiCON-Verfahren entfaltet noch einen weiteren Vorteil. "Die Herstellung von 1 Tonne Zement erzeugt bis zu 800 kg CO2", sagt Dr. Halser. Durch die MultiCON-Technologie lassen sich die CO2-Emissionen aber um bis zu 30 Prozent reduzieren, berichtet das Unternehmen und fährt fort: Da im Massenbetonbereich in der Regel weltweit zwischen 300 bis 400 kg Zement eingesetzt werden, könnte man mit der Technologie pro Kubikmeter Beton bis zu 100 Kilogramm CO2-Emissionen einsparen.